Pressemitteilung der EKHN, Nr. 22 / 2006
"Fröhlicher Querdenker" erhält Martin-Niemöller-Medaille
Höchste EKHN-Auszeichnung zum 17 Mal vergeben Laudatio von Karin Wolff
Frankfurt, 5. Mai 2006. Heinz Ufer aus dem Gorxheimer Tal hat am Freitag vor der derzeit in Frankfurt tagenden Kirchensynode der EKHN die Martin-Niemöller-Medaille erhalten. Sie ist die höchste Auszeichnung, die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zu vergeben hat und wird Ufer für seine herausragenden ehrenamtlichen Verdienste auf verschiedenen Ebenen der EKHN verliehen.
Die Laudatio auf den Preisträger hielt die Synodale und Hessische Kultusministerin Karin Wolff. Sie bezeichnete Ufer als „mustergültiges Beispiel eines Menschen, der verwurzelt ist in seiner Kirche und in seiner heimatlichen Region“ und der aus der Kraft dieser Wurzeln heraus offen für andere Länder und Kulturen sei. Ufer sei ein „Leuchtturm des lebensbegleitenden Lernens“ und „als 72-jähirges Multitalent so neugierig wie je zuvor“. Sein Leben sei voller Initiativen für Orte des Lernens. Persönlich sei Ufer ein „offener, fröhlich-geselliger Mann wie auch ein hartnäckiger Quer- und Vordenker“.
Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker überreichte die
Medaille und bezeichnete Ufer dabei als „Mann mit tausend Ideen
und tausend Wegen, sie zu realisieren. Seine reichhaltige Lebenserfahrung
hat unsere Kirche auf vielerlei Weise bereichert“. Ufer verbinde „auf überzeugende
Weise Witz und Lebensfreude mit ernsthaftem geistlichen Tiefgang“.
Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer nannte Ufer ein „herausragendes
Beispiel für ehrenamtliche und insbesondere synodale Arbeit in der
EKHN auf Dekanats- und gesamtkirchlicher Ebene“.
Zur Person
Ufer wurde 1934 in Langensteinbach im nördlichen Schwarzwald geboren. Die Familie lebte in der strengen Hugenottentradition des Ortes, der heute ein Teil von Karlsbad ist. Er engagierte sich in der evangelischen Jugendarbeit und später in der Studentengemeinde. Ufer widmete sich zunächst der Musik und studierte später Jura, Politik und Religionswissenschaften in Berlin, wo er zwei Jahre lang Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses (AstA) der Deutschen Hochschule für Politik war. 1960 fand er eine Stelle in der Erwachsenenbildung in Mannheim. Zwei Jahre später wurde er dort Direktor der Abendakademie, die Fortbildungsangebote für Berufstätige anbietet. Das erstmalig in Deutschland erarbeitete Konzept ermöglichte weiterführende Schulabschlüsse während der Berufstätigkeit. Die Akademie exportierte es nach Ungarn, Kolumbien und China, wo Ufer 1996 Professor an der Nationalen Elite-Universität der südchinesischen Stadt Hangzhou und Ehrendirektor des von ihm gegründeten Instituts für Weiterbildungsforschung wurde.
Der heute im Gorxheimertal im südlichen Odenwald lebende Ufer (72) war von 1973 bis 1981 Mitglied im Kreistag des Kreises Bergstraße und des Raumordnungsverbands Rhein-Neckar. Außerdem gehörte er von 1981 bis 1993 dem Rundfunkrat des Süddeutschen Rundfunks an, dabei war er zehn Jahre lang Vorsitzender des Kulturausschusses. Seit 1982 leitet er die Dekanatssynode des Dekanats Rimbach, das heute den Namen Bergstraße Süd führt und nun mit dem Dekanat Bergstraße Mitte vereinigt wird. Von 1986 bis 1992 und von 1998 bis 2004 war Ufer Mitglied der Kirchensynode der EKHN. Dessen Verwaltungsausschuss leitete er bis zu seiner Wahl in die Kirchenleitung, der er von 2001 bis 2005 angehörte.
Ufer ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder davon ein Pflegekind aus China, sowie sieben Enkel.
Ufer erhielt bereits etliche Ehrungen.
1973 wurde ihm das Verdienstkreuz der Republik Italien für sein Engagement
bei der Errichtung eines italienischen Kulturzentrums in Mannheim verliehen.
1983 zeichnete ihn
der Deutsche Politologenverband, dessen Präsident er lange war, mit
der silbernen Ehrennadel aus. Seit 1985 ist Ufer Träger des Bundesverdienstkreuzes.
2004 machte ihn der Verein Kurpfalzring zum fünften Träger
des Ehrenrings. 2003 bekam er den Ehrenbrief des Landes Hessen.
Die Martin-Niemöller-Medaille ist nach dem ersten Kirchenpräsidenten der EKHN benannt, der auch als kompromissloser Friedenskämpfer und Gegner des Nationalsozialismus weltweit Anerkennung gefunden hat. Mit der nach ihm benannten Medaille, die gleichzeitig die höchste Auszeichnung der EKHN ist, wird besonders herausragendes ehrenamtliches Engagement mit gesamtkirchlicher Bedeutung gewürdigt. Sie wird von der Kirchenleitung nur an Laien vergeben.
Verantwortlich: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN