Bericht

26. Mai 2008

„Prima Klima“ auf dem Jugendkirchentag

Der Rüsselsheimer Bürgermeister: „Ich habe noch nie so viele fröhliche, lachende Jugendliche in meiner Stadt gesehen“

 

Der Jugendkirchentag in Rüsselsheim sei ein gelungener Beweis dafür, dass Kirche auf die Marktplätze gehöre, sagte Oberkirchenrätin Sigrid Bernhard- Müller, die Leiterin der Kirchenverwaltung, während des Abschlussgottesdienstes am Sonntag. Etwa 5.000 Jugendliche aus Hessen und Rheinland-Pfalz hatten den 4. Jugendkirchentag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vom 22. bis 25. Mai 2008 besucht. Die Atmosphäre des großen Jugendtreffens brachte Rüsselsheims Oberbürgermeister Stefan Gieltowski auf den Punkt. Er betonte, er habe noch nie so viele fröhliche, lachende Jugendliche in seiner Stadt gesehen und es „fiele ihm sehr schwer, sie am Sonntag alle wieder nach Hause zu entlassen“. Angelehnt an das Motto des Kirchentages „Voll das Leben“ wurden den Jugendlichen Aspekte und Foren für Experimente und das Sammeln eigener Erfahrungen geboten, so der Jugendpfarrer der EKHN, Eberhard Klein.
In diesem Jahr wurde das starke Interesse an spirituellen Themen deutlich, wie die teils überfüllten Bibelarbeiten zeigten, auch Jugendgottesdienste, die Räume der Stelle, die Nacht der Lichter und der Jesus-Parcours waren gut besucht.

Abschlussgottesdienst vergrößern Abschlussgottesdienst
Schiffsplanken vergrößern Auf die Planken der Arche malten die Jugendlichen, was sie für die Zukunft mitnehmen wollen

Arche, Jugendpfarrer und Politikerin

vergrößern Jugendpfarrer Eberhard Klein (links) und die Politikerin Katrin Göring-Eckardt (Mitte) vor der Arche

Auf der Arche

vergrößern Auf der Arche

Katrin Göring-Eckardt

vergrößern Bibelarbeit mit Katrin Göring-Eckardt, der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Patin des Jugendkirchentages
Konfiralley vergrößern Konfirallye
Blechbläser vergrößern Blechbläser
Ithemba vergrößern Ithemba
Trialog vergrößern Trialog der Kulturen
Opelblitz vergrößern Vor dem "Opelblitz"
Quelle: Digitale Fotoreporter des Jugendkirchentages / Helmut Völkel


Archebau auf dem Rüsselsheimer Marktplatz

Sigrid Berhard-Müller hatte abschließend unterstrichen, dass Kirche sich auch für ein lebenswertes Klima einzusetzen und ungelöste Umweltprobleme zu thematisieren habe. So war das „Prima Klima“ eines der wichtigsten Themen des Jugendkirchentages. Auf dem Rüsselsheimer Marktplatz wurde eine Arche für das Leben errichtet, in der die jugendlichen Besucherinnen und –besucher an einem Klimaquiz teilnehmen, sich auf dem Sonnendeck entspannen und sich über Energiesparmöglichkeiten informieren konnten. Ihre Hoffnungen und Zukunftsängste stellten sie kreativ dar, indem sie die Planken der Arche bemalten. Freunde, Familie, Zuhause: Das war es, das die meisten Jugendlichen in die Zukunft mitnehmen wollten.

Katrin Göring-Eckardt: Behütet, trotz Naturkatastrophen

Die biblische Geschichte von Noah und seiner Arche hatte auch Katrin Göring-Eckardt, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Patin des Jugendkirchentages, in ihrer Bibelarbeit am Freitag aufgegriffen. Zu Beginn der Geschichte sieht Gott auf die Welt und entdeckt Bosheit und Gewalt. „Das kommt uns bekannt vor. Gewalt in der Nachbarschaft, Gewalt in der Schule. Damals hat Gott die Sintflut geschickt. Naturkatastrophen, der Zyklon in Birma: Wer ist dafür verantwortlich?“, stellte Katrin Göring-Eckardt die Frage an die Jugendlichen, um sie dann zu beantworten: „Verantwortlich sind wir Menschen selbst“. Der Verbrauch von zuviel Rohstoffen, unsere Lebensweise, das Abholzen der Regenwälder – das seien alles nur Facetten eines Themas, wo Menschen über ihre Grenzen hinausgingen. Zum Schluss machte die Politiker in den Jugendliche Mut: „Gott rettet. Wir können hoffen. Gott bleibt da, egal,  was passiert. Trotz aller Katastrophen behält er seine schützende Hand über uns. Die Arche ist ein Zeichen dafür, dass wir behütet sind.“

Holzkreuze als Spiegel von Mode und Gefühlen – Bastelaktion mit Fernsehrichterin

Pink mit blumigem Design, leuchtend gelb oder trendig in schwarz-weiß - so hatten mehr als 200 Jugendliche  ihre kleinen Kreuze gestaltet. Während der Bastelaktion am Stand des Dekanates Gladenbach schraubten die Mädchen und Jungen zunächst ihre Kreuze zusammen und bemalten sie anschließend. Für die 15-jährige Julia Schäfer steht das Kreuz für die Auferstehung. Sie bemalte ihres in blau – ihre Lieblingsfarbe – als Geschenk für die Eltern. Auch die Fernsehrichterin Barbara Salesch hatte großen Spaß an der Aktion. In Serviettentechnik und Collagenart beklebte sie ihr Kreuz und berichtete dabei fröhlich, dass „diese Kreuze einfach genial“ seien. Eigentlich wollte sie ihr Kreuz auf einen Tisch zu Hause stellen, aber dann entschied sie, das Kreuz dem Dekanat Gladenbach für seine Räumlichkeiten zu überlassen. Was ihr an den drei Tagen Jugendkirchentag gefallen hat, war vor allem die Atmosphäre. „Egal wo man hinsieht, sind interessierte Jugendliche.“

Jugendliche im Islam und im Christentum

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs in Rüsselsheim hatte am Samstag ihre Türen geöffnet, um den jungen Christen der EKHN einen Einblick in ihre Religion zu geben. Die Begegnung zwischen beiden Gruppen stand unter dem Motto: „Jugendliche im Islam und im Christentum – was unterscheidet uns?“
Die 25-jährige Muslimin Nida Polat erlebte einen solchen Austausch zum ersten Mal. Dabei ist die junge Frau in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen, doch Gespräche über Religion mit gleichaltrigen Christen kannte sie nicht. „Ich finde es toll, dass es das hier gibt, weil dieser Austausch fehlt“, beteuerte sie nach dem intensiven Gespräch. Eine Führung durch die Gebets- und Unterrichtsräume ermöglichte ein langsames Kennenlernen. Von sich aus sprachen die Muslima ihre Kopftücher und die Verschleierung an, die sie selbst gewählt hatten. Sie fühlen sich sicherer, beteuerten sie. Der Imam betonte, dass der Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam im Koran nicht nur gefordert, sondern sogar vorgeschrieben sei.

Der nächste Jugendkirchentag

Am Ende des Abschlussgottesdienstes wartete ein besonderer „Knall“ auf die Jugendlichen. Oberkirchenrätin Bernhard-Müller, der Propst von Rheinhessen, Schütz und der Mainzer Stadtjugendpfarrer Saaler luden unter dem Motto „nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag“ gemeinsam mit einem Mainzelmännchen alle Jugendlichen zum 5. Jugendkirchentag der EKHN vom 3. bis 6. Juni 2010 nach Mainz ein. Laute Böller und reichlich Konfetti aus der Kanone unterstrichen die Einladung.

[Helmut Völkel / RD]