Pressemitteilung der EKHN, Nr. 38 / 2007
"Theologischer Impulsgeber"
Vor 100 Jahren wurde EKHN-"Gründungsvater" Karl Herbert geboren
Darmstadt, 10. Juli 2007. Oberkirchenrat Karl Herbert, einer der „Gründungsväter“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und langjähriger Stellvertreter der Kirchenpräsidenten Sucker und Hild, wäre am 14. Juli 100 Jahre alt geworden. Daran hat die jetzige Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten, Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, erinnert.
Kopsch würdigte Karl Herbert als eine Persönlichkeit von größter Bedeutung für die Entwicklung der EKHN. Er habe maßgeblich die Kirchenordnung der EKHN mit verfasst. Aus der Erfahrung des Kirchenkampfes gegen den Nationalsozialismus habe er darauf gedrungen, dass der Neuaufbau der EKHN nach dem Krieg auf der Grundlage der Gemeinden geschah. Auch die Verbindung von Theologie und Weltverantwortung sei für ihn wichtig gewesen. Als Propst für Nord-Nassau und auch als Stellvertreter des Kirchenpräsidenten hat Karl Herbert der Kirche immer wieder wichtige theologische Impulse gegeben, sagte Kopsch. So habe er an der „Leuenberger Konkordie“ mitgewirkt. In ihr war 1974 zum ersten Mal seit der Reformation die Grundlage für die Überwindung der Trennung zwischen den europäischen Evangelischen Kirchen geschaffen worden. Im Bereich Mission und Ökumene habe er sich in den Siebziger Jahren nachdrücklich engagiert und von Anfang an Kontakte nach Osteuropa zur Verständigung mit den dortigen Kirchen gesucht.
Karl Herbert wurde 1907 in Frankfurt am Main geboren und studierte Theologie und Kunstgeschichte in Tübingen, Erlangen und Berlin. Von 1932 bis 1950 war er Pfarrer in Oberhörlen im Kreis Biedenkopf. 1933 schloss er sich der Bekennenden Kirche an. 1950 wählte ihn die Synode der EKHN zum Propst für Nord-Nassau, 1964 zum Stellvertreter des Kirchenpräsidenten Sucker. Er blieb in diesem Amt bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1972.
In zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigte sich Karl Herbert mit der Geschichte der Evangelischen Kirchen in Hessen während der Zeit des Nationalsozialismus und mit theologischen Gegenwartsfragen. Er war Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und Ehren-doktor der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, wo er bis zu seinem Tod einen Lehrauftrag über kirchliche Zeitgeschichte inne hatte. Karl Herbert starb im Alter von 88 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit am 2. August 1995, kurz nachdem er seine Geschichte der EKHN seit 1945 „Durch Höhen und Tiefen“ vollendet hatte. An ihn erinnert das Propst-Herbert-Haus in Selters/Westerwald.
Verantwortlich: Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt
zurück | letzte Aktualisierung: 14.09.2007 | copyright by EKHN