Pressemitteilung der EKHN, Nr. 44
Über 60 Jahre Organist und Dirigent zur Ehre Gottes
Professor Ihle in Worms erhält mit der Niemöller-Medaille die höchste EKHN-Auszeichnung
Worms, 24. Oktober 2006. Prof. Tobias Ihle hat am Dienstag in Worms als 18. Person die Martin-Niemöller-Medaille erhalten. Die Medaille ist die höchste Auszeichnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie wird von der Kirchenleitung nur an Laien für herausragendes ehrenamtliches Engagement mit gesamtkirchlicher Bedeutung vergeben. Die Kirchenleitung hatte die Vergabe der Medaille am 27. April 2006 beschlossen.
Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker überreichte die Medaille bei einer Feierstunde in der Magnuskirche. Dabei dankte er Ihle für seine Jahrzehntelange kirchenmusikalische Arbeit im Raum Worms sowie für sein nahezu ebenso langes Engagement in Leitungsgremien der Kirche. Steinacker stellte dabei die große Bandbreite Ihles heraus, das „beharrliche kirchengemeindliche Basisarbeit, Leitungsverantwortung und hochkulturelle Aufführungen“ umfasse. Steinacker sagte wörtlich: „Professor Ihle hat mit seiner kirchenmusikalischen Arbeit das kulturelle und das kirchliche Leben der Lutherstadt Worms und seines Umlandes maßgeblich bereichert und mitgeprägt.“ Damit habe er zur Verkündigung des Evangeliums auf eine musikalische Weise beigetragen, die breite Schichten der Bevölkerung“ erreiche.
Laudatio: „Kirchenmusik ist Verkündigung, ist Gottesdienst"
Die Laudatio hielt Dr. Ulrich Oelschläger, Mitglied der Kirchenleitung und des Kirchensynodalvorstands der EKHN. Oelschläger stellte das Leitwort für Ihles Schaffen heraus: „Kirchenmusik ist Verkündigung, ist Gottesdienst, nicht nur feierliche Untermalung“. Dies habe Ihle bei der all-sonntäglichen Arbeit eines Gemeindeorganisten und der Anleitung zum Mitsingen genauso praktiziert und gefördert wie bei der Aufführung großer musikalischer Werke. Dazu gehörten auch internationale Konzerte im Rahmen der europäischen Partnerschaften der Stadt Worms, die „ein Stück Versöhnung durch Musik“ seien. Ihle habe mit der Wormser Kantorei „bei der Gestaltung offizieller Festakte einen festen Platz im kulturellen und musikalischen Leben der Stadt Worms“, zu denen gehörten unter anderem große Festveranstaltungen zu Lutherjubiläen und jüdische Gedenkveranstaltungen, die internationale und mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten.“ Oelschläger erinnerte zudem an eine persönliche Begegnung Ihles mit Martin Niemöller, dem ersten Kirchenpräsidenten und Namensgeber der Auszeichnung, die Ihles Leben maßgeblich mitbestimmt habe. 1947 hatte Niemöller „fast rigoros den jungen Mann aufgefordert“, erst sein Musikstudium zu beenden und nicht in den Dienst der EKHN als Landesjugendkantor einzutreten.
Zur Person
Tobias Ihle wurde 1924 in Worms geboren. Er studierte Schulmusik und Evangelische Theologie und Germanistik in Mainz und Heidelberg und war ab 1952 zunächst im höheren Schuldienst tätig. 1963 wechselte er als Dozent für Musik an die Erziehungswissenschaftliche Hochschule in Worms. 1972 wurde er zum Professor ernannt und lehrte von 1978 bis 1994, zwei Jahre über seine offizielle Emeritierung mit 67 Jahren hinaus, Musik an der Mainzer Universität.
Seit 1946 bis heute leitet Ihle in der Evangelischen Magnusgemeinde in Worms den Singkreis und spielt die Orgel. Dem Kirchenvorstand dieser Gemeinde gehörte er über 30 Jahre lang an, zeitweilig war er dessen Vorsitzender und Mitglied der Dekanatssynode. Von 1974 bis 1979 war Ihle Mitglied der Kirchensynode der EKHN. 1955 gründete er die Wormser Kantorei, die er bis 2000 leitete. Von 1977 bis 1999 leitete er zudem das Wormser Kammerorchester. Tobias Ihle ist verheiratet und hat drei Kinder.
Die Martin-Niemöller-Medaille ist nach dem ersten Kirchenpräsidenten der EKHN benannt, der auch als kompromissloser Friedenskämpfer und Gegner des Nationalsozialismus weltweit Anerkennung gefunden hat. Die Medaille ist die höchste Auszeichnung der EKHN. Sie wird von der Kirchenleitung vergeben, die damit ausschließlich Laien für besonders herausragendes ehrenamtliches Engagement mit gesamtkirchlicher Bedeutung würdigt.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN