Pressemitteilung der Evangelischen Kirchen und Diakonie in Hessen-Nassau und Kurhessen-Waldeck, 2005
Ehemalige Zwangsarbeiter bei Kirche und Diakonie zu Gast
Mit einer Besuchergruppe gehen die evangelischen Kirchen ihrer Verstrickung in die NS-Zwangsarbeit nach
Hintergrund
Besuch ehemaliger Zwangsarbeiter
Das "D" im Pass brachte noch den Enkeln Prügel
Die Zwangsarbeit der Mutter prägt das Leben von Alexandra Trofimenko und ihrer Familie bis heute
Ehemalige Zwangsarbeiter bei Kirche und Diakonie zu Gast
Wort des Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau
In der Woche vom 17. bis zum 23. April 2005, und damit 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, haben die Evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und in Hessen und Nassau (EKHN) sowie die ihnen angeschlossenen Diakonischen Werke (DWKW und DWHN) zwölf Gäste aus Polen, Russland und der Ukraine zu Gast. Zwei Mitglieder aus dieser Gruppe - eine Frau und ein Mann - mussten während des Krieges Zwangsarbeit in einer kirchlichen Einrichtung in Hessen leisten. Andere ehemalige Zwangsarbeiterinnen konnten sich eine beschwerliche Reise auf Grund ihres Alters und körperlicher Beschwerden nicht mehr zumuten. An ihrer Statt haben Angehörige der nachfolgenden Generationen ihre Teilnahme zugesagt. Zwei von ihnen wurden während der Zwangsarbeit ihrer Mütter in Hessen geboren. Der Kontakt zu ihnen und den anderen Nachfahren hat deutlich gemacht, dass die Zwangsarbeit ihrer Eltern auch ihren Lebensverlauf geprägt hat.
Geschichte mit einer Forschungsarbeit aufgedeckt
Während des Zweiten Weltkrieges hatten insgesamt mindestens 261 Personen in Einrichtungen der Evangelischen Kirchen und in Vorgängereinrichtungen der Diakonie in Hessen und Rheinhessen Zwangarbeit leisten müssen. Dies ist das Ergebnis einer
Studie, die der Marburger Historiker Dirk Richhardt im Auftrag der beiden hessischen Kirchen und ihrer Diakonischen Werke zu Beginn des Jahres 2004 der Öffentlichkeit vorgelegt hatte.
Seitdem war mit Hilfe der internationalen Stiftungen nach diesen Personen gesucht worden, um sie einladen zu können.
Vorsichtige Kontaktaufnahme
Der Besuch in Hessen begann bereits am 14. April mit einem Vorbereitungsprogramm in Warschau. Dort hat sich die Gruppe zusammen gefunden, um sich gemeinsam mit der aus Hessen angereisten Delegation der Kirchen und Diakonie auf die Woche in Deutschland vorzubereiten.
Daran haben auch zwei weitere ehemalige Zwangsarbeiterinnen aus Polen teilgenommen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht die ganze Reise mitmachen können. Gegenseitiges Kennenlernen und angeleitete Erinnerungsarbeit innerhalb der Familien und
mit anderen Betroffenen sollten für die Begegnung mit der Vergangenheit in Hessen einen Rahmen der Achtsamkeit und des Vertrauens schaffen.
Zurück zu den Orten
Zwischen dem 17. und dem 23. April reist die Gruppe durch Hessen und besucht die ehemaligen Einsatzorte. Dort können die Betroffenen mit Menschen sprechen, die sich an sie noch erinnern können. Die hier geborenen Kinder werden ihren Geburtsort besuchen.
Dabei wurde ihnen eine faksimilierte Geburtsurkunde überreicht. Vorgesehen ist auch der Besuch einer Schule und einiger Kirchengemeinden. In Kassel hat Bischof Martin Hein die Gäste begrüßt. In Frankfurt ist die Gruppe Ehrengast auf der
gerade tagenden Synode und wird mit Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker sprechen.
Lebensgeschichten der Nachwelt erhalten
Eine speziell in der Technik der „oral history“ ausgebildete Historikern des Zentralarchivs der EKHN hat das Besuchsprogramm begleitet und Gespräche mit den Gästen geführt, damit ihre Erfahrungen bleiben, denn Zukunft braucht Erinnerung.
Evangelische Kirchen und Diakonie in Hessen nehmen ihre historische Verantwortung gemeinsam wahr. Sie leisten damit einen Beitrag im Prozess der Verständigung zwischen Deutschland und den osteuropäischen Nachbarn.
An der Organisation dieser Besuchsreise hat der Verein zur Förderung der Friedensarbeit in Linden e.V. maßgeblichen Anteil. Die Organisatoren danken dem Fonds „Erinnerung und Zukunft“ für seine Unterstützung.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
Karl Waldeck, Pressesprecher EKKW,
Claus Dieter Suss, Öffentlichkeitsreferent DWKW
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN