Pressemitteilung der EKHN, 2005

12. Februar 2005

EKHN ist gastgebende Kirche der Eröffnung der 12. Aktion „Hoffnung für Osteuropa“

Bilanz weist 81 Projekte in zehn Ländern aus/ Das Motto ist: „Horizonte erweitern – Europa gestalten“



Darmstadt/Frankfurt, 12. /13. Februar 2005. Die EKHN ist in diesem Jahr die gastgebende Kirche der 12. Eröffnung der bundesweiten Aktion „Hoffnung für Osteuropa“, die mit einem Begleitpro-gramm am 12. und 13. Februar in Frankfurt gestartet wird. Zu diesem Anlass bilanziert Maria Klo-cke-Marusic, Sachgebietsleiterin der EKHN für „Hoffnung für Osteuropa“ das Jahr 2004.

Demnach unterhielten über 50 Kirchengemeinden und Initiativen im Bereich der EKHN in folgen-den Ländern partnerschaftliche Projekte: Bosnien, Litauen, Polen, Rumänien, Russland und Kaliningrad, Serbien, Slowakei, Ukraine, Ungarn und Weißrussland. Hierbei wurden sie von der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ unterstützt. In Geld ausgedrückt wurden Werte in Höhe von über 1,6 Mio. Euro zu den ost- und mitteleuropäischen Projektpartnern befördert. Die EKHN half mit finanziellen Zuschüssen Projekte zu realisieren, die sonst gefährdet wären. Dafür gab sie im Jahr 2004 Zuschüsse in einer Gesamthöhe von 85.564 Euro. Gefördert wurden 29 Projekte mit 43.503 Euro, 17 Tschernobyl-Kindererholungsfahrten mit 21.150 Euro und 34 Transporte mit 20.911 Euro. Über die Vergabe der Mittel entschied ein Beirat.

Das Modell „gemeinsames Europa“ existiert im Kleinen schon lange
Das Prinzip des Osteuropa-Engagements der EKHN ist, wie Klocke-Marusic erläutert, Unterstüt-zung von vielen „kleinen“ Initiativen und Kirchengemeinden, die partnerschaftliche Strukturen vor Ort aufgebaut hätten. Ziel dabei sei die selbständige Führung des Projektes durch die Partner vor Ort.
„Alles wächst von unten – das Zusammenwachsen Europas ist nicht allein eine Sache der wirt-schaftlichen und politischen Strukturen“, so Klocke-Maruisic. Die Öffnung der Grenzen ermögliche das Zusammenkommen der Menschen und Anteilnahme am Schicksal der Anderen. Lange vor der Osterweiterung der Europäischen Union sei „gemeinsames Europa“ im Kleinen praktiziert worden, beispielsweise existierten viele Tschernobylgruppen in der EKHN seit Anfang der 90er Jahre. Sie hätten gelernt, so Klocke-Marusic, dass „das Reisen und das Kennen Lernen der anderen Le-bensweisen eine ungeheure Bereicherung ist“.

Schwerpunkte der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ der EKHN
Als einen von drei Schwerpunkten der Arbeit in der EKHN nannte Klocke-Marusic die 17 Erho-lungsmaßnahmen für Kinder, die in den verstrahlten Gebieten in Weißrussland leben. Nach-dem der weißrussische Staatspräsident Alexander Lukaschenko am 4. November 2004 verkün-dete, die Auslandsreisen würden „die Tschernobylkinder verderben“ und ankündigte, hier „Ordnung zu schaffen“, wurde „bundesweit eine wahre Lawine von Protestreaktionen losgetreten“, so Klocke-Marusic. Auch viele Gruppen der EKHN hätten Protestbriefe an Lukaschenko sowie den weißrussischen Botschafter in Berlin geschrieben. Kirchenpräsident Peter Steinacker habe sich mit einem Brief an Lukaschenko und den deutschen Außenminister Joschka Fischer gewandt. Auch Politiker des Deutschen Bundestages und des Europaparlaments hätten protestiert, so dass Präsi-dent Lukaschenko letztlich seine Drohung zurückgenommen habe. Die neueste Pressemitteilung der belarussischen Botschaft in Berlin verkündet: „Belarus: es existiert kein Verbot der Kinderrei-sen“. Klocke-Marusic sieht darin „ein Ergebnis des Engagements von unten“. Die Erholungsauf-enthalte seien für die Kinder sehr wichtig. Darüber hinaus sei das Bürgerrecht auf Reisefreiheit sowie auf Begegnung, die von den hiesigen Gruppen als „Zeichen der Versöhnung gesehen“ wer-de, verteidigt worden.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Organisierung vielfältiger diakonischer und sozialer Projek-te, die Unterstützung von Gemeinden und der Aufbau von Selbsthilfegruppen. Einige Beispiele:

Dritter Schwerpunkt seien neue Projekte, die einige Initiativen entwickeln, beispielsweise in der Aufklärungsarbeit über Aids und Frauenhandel, erläutert Klocke-Marusic. Entsprechendes In-formationsmaterial sei hier der erste Schritt, um Diskriminierung, Vorurteile und Stigmatisierung abzubauen.

Die Arbeit der NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) sei sowohl in den neuen EU-Ländern als auch in denen jenseits der neuen EU-Ostgrenzen weiterhin notwendig, betont Klocke-Marusic. Die Partner in Osteuropa wiesen auf die Gefahr der „weiteren Polarisierung“ der Gesellschaft hin. Einerseits sei in und um die Hauptstädte wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen, andererseits werde das soziale Netz immer grobmaschiger. Aufgrund der Vorgaben der EU zur Senkung der Haushaltsdefizite würden viele Länder im Bereich der Sozialetats kürzen. „Die entstehenden Lücken im staatlichen Handeln können private und kirchliche Projekte nicht füllen, betont Klocke-Marusic. Dies sei auch nicht ihre Aufgabe: Sie könnten jedoch Zeichen praktischer Solidarität set-zen und die Regierungen an ihre soziale Fürsorgepflicht erinnern. „Einer trägt die Lasten des anderen“ – an diesem biblischen Grundsatz hätten die Christen stets festgehalten. Sie helfen mit, so Klocke-Marusic, das neue Europa gerecht und sozial zu gestalten.

Fachreferat Ökumenische Diakonie
Fachreferent: Pfarrer Dr. Hans Jürgen Steubing, Tel.: 06151/405-104,

Sachgebietsleiterin: Marija Klocke-Marusic, Tel.: 06151/405-107,
E-Mail:
Informationen auch im Internet unter www.ekhn.de/hoffnung-fuer-osteuropa

Kontoverbindung „Hoffnung für Osteuropa“ - Gesamtkirchenkasse der EKHN
EKK (Evangelische Kreditgenossenschaft Frankfurt)
Konto-Nr. 4 100 000 BLZ 500 605 00 Stichwort „Hoffnung für Osteuropa“

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher