Bericht

23. August 2005

Das persönliche Gewissen steht über dem Wort des Papstes

Kirchenpräsident Steinacker verdeutlicht das evangelische Profil nach dem katholischen Weltjugendtag

 

„Für evangelische Christen ist die letzte Instanz vor Gott das eigene Gewissen, nicht die Kirche und auch kein Papst,“ sagte Prof. Dr. Peter Steinacker, Kirchenpräsident der EKHN, als er den Jahresbericht 2004 / 2005 der EKHN am Dienstag, 23. August 2005, im Medienhaus in Frankfurt am Main Pressevertretern vorstellte. Damit umriss der Kirchenpräsident das besondere evangelische Profil gegenüber der katholischen Auffassung, die durch den Papstbesuch auf dem katholischen Weltjugendtag in Köln deutlich wurde. Für die evangelische Kirche sei es somit niemals notwendig, eine Art evangelischen „Ersatz-Papst“ für Festivals zu schaffen, die dem Weltjugendtag vergleichbar wären.
mehr zum evangelischen Verständnis bezüglich des Papst-Amtes

Neue Gottesdienstformen für das wachsende Bedürfnis nach Religion

Der Kirchenpräsident berichtete, dass er ein zunehmendes Interesse an religiösen Fragen und Formen spüre – und die evangelische Kirche reagiere darauf mit vielfältigen Angeboten. Als Beispiele nannte Steinacker:. „Mit Pilgerwanderungen auf der Bonifatiusroute und Erlebnis-Gottesdiensten wie der Thomasmesse möchten wir Kirchenmitglieder ansprechen, die bisher selten zum sonntäglichen Gottesdienst gekommen sind.“. Die gottesdienstliche Erneuerung bildet auch einen Schwerpunkt des 80 Seiten starken Jahresberichtes. Den Gottesdienst als zentrales Angebot für die Menschen, das eigene Leben auf der Grundlage des Evangeliums zu deuten, hält weiterhin Steinacker für unverzichtbar.
Steinacker betonte, dass er eine Rückkehr der Religion in das öffentliche Bewusstsein begrüße, gleichwohl warnte er vor einer Kuschel-Religiosität: „Es gibt kein Christentum ohne Zähne und Klauen! Glaube besteht zum Teil im Widerstand zur modernen Welt.“ Das Neue Testament zeige, dass der christliche Gott nicht nur kuschelig sei, da er nicht einmal seinen eigenen Sohn verschont habe. Gleichwohl machte er deutlich, dass die Menschen im Glauben auch eine Heimat finden können.

Evangelische Schulen sind gefragt

Weiterhin berichtete der Kirchenpräsident über die Entwicklung der evangelischen Aktivitäten an Schulen: „Die beiden evangelischen Grundschulen platzen aus allen Nähten. Eine Schule müssten wir erweitern, obwohl das Geld sehr knapp ist, vorläufig haben wir uns mit einem Container beholfen.“ Ein weiterer Höhepunkt wird die Eröffnung des evangelischen Gymnasiums in Bad Marienberg am 2. September sein. Einen Einblick in die unschätzbaren Leistungen der Schulseelsorger/innen gibt der Jahresbericht. Steinacker versicherte, dass die EKHN dieses Feld für bleibend wichtig halte, denn die Suche der Jugendlichen nach Orientierungshilfen und Begleitung sei gestiegen. „Viele Mädchen und Jungen wünschen sich Personen, denen sie vertrauen können und die mit ihnen auch durch Krisen gehen.“

Rita Deschner