Pressemitteilung Nr. 55 der EKHN, 2007

1. Oktober 2007

Festgottesdienst
Festgottesdienst anlässlich "60 Jahre EKHN", Quelle: EKHN

Kirchensynode feiert 60. Jubiläum der EKHN


Strategiepapier und Finanzzuweisung diskutiert
Präses Schäfer: „streitbar und sensibel“

 

Mitbegründer und rheinland-pfälzischer Minister vergrößern

von links nach rechts: Innenminister Bruch, Rheinland-Pfalz (neuer Synodaler), Kirchenpräsident Steinacker, Mitglied der Gründungssynode 1947 Heymann, Präses Schäfer

Mitbegründer vergrößern von links nach rechts: Kirchenpräsident Steinacker, Mitglied der Gründungssynode 1947 Heymann, Präses Schäfer
Kirchenpräsident vergrößern Kirchenpräsident würdigt 60 Jahre EKHN
Festgottesdienst vergrößern Festgottestdienst
Plenum vergrößern Plenum der Synode
Quelle: EKHN/ Dr. Joachim Schmidt

Montabaur, 29. September/1. Oktober 2007.
Zu ihrer achten Tagung kam die zehnte Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Samstag in Montabaur zusammen. Anlass war das 60. Jubiläum der EKHN, die am 1. Oktober 1947 gegründet worden war. Nach dem Gottesdienst in der Pauluskirche wies der Präses der Synode, Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer, darauf hin, dass die EKHN vor dem Hintergrund der NS-Diktatur und auf der Basis der Erfahrungen der Bekennenden Kirche gegründet worden sei. Die damals erarbeitete Kirchenordnung strukturiere die Kirche von der Basis, den Gemeinden, her und lege die Verantwortung auf allen Ebenen in die Hände von Gremien, in denen Laien und Ehrenamtliche maßgeblich beteiligt seien. Schäfer bezeichnete diese Ordnung als "Markenzeichen der EKHN". Sie habe zudem als einzige die Besonderheit des Leitenden Geistlichen Amts, das als Gremium die Bischofsfunktion ausübt. Schäfer charakterisierte die EKHN als "streitbar und sensibel" und betonte ihr politisches und gesellschaftliches Engagement sowie ihre Toleranz. Für die Zukunft forderte er "eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen der Mehrheit der Mitglieder", eine weitere Stärkung der ehrenamtlichen Strukturen, eine stärkere Dezentralisierung der Aufgaben" und "effektivere Leitungsstrukturen".

Kirchenpräsident: EKHN in vielen Bereichen richtungsweisend

Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker betonte in seiner Festrede, dass sich das 60. Jubiläum der EKHN auf ihre Organisation beziehe. Ihre geistliche Geschichte reihe sich in die 2000 jährige Christengeschichte ein. Im Verbund der evangelischen Kirchen in Deutschland habe die EKHN von Anfang an besonders offen und schnell auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert. Zahlreiche Arbeitsbereiche habe die EKHN richtungwiesend als erste eröffnet. Als Beispiele nannte Steinacker den Sportpfarrer Karl Zeiß 1952, den Umweltpfarrer Kurt Oeser 1972 und die Friedenspfarrerin Cordelia Kopsch 1986. Auch die Reformen der vergangenen Jahre würden nun von anderen  beispielhaft aufgegriffen. Steinacker erinnerte auch an die "bitteren Austrittswellen" in den 70er und 90er Jahren und räumte Fehler der Kirche "auf allen Ebenen" ein. Im Gegensatz zum katholischen Verständnis sei die Kirche nach evangelischer Auffassung auch eine Sündern, nicht nur ihre Mitglieder.
Wortlaut der Rede (PDF, 56 KB)

Gründliche Debatten erforderlich

Die Synode diskutierte auch über das Strategiepapier "Perspektive 2025" sowie ein neues Finanzzuweisungssystem für die Kirchengemeinden und Dekanate. Beide sollten, so die ehrgeizige Zeitvorgabe, in Montabaur vorgeklärt und dann bei der Herbsttagung im November abschließend beraten werden.  Mit dem Strategiepapier 2025 will die EKHN neue Strukturen für die Zukunft schaffen, die der Kirche auch mit weniger Mitgliedern und geringeren Mitteln gute Handlungsmöglichkeiten erhalten . Kernpunkte sind dabei eine bessere Zusammenarbeit der Gemeinden in einer Region, mehr Entscheidungskompetenzen für die Regionen, die in Dekanaten organisiert sind, sowie deren flexiblere Ausstattung entsprechend dem örtlichem Bedarf und die verbesserte Förderung von Ehrenamtlichen.

Diskutiert wurde auch der Entwurf eines neuen Finanzzuweisungssystems für die Dekanate und Gemeinden. Das bisherige ist aufgrund von vielen Parametern kompliziert  und soll deshalb vereinacht werden. Zudem verhindert es durch Sockelbeträge für kleine Gemeinden den Zusammenschluss kleiner Gemeinden zu größeren Einheiten. Ob  das neue System Anreize zur Fusion kleiner Gemeinden geben sollte oder nicht, blieb in der Synode umstritten. Angesichts der Komplexität und der Bedeutung beider Themen verständigte sich die Synode darauf, den Zeitplan so zu verlängern, dass die Debatte gründlich geführt werden kann.


gez. Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN