Pressemitteilung Nr. 36 der EKHN

20. Juli 2006

Wie politisch darf die Kirche sein?

Propst i.R. Heinz Bergner wird 80 Jahre alt

Darmstadt, 18.10. 2006. Als einen prägenden EKHN-Theologen in schwieriger Zeit hat die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, Cordelia Kopsch, den früheren Propst für Süd-Nassau, Heinz Bergner, gewürdigt, der am 28. Juli 2006 achtzig Jahre alt wird. Bergners Anliegen sei es immer gewesen, die Balance zwischen dem geistlichen Grund und der gelebten Frömmigkeit der Kirche einerseits und ihrem politischen Engagement andererseits zu finden. In seine Amtszeit als Propst seien die heftigen kirchlichen Proteste gegen den Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens gefallen, aber auch die massiven Demonstrationen gegen die Hochrüstung im Kalten Krieg.

Als leidenschaftlicher Prediger habe sich Bergner immer dafür eingesetzt, dass politisch engagiertes Christentum in einem persönlichen christlichen Glauben wurzeln müsse, dass aber andererseits dieser Glaube nie in eine selbstzufriedene Welt-Abgewandtheit führen dürfe, sagte Kopsch. Und
wörtlich: "Die Frage, wie politisch die Kirche sein dürfe und wie politisch Christenmenschen unbedingt sein müssten, das war sein wichtigstes Thema." Bergner sei zutiefst überzeugt gewesen, dass Kopf und Herz, Verstand und Geist im christlichen Zeugnis zusammen gehören.

Heinz Bergner wurde 1926 in Frankfurt am Main geboren, studierte nach dem Zweiten Weltkrieg in Marburg und Tübingen Evangelische Theologie und war anschließend Pfarrer in Hartenrod im Dekanat Gladenbach und in der Erlösergemeinde Bad Homburg. 1973 wurde er zum Dekan des Dekanats Bad Homburg und 1980 von der Kirchensynode zum Propst für Süd-Nassau gewählt. Das Propstamt in Wiesbaden bekleidete er von 1981 zehn Jahre lang bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1991.

Schon in seiner Bad Homburger Zeit hatte Bergner mit der Organisation von Vortragsreihen das öffentliche Gespräch zwischen Theologie und Geisteswissenschaften zu fördern versucht und wurde so einer der Vorreiter der Erwachsenenbildung in der EKHN. Als Propst und als Vorsitzender des Kleinen Konvents der Evangelischen Akademie Arnoldshain setzte er dies fort. Auf seine Anregungen gingen zahllose Tagungen zur Weltverantwortung der Christen zurück. Als einer der ersten Theologen in der EKHN absolvierte er eine psychoanalytische Ausbildung am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main - übrigens gemeinsam mit dem späteren Kirchenpräsidenten Helmut Spengler.


Verantwortlich: Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt