Pressemitteilung der EKHN und der Evangelischen Kirche der Pfalz, 2007
Gespräch mit Gewerkschaften
Evangelische Kirchen betonen Position zu Armut und Reichtum
Hinweis: Informationen über das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) im Internet unter www.netzwerk-courage.de.
Speyer. Bei einem Treffen evangelischer Kirchen mit dem DGB im Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer am Montag äußerten sich beide Seiten besorgt darüber, dass die Zahl der in Armut lebenden Menschen in Deutschland in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. „Man muss von seiner Hände Arbeit leben können“, brachte Kirchenpräsident Eberhard Cherdron die Forderungen der Gesprächsrunde zu den Themenkomplexen Beschäftigungssituation in Rheinland-Pfalz und Mindestlöhne auf den Punkt.
„Nicht nur Armut, sondern auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein. Umverteilung ist gegenwärtig häufig die Umverteilung des Mangels, weil der Überfluss auf der anderen Seite geschont wird.“ Mit diesem Zitat aus dem im Jahr 1997 von der evangelischen und der katholischen Kirche veröffentlichten „Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland“ führte Prof. Dr. Thomas Posern vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in das Thema ein, das Schwerpunkt der Begegnung zwischen der Evangelischen Kirche und den Gewerkschaften in Rheinland-Pfalz war. Titel: „Kirchliche Positionen zum Thema Armut und Reichtum in Deutschland“.
Das „Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ habe auch zehn Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner Bedeutung verloren. „Bei dieser Debatte um den Reichtum ging und geht es niemals um „Sozialneid“. Vielmehr geht es um materielle Ressourcen, die in unserer Gesellschaft vorhanden sind und die für die Lösung von Herausforderungen unterschiedlicher Art genutzt werden können“, so Posern.
Der rheinland-pfälzische DGB-Landesvorsitzende, Dietmar Muscheid, bezeichnete es als „grobe Fehlentwicklung“, dass immer mehr Menschen trotz Vollbeschäftigung in Armut leben. „Die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse belastet die Arbeitnehmer mit einem erhöhten Armutsrisiko. Sie geht aber auch zu Lasten der sozialen Sicherungssysteme, die für eine Subventionierung des Niedriglohnbereichs nicht ausgerüstet sind.“ Muscheid unterstrich die Forderung des DGB nach einem gesetzlichen Mindestlohn. „Es bedarf auch zukünftig erheblicher Anstrengungen, um jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, eine Perspektive zu geben.“ Fachkräftemangel könne nur durch verstärkte Ausbildung vermieden werden, erklärte Muscheid zum Thema Ausbildungsmarkt.
Für das Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC) referierte Jugendbildungsreferent Daniel Hard vom DGB Mainz über Rechtsradikalismus. Dieser habe bereits die Schulhöfe erreicht. Das Netzwerk, das kürzlich den Ehrenamtspreis 2007 in Rheinland-Pfalz gewonnen hat, setzt sich die Förderung einer „demokratischen Kultur, an der sich alle aktiv beteiligen können“, zum Ziel und wendet sich gegen Diskriminierung. „Dazu gehört für uns die Achtung jedes einzelnen Menschen, unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder Geschlecht.“
Die Teilnehmer der Begegnung zwischen Gewerkschaft und Kirche - unter ihnen auch Dr. Kordula Schlösser-Kost von der Evangelischen Kirche im Rheinland und Cordelia Kopsch, Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau - verständigten sich zum Abschluss auf eine politische Forderung an die Landesregierung. Demnach soll der vierte Armuts- und Reichtumsbericht des Landes Rheinland-Pfalz finanziell und personell so ausgestattet werden, „dass die Vergleichbarkeit mit den Berichtssystemen der Länder und des Bundes gewährleistet ist und der Bericht einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Sozialberichterstattung leistet“.
Eine Resolution zum Thema Armut hatte auch die Herbstsynode der pfälzischen Landeskirche am 17. November verabschiedet. Darin fordern die Synodalen eine „bedarfsgerechte Grundsicherung“ angesichts wachsender Armut. (lk)
Frankfurt, den 24. November 2007
gez. Öffentlichkeitsreferat der Evangelischen Kirche der Pfalz
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