Erfindung

Hessen ist das Land, in dem die Konfirmation entstanden ist. Landgraf Philipp von Hessen hatte im 16. Jahrhundert gerade den evangelischen Glauben verbindlich eingeführt, als sich die so genannten "Wiedertäufer" ausbreiteten. Die evangelischen und katholischen Herrscher waren sich einig: Das sind gefährliche Ketzer! Überall drohte den Wiedertäufern Verfolgung und Todesstrafe. Nur nicht in Hessen: Landgraf Philipp wollte ihre "Irrlehren" ohne Gewalt überwinden.

Konfirmation anstatt Erwachsenentaufe

Die Täufer vertraten die Meinung, dass nur Erwachsene getauft werden dürften. Sie glaubten, dass die Taufe eine persönliche Glaubensentscheidung voraussetzt. Dies können Neugeborene natürlich nicht.
Andererseits war es damals unvorstellbar, dass ein Kleinkind nicht getauft werden sollte. Dies lag daran, dass viele schon als Kinder oder Säuglinge starben. Daher sah man in der Kindertaufe eine Notwendigkeit, um dem Menschen so früh wie möglich den Weg zu Gott zu ebnen. Wer nicht getauft war, kam nicht in den „Himmel“, so glaubte man.

So bemühte sich Philipp der Großmütige um einen Kompromiss. Er holte den Reformator Martin Bucer als Berater nach Hessen. Bucer nahm den Gedanken der Täufer auf, dass die „Kirchenzucht“, also die Erziehung der christlichen Gemeindeglieder, ernster genommen werden muss. Die Taufe sollte allerdings weiterhin direkt nach der Geburt stattfinden. Doch als Jugendliche sollten die Getauften in einem feierlichen Akt das Taufbekenntnis der Eltern und Paten bestätigen. Damit hatte Martin Bucer die Konfirmation erfunden. Zuvor erhielten die Mädchen und Jungen vom Pfarrer eine "Unterweisung im Glauben", den Konfirmandenunterricht.
In der Ziegenhainer Zuchtordnung, die Landgraf Philipp 1539 in Kraft setzte, sind die Regelungen über die Konfirmation festgehalten.

Lesen und schreiben lernen im Konfirmanden-Unterricht

Der Konfirmandenunterricht wurde in ganz Hessen eingeführt und wahrscheinlich von den meisten Kindern auch besucht. Eine Schulpflicht gab es noch nicht. Die hessischen Kinder lernten in der Kirche lesen und schreiben.
Anhand des Katechismus wurden die Grundlagen des evangelischen Glaubens durchgenommen und christliche Gebete und Lieder einstudiert. Später fragte der Pfarrer das Gelernte ab. Zum Abschluss konfirmierte der Pfarrer seine nun im christlichen Glauben gefestigten Zöglinge an einem Sonntag feierlich.

Sachsen, Württemberg und andere evangelische Territorien lehnten die Konfirmation zunächst wegen ihrer Nähe zur katholischen Firmung ab und beließen es bei einer Katechismusprüfung. Im 18. Jahrhundert aber übernahmen fast alle deutschen Landeskirchen die hessische Konfirmation, die dann auch außerhalb Deutschlands Verbreitung fand.