Pressemitteilung der EKHN, Nr. 5 / 2004

Der Erfinder der Konfirmation wird 500

Umfangreiches Festprogramm zum Geburtstag des Landgrafen Philipp von Hessen

Hintergrund
Philipp den Großmütigen online entdecken
Biografie
Vordenker der Moderne
Würdigung des Historikers Dr. Dirk Richhardt
Würdigung des Archivleiters Dr. Andreas Hedwig
Webseite zum Philipps-Jahr
Bilder zum Herunterladen

Frankfurt, 6. Februar 2004. Ein umfangreiches Festprogramm zum 500. Geburtstag des Landgrafen Philipp von Hessen haben die beiden Evangelischen Kirchen in Hessen und das Hessische Staatsarchiv am Freitag in Frankfurt vorgestellt. An mehr als 30 Orten finden Vorträge, Konzerte, Theaterstücke und Feste statt. Kernstück ist eine Wanderausstellung über das Leben und Wirken Philipps, die der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Prof. Dr. Peter Steinacker, am 21. März in Biedenkopf eröffnen wird. Ministerpräsident Roland Koch wird sie dann im Dezember in der Wiesbadener Staatskanzlei schließen.

Das Programmheft nennt 60 Orte und Veranstaltungen in ganz Hessen. Es kann bei der Öffentlichkeitsarbeit im Landeskirchenamt Kassel oder der Kirchenverwaltung in Darmstadt bestellt werden. Die Informationen sind auch im Internet unter Adresse www.philipp-von-hessen.de zu finden. Auf dieser Homepage gibt es auch Spielangebote über Philipp.

„Der europaweit energischste und profilierteste Wegbereiter der Reformation“
Bei der Präsentation des Programms bezeichneten der Wiesbadener Propst Dr. Sigurd Rink und die Prälatin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Roswitha Alterhoff, den Landgrafen Philipp als „tatkräftigen Staatsmann mit modernen Visionen für die ganze Gesellschaft“. Philipp habe ein großes persönliches Interesse an Glaubensfragen gehabt und habe im regem Briefkontakt mit vielen Persönlichkeiten der Reformation gestanden.

Dr. Andreas Hedwig, leitender Direktor des Staatsarchivs Marburg, bezeichnete Philipp von Hessen als den “europaweit energischsten und profiliertesten politischen Wegbereiter der Reformation“. Seine Politik markiere „einen für die Landespolitik der Neuzeit außerordentlich folgenreichen Modernisierungsschub, der Hessen nach Europa hin öffnete und nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens erfasste“.

Konfirmation, Schulen, Universität und Krankenhäuser
Philipp hatte politisch, organisatorisch und theologisch die Reformation maßgeblich voran getrieben und in seinem Herrschaftsbereich exemplarisch ausgeführt.
Wichtige, aus der Reformation entwickelte Anliegen waren ihm die Förderung der allgemeinen Bildung, des Gemeinwohls und der religiösen Selbstständigkeit.

So ist auf seine Initiative hin die Konfirmation mit vorausgehendem Konfirmandenunterricht ein geführt worden. Philipp gründete Schulen, damit möglichst viele Untertanen lesen lernen konnten. Außerdem gründete er die heute nach ihm benannte Universität in Marburg, auf der landeseigene Pfarrer und Beamte ausgebildet wurden. Mit ihnen wollte Philipp – auch ein neuer Gedanke – wichtige Schlüsselpositionen der staatlichen Verwaltung kompetent und nicht nach Stand oder Herkunft besetzen. Im Anschluss an die Bauernkriege, die auch er blutig niederschlug, entwickelte er ein System der Armen- und Krankenpflege. Einige Hospitäler dieser Zeit tragen noch heute seinen Namen. Diese Maßnahmen finanzierte er durch Enteignung der Klöster. Das herkömmliche, eher willkürliche Steuersystem ersetze Philipp durch ein moderneres, das transparenter war und regelmäßige Steuern auf Vermögen, Einkünfte und Verbrauch alkoholischer Getränke vorsah.
Philipp löste die Gemeinden aus dem Herrschaftsbereich der Bischöfe und des Papstes und gab ihnen eine eigene Ordnung – die Idee der bis heute existierenden evangelischen Landeskirchen entstand. In Hessen führt Philipp dabei bereits das synodale Prinzip ein, bei dem Delegierte Entscheidungen per Abstimmung trafen, eine frühe Form demokratischer Kultur.

Zur Person
Der am 13. November 1504 in Marburg geborene Philipp wurde mit 13 Jahren bereits Landgraf von Hessen und damit einer der mächtigsten Fürsten im damaligen Deutschen Reich, in dessen Zentrum es zudem lag. 1521 begegnete er auf dem Reichstag in Worms dem Reformator Martin Luther und drei Jahre später dessen Mitreformator Philipp Melanchthon. Fortan war er ein politischer Vorreiter der Reformation sowie ein politische Erneuerer.

Auf seine Einladung hin kam das einzige Treffen der Reformatoren Martin Luther aus Wittenberg und Ulrich Zwingli aus Basel zustande. Die beiden, sowie viele weitere Vordenker der reformatorischen Bewegung trafen sich 1529 im Marburger Schloss. Bei dem als Marburger Abendmahlsgespräch berühmt gewordenen Treffen konnte keine Einigung über das Verständnis des Abendmahls erzielt werden. Die Reformation spaltete sich in die lutherische und die reformierte Tradition.
Auf Betreiben Philipps versammelten sich die evangelischen Fürsten 1531 in Schmalkalden, das damals zum hessischen Gebiet gehörte. Sie gründeten dort den Schmalkaldischen Bund, mit dem sie die Reformation gegen militärische Übergriffe der katholischen Seite schützen wollten. Der Bund wurde allerdings entscheidend geschwächt, weil Philipps heimliche Doppelehe aufgedeckt wurde. Der Kaiser zwang Philipp daraufhin zur Neutralität unter Androhung der Todesstrafe. Obwohl er diese Auflagen einhielt, ließ ihn der Kaiser fünf Jahre lang einsperren. Erst sein Sohn Wilhelm konnte ihn befreien.
Philipp hatte mit seiner ersten Frau fünf Töchter und fünf Söhne, sowie aus der zweiten Ehe sieben Söhne. Er starb am 31. März 1567 im Alter von 62 Jahren in Kassel. Gemäß seinem Testament wurde Hessen unter seinen vier Söhnen Wilhelm, Ludwig, Philipp und Georg aus erster Ehe aufgeteilt. So entstanden die Landgrafschaften Hessen-Kassel, Hessen-Marburg, Hessen-Rheinfels und Hessen-Darmstadt. Die Söhne aus der zweiten Ehe erhielten gemeinsam kleinere Gebiete und wurden die Grafen von Dietz.

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Evangelisches Philipps-Jahr 2004 / Zentralarchiv der EKHN