Pressemitteilung der EKHN, Nr. 51 / 2005
Den Dialog der Konfessionen gefördert
Steinacker würdigt ehemaligen Kirchenpräsidenten Sucker
Darmstadt, 21. August 2005. Zum 100. Geburtstag von Pfarrer Wolfgang Sucker am 21. August 2005 hat der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Peter Steinacker, die Verdienste seines Amtsvorgängers gewürdigt. Sucker war von 1964 bis 1968 als Nachfolger von Martin Niemöller der zweite Kirchenpräsident der EKHN.
Steinacker sagte: „Wolfgang Sucker war ein Mann der Bildung. Aus der Erfahrung der NS-Zeit heraus wusste er, wie wichtig gefestigte Strukturen und Institutionen für die Prägung der Menschen sind. In den Nachkriegsjahren lag Suckers Augenmerk deshalb darauf, die kirchlichen Strukturen, insbesondere im Bildungsbereich, aber auch in der Verwaltung, neu zu ordnen und somit die Kirche wieder zu einer funktionsfähigen und verlässlichen Organisation zu machen, die am Aufbau einer zivilen und demokratischen Gesellschaft in Deutschland und in Europa maßgeblich mitwirken konnte.“ Ein weiteres Herzensanliegen sei ihm, so Steinacker, die `phänomenologische Bestandsaufnahme des Katholizismus´ gewesen. Damit habe sich Sucker eines weiteren drängenden Problems in der Nachkriegsgesellschaft angenommen: die Überwindung des konfessionellen Gegensatzes zwischen Evangelischer und Katholischer Kirche durch gegenseitiges Verständnis und Pflege von Kontakten. Das sei in Folge der Ansiedlungspolitik der Regierung Adenauers wichtig geworden. Diese habe die Flüchtlinge bewusst in die konfessionell jeweils anders geprägten Regionen gelenkt. Das habe sehr viel engere konfessionelle Kontakte nötig gemacht. Steinacker sagte wörtlich: „Aus dem damaligen interkonfessionellen Dialog ist die heutige Normalität gelebter ökumenischer Beziehungen entstanden, die von den Familien bis zu den Bischöfen reicht. Diese gegenseitige Offenheit ist mittlerweile eine besondere Stärke der Christenheit in Deutschland“.
Zur Person
Wolfgang Sucker wurde am 21. August 1905 in Liegnitz/Schlesien geboren und wuchs in Berlin auf. Von 1924 bis 1929 studierte er in Berlin, Greifswald und Gießen Theologie. Nach kurzem Einsatz als Pfarrer in Offenbach wurde Sucker 1933 Studentenpfarrer in Gießen. 1935 wechselte er als Dozent für Religionslehre an die Hochschule für Lehrerausbildung nach Lauenburg in Pommern. Im Evangelischen Presseverband in Berlin-Steglitz arbeitete er mit dem Theologen Jochen Klepper und dem Publizisten Kurt Ihlenfeld zusammen. 1940 wurde Sucker zum Kriegsdienst eingezogen und 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Darmstadt entlassen. Nach kurzer Zeit als Pfarrer in Weiterstadt wurde er theologischer Referent in der Kirchenverwaltung und gründete das Katechetische Amt (heute: das Religionspädagogische Amts) für Starkenburg. 1950 wählte ihn die Kirchensynode in die Kirchenleitung der EKHN und 1957 zum Stellvertreter des Kirchenpräsidenten, der damals Martin Niemöller war. 1964 wurde Sucker von der Kirchensynode zum zweiten Kirchenpräsidenten der EKHN gewählt. Nach nur vier Jahren im Amt starb er, 63-jährig, am 30. Dezember 1968 an den Folgen eines Herzinfarktes.
Dialog der Konfessionen
1947 wurde Sucker Vorsitzender des Evangelischen Bunds in Hessen und Nassau, dessen Zentralvorstand er seit 1936 angehört hatte. Sucker wirkte maßgeblich bei der Gründung des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim mit und leitete es ab
1949 selbst. Seit 1957 war Sucker zudem Vizepräsident des Evangelischen Bundes und wurde 1963 zu dessen Präsident gewählt. Die Universität Marburg ehrte Wolfgang Sucker 1955 mit dem theologischen Ehrendoktorat. Die Universität Mainz
berief ihn 1960 als Honorarprofessor für Kirchenkunde.
Sucker gehörte ab 1955 der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an, von 1961 war er Mitglied in dessen Finanzausschuss und ab 1962 auch Mitglied in dessen Catholica-Ausschuss. Seit 1965 war er Mitglied in der Ehekommission der EKD und
nahm an ökumenischen Gesprächen mit der Deutschen Bischofskonferenz teil. Sucker wurde 1966 Mitglied des Deutschen Bildungsrats. 1968 berief ihn die EKD in ihre Kammer für kulturpolitische Bildungsfragen.
Darmstadt, 18. August 2005
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN