Online-Games
Rollenspiele im Internet: Vom Azubi zum virtuellen Magier
Die Erwachsenen sprechen aufgeregt über ihre Erfahrungen im "Second Life", die virtuelle, dreidimensionale Welt im Internet, die das reale Leben abbilden will. Der 17-jährige Sebastian winkt nur ab: "Langweilig!" Jungendliche und junge Erwachsene verbringen ihre Freizeit lieber in den Fantasie-Welten der Online-Games wie "Guildwars", "World of Warcraft" oder "Seafight". Das belegen auch die Zahlen: Allein bei World of Warcraft sollen neun Millionen Nutzer spielen, bei "Second Life" sind es dagegen nur 2,5 Millionen. Die Begeisterung für diese Online-Spiele bekommen zunehmend Pädagogen aus der evangelischen Jugendarbeit zu spüren. Es kann schon vorkommen, dass sich ein Jugendlicher für das Fehlen bei der Gruppenstunde mit den Worten entschuldigt: „Ich hab´ im Internet gespielt.“
Diesem Trend ist Michael Grunewald, Referent für Jugend und Gesellschaft im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, auf der Spur. Er hat bereits einige Veranstaltungen zum Thema angeboten. Die Internet-Redaktion hat ihn daraufhin befragt, wie Eltern und Gemeindepädagogen mit dem Phänomen umgehen können.
Worum geht es bei Rollenspielen im Internet?
Sebastian, der im realen Leben eine Lehre zum Koch absolviert, erklärt: "Wenn ich spiele, kann ich super entspannen, das ist bessere Unterhaltung für mich als Fernsehen. Dann bin ich in einer ganz anderen Welt." In den Online-Games schlüpfen die Spielerinnen und Spieler in andere Rollen. Und so verwandelt sich der künftige Koch Sebastian in einen Magier, der mit seinen Gruppenmitgliedern, der Gilde, gegen marodierende Banden und Drachen kämpft.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Computerspielen stecken bei Internet-Rollenspielen reale Menschen hinter den Figuren der Mitspieler. Damit die eigene Gilde ihr Ziel erreicht, verabreden sich die Spieler aus diesem Verband regelmäßig. Am Besten sollten dann gleichzeitig alle online sein. So kann es vorkommen, dass sich einige Gamer täglich im Internet treffen und lange vor dem PC ausharren. " Letzte Woche saß ich von fünf Uhr nachmittags bis morgens um sechs Uhr am Computer. Eine Stunde später bin ich dann zur Berufsschule gefahren", erzählt Sebastian etwas zerknirscht.
Rita Deschner
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN