Kinder-Bibel-Woche

Die Kinder-Bibel-Woche: Welch wunderbare Sache!

Biblische Geschichten begeistern Jugendliche und Kinder

 

Veranstaltungs-Tipps

07.06.2012, Michelstadt
Kinder/Jugendliche: 6. Jugendkirchentag 2012
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04.08.2012, Wabern (in Nordhessen)
Kinder/Jugendliche: Kinderfreizeit der Ev. Kirchengemeinde Usingen
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weitere Veranstaltungen

(Veranstaltung selbst eintragen - Bitte "Kinderbibelwoche" unter Besondere Veranstaltungen angeben.)

„Ich bin jetzt als Teamerin bei der Kinderbibelwoche, weil ich sie als Kind schon immer so toll fand,“ erzählt die 14-jährige Milena A. aus Egelsbach. Diese einwöchige Veranstaltung lässt in Egelsbach und vielen anderen Kirchengemeinden in Deutschland die Kinder in die örtliche Kirche strömen.

In der Kleinstadt im Landkreis Offenbach findet seit 34 Jahren die Kinder-Bibel-Woche (KiBiWo) in der ersten Woche der Herbstferien statt. Dann ist die Kirche mit 250 Kindern im Alter von 6-13 Jahren bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier begegnen sich kleine Protestanten, Katholiken und sogar Muslime – die Kinder zeigen, wie Ökumene und der interreligiöse Dialog gelebt wird.

Engagierte Betreuer sorgen für ein spannendes Programm.

Damit die Woche spannender als Schulunterricht wird, nehmen  80 Betreuer einmal wöchentlich an Vorbereitungstreffen teil. Dazu gehört, dass sie die Gruppenräume im Gemeindehaus so einrichten, dass sich die Kinder während der Woche auch wohlfühlen. Tische fürs Essen und Basteln und Kissen zum Entspannen -  dazu noch die alte Lava-Lampe aus dem Schlafzimmer der Eltern, die für die passende Lichtstimmung sorgt. Die Planung und die Umsetzung geschieht immer in Begleitung des Pfarrers Martin Diehl.

Themen der Bibel werden auf kreative Weise beleuchet.

Jedes Jahr dreht sich das Programm um ein neues Haupt-Thema, in diesem Jahr geht es in Egelsbach um die mittelalterliche Legende des Heiligen Grals. Sie bezieht sich  auf die Kreuzigung Jesu, von der die vier Evangelisten der Bibel ausführlich berichten. Deswegen haben sich die Kinder der 6. und 7. Klasse ein Großprojekt vorgenommen: Ziel ist es, drei zwei Meter große Holzkreuze zu gestalten und an  drei verschiedenen Stellen in Egelsbach aufzubauen.

Start mit fröhlichen Liedern.

Die KiBiWo startet, sobald alle Kirchenbänke voll sind und der Lärmpegel hoch ist. Dann fängt die Band an zu spielen und schlagartig beginnen die Kinder mitzusingen. Die letzte KiBiWo ist zwar ein Jahr her, aber der Text ist in den Köpfen noch präsent. Selbst die kleinen Erstklässer singen so laut sie können -  obwohl sie eigentlich noch gar nicht lesen können. Sobald Pfarrer Martin Diehl die Bühne neben dem Altar betritt,  sind alle so leise, als ob einer den Ton abgeschaltet hätte. Nur seine klare Stimme ist zu hören, mit der er eine Geschichte aus der Bibel erzählt.

Biblische Geschichten werden spielerisch vermittelt.

Während der gesamten Kinder-Bibel-Woche stellen die Teamer ein Puppentheaterstück auf die Beine, dessen Geschichten in biblischer Zeit spielen. Die Puppen haben sie selbst angefertigt. Die Betreuer engagieren sich dafür, dass alle Geschichten der KiBiWo kindgerecht erzählt und gespielt werden. Auch ein Theaterstück haben die Egelsbacher Betreuer  selbst verfasst und schlüpfen selbst als Schauspieler in die Rollen. Dabei wird allerdings ein biblisches Thema in die heutige Zeit übertragen. Gespannt hängen die Kinder an den Lippen der Theaterschauspielerinnen und Schauspieler und lachen über die eingebauten Witze.

Aktiv und kreativ in der Gruppe.

Aber die Kinder werden auch selbst kreativ. Dazu werden sie in Gruppen aufgeteilt. Je älter die Kinder sind desto anspruchsvoller sind die Aufgaben. Pro Gruppe gibt es meist vier Teamer, die sich um die Kids kümmern. In den gemütlich eingerichteten Gruppenräumen geht es dann ans Werk: Sehr beliebt sind Bilder in Window Color-Technik oder selbst gebastelter Schmuck. Und falls es mal ein Streit geben sollte, haben die Teamer und Pfarrer Martin Diehl immer ein offenes Ohr.

Abschluss mit Vorfreude auf das nächste Mal.

Am Sonntag steht dann der  große Abschlussgottesdienst für die Kinder und deren Eltern auf dem Programm. Dort werden noch einmal alle Lieder gesungen, jedes Theaterstück gespielt und selbst die erfahrenen Teamer haben Tränen in den Augen, weil die KiBiWo vorbei ist und doch freuen sie sich gleichzeitig auf das nächste Mal.

Um die ganze KiBiWo zu finanzieren werden die Eltern um eine Spende für die Kinder- und Jugendarbeit gebeten. Und alle paar Jahre fließen die Erlöse einer kircheneigenen Hofwirtschaft in diesen Fond.

Hingergrund

Zahlen untermauern den Erfolg der Veranstaltung: Im Gebiet der EKHN gab es immerhin 660 Kinder-Bibel-Wochen im Jahr 2009. Natalie Ende, Pfarrerin für Kindergottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN, verrät das Geheimnis: „Wenn eine Kirchengemeinde eine Kinder-Bibel-Woche im Programm hat, drückt sie damit aus: Kinder sind uns wichtig! Dafür stellen wir auch gerne etwas auf die Beine, das mit größerem Aufwand verbunden ist.“ Das weckt bei den Eltern Vertrauen. Zentrales Anliegen der Initiatoren sei es, die Ideen und Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen, denn sie gestalteten in den verschiedenen Gruppen die Woche aktiv mit und haben Mitspracherecht. Das Zusammenspiel von Gemeinschaftserlebnissen und den unterschiedlichen Fähigkeiten der Kinder seien traditionell an die Worte des Paulus angebunden, erklärt Natalie Ende. Er gehe davon aus, dass eine christliche Gemeinschaft wie ein Körper sei, bei dem die einzelnen Körperteile verschiedene Aufgaben hätten. Entsprechend ihrer Fähigkeiten sollten sich auch die Mitglieder einer christlichen Gemeinschaft engagieren (Römer 12,4). Pfarrerin Ende unterstreicht: „Hier gewinnt also nicht das klügste oder stärkste Kind, wie es oft in der Schule der Fall ist. Sondern es entsteht Raum für die verschiedensten Gaben und Fähigkeiten.“

Inhaltlich thematisieren zahlreiche Workshops und Theaterspiele die Inhalte biblischer Geschichten. „Die Kinder gewinnen dadurch die Fähigkeit, mit Hilfe der Bibelerzählungen und der christlichen Rituale ihr Leben zu deuten und Lebensübergänge zu meistern“, erklärt die Expertin für Kindergottesdienst. Und so erleben sich die Jüngsten während dieser intensiven Woche als Mitglied der christlichen Erzählgemeinscahft und erfahren von grundlegender religiöser Praxis wie dem Beten. „Die Teamer und Pfarrer gehen dabei erlebnisorientiert vor: Alle Sinne werden angesprochen“, erläutert Natalie Ende.

Interessierten Eltern rät sie, den Kontakt zur Gemeinde aufzunehmen, beispielsweise den Gottesdienst zu besuchen. „So bekommen sie ein Gefühl für die Menschen, die hinter einer Kinder-Bibel-Woche stehen – denn immerhin vertrauen sie ihnen eine Woche lang ihr Kind an.“

 

(Stefan Seib-Melk/RD)

Stand: Sept. 2010