Presseinformation der EKHN, 2007

31. Oktober 2007


Überleitung zum Festvortrag Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer


Zur Festveranstaltung am Reformationstag 2007 in der Lutherkirche Wiesbaden

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

 

Sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste ,
bevor wir nun zum zweiten Teil unserer Veranstaltung übergehen, möchte ich den Mitwirkenden des Gottesdienstes und des gesamten heutigen Abends herzlich danken. Mein Dank gilt dem Kirchenvorstand und der Gemeinde der Lutherkirche, stellvertretend Ihnen, sehr verehrte Frau Faude-Grossmann, dass wir wie bereits in den vergangenen Jahren wieder mit unserer gesamtkirchlichen Festveranstaltung bei Ihnen zu Gast sein durften und noch dürfen.
Herzlichen Dank in diesem Zusammenhang auch allen Mitwirkenden und Helfenden der Lutherkirche, insbesondere dem Küster Bernd Rautenberg für den logistischen und organisatorischen Dienst, sowie den Helferinnen und Helfern aus der Kirchenverwaltung in Darmstadt für die gewohnt fürsorgliche Betreuung. Ein besonderer Dank gilt natürlich denen, die für die musikalische Gestaltung und Begleitung verantwortlich waren, nämlich dem Bach-Chor und der Schiersteiner Kantorei unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus-Uwe Ludwig bzw. von Propsteikantor Martin Lutz, beide auch an der Orgel.

Am Reformationstag des Jahres 1995 hatten wir als Evangelische Kirche in Hessen und Nassau erstmals zu einer zentralen Veranstaltung mit Gottesdienst, Vortrag und Empfang hierher in die Lutherkirche in Wiesbaden eingeladen. Ich freue mich, dass wir inzwischen insoweit auf eine bewährte und feste Tradition bauen und dass wir heute also zum dreizehnten Mal Sie alle begrüßen können. Als evangelische Christinnen und Christen beschreiten wir diesen Weg nicht mehr allein. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir unsere Festveranstaltung im ökumenischen Kontext begehen,. Dies kommt u.a. dadurch zum Ausdruck, dass der katholische Stadtdekan von Wiesbaden, Domkapitular Dr. Johannes zu Eltz, in Fortsetzung der bisherigen bewährten Übung am Gottesdienst mitgewirkt hat.

Dass wir als Evangelische Kirche in Hessen und Nassau den Reformationstag wieder ins Zentrum des Interesses gerückt und zum Anlass für eine größere öffentlichen Veranstaltung in der hessischen Landeshauptstadt genutzt hatten, hatte bezeichnender Weise eines – wenn Sie so wollen – schmerzhaften „staatlichen“ Impulses bedurft.
Sie erinnern sich: 1995 war zum ersten Mal der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag mehr. Dieser evangelische Feiertag war sozusagen „geopfert“ worden als Beitrag zur Einführung der umlagefinanzierten Pflegeversicherung im gleichen Jahr. Spannender Weise hat danach nicht nur die Landeskirche die Initiative ergriffen, sondern es sind auch Propsteien, Dekanate und Gemeinden aktiv geworden mit besonderen Gottesdiensten und Veranstaltungen zum Reformationstag und zum Buß- und Bettag. Dies ist allerdings nicht nur interessant und schön, es ist vielmehr außerordentlich wichtig. Denn die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen, und natürlich: Auch die Kirche erneuert sich ständig, wird sich ständig erneuern müssen. In den nächsten 20 Jahren wird die Zahl der Mitglieder in unserer EKHN (z.Zt. 1,8 Mio) nach allem, was wir wissen, um ca. 350.000 bis 400.000 weniger werden. Dies liegt nicht an einer wie auch immer gearteten Austrittsbewegung, sondern beruht ganz allein auf der demographischen Entwicklung. Wir werden also 20 Jahre lang jedes Jahr mindestens 1% des jetzigen Kirchensteueraufkommens weniger zur Verfügung haben, strukturell also 20 % weniger als jetzt. Wenn wir die Zukunft unserer Kirche und der Menschen in unserer Kirche und Gesellschaft verantwortungsvoll gestalten wollen, sind wir nicht nur gehalten, verantwortlich mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir müssen uns vielmehr darüber klar werden, wie das Profil unserer Kirche gestaltet wird, wie unsere Position in der Gesellschaft künftig aussehen soll.
Die Bedeutung des Kirchlichen, die Bedeutung des Christlichen, die Bedeutung des Evangelischen sind auch Stichworte für die Überleitung zu unserer Festrednerin und zum Festvortrag des heutigen Abends, zu dem ich Sie im Namen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau herzlich einladen möchte.
„Evangelisch“ (Punkt), heißt einfach und klar das Thema des Vortrags.
Als Festrednerin konnten wir eine Persönlichkeit gewinnen, die in herausragender Weise politisch positioniert ist und die über ein klares kirchliches Profil verfügt. Begrüßen Sie mit mir sehr herzlich hier in der Lutherkirche in Wiesbaden die Bundestagsvizepräsidentin und Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Katrin Göring- Eckardt.

Sehr geehrte Frau Göring- Eckardt, mit Ihrem Einverständnis möchte ich zunächst einige Sätze zu Ihrer Person sagen:
Sie wurden in Friedrichroda in Thüringen geboren. Nach dem Abitur haben Sie ein Theologiestudium aufgenommen. Nach der Wende waren Sie Gründungsmitglied von „Demokratie jetzt“ und „Bündnis 90“. Bis 1994 waren Sie Mitarbeiterin in der Landtagsfraktion von „Bündnis 90/ Die Grünen“, von 1995 bis 1998 Landessprecherin Ihrer Partei in Thüringen, was Sie seit 2002 wieder sind. Im Zeitraum 1995 bis 1998 waren Sie Mitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten Matthias Berninger. Wenn ich es richtig sehe, verfügen Sie damit auch über „hessische“ Erfahrungen und Einsichten, wenn auch im Wesentlichen wohl „nordhessische“. Von 1996 bis 1998 waren Sie Beisitzerin im Bundesvorstand. Seit 1998 sind Sie Bundestagsabgeordnete. Nach den Stationen als Parlamentarische Geschäftsführerin (von 1998 bis 2002) und Vorsitzende Ihrer Bundestagsfraktion (Oktober 2002 bis September 2005) wurden sie im November 2005 zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages gewählt.

Aus Ihrem kirchlichen Engagement will ich u.a. erwähnen die Mitherausgeberschaft von „zeitzeichen“ (Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft“, die Mitgliedschaft im Kuratorium der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.“ und die Mitgliedschaft im Kuratorium der Hermann-Kunst-Stiftung zur Förderung der neutestamentlichen Textforschung. Nicht zuletzt sind Sie meine Kollegin und Konsynodale in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Hier verbindet uns auch unser Engagement für die Zukunft unserer Kirche, Stichwort hierfür: Das Impulspapier der EKD „Kirche der Freiheit“.

Sehr geehrte Frau Bundestagsvizepräsidentin, liebe Frau Göring- Eckardt, Sie tragen als evangelische Christin in herausragender Position politische Verantwortung in unserem Land.. Wir sind auf Ihre Ausführungen sehr gespannt und freuen uns auf Ihren Vortrag. Ich möchte Sie bitten, jetzt zu uns zu sprechen.

gez. Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN