Pressemitteilung der EKHN, Nr. 12 / 2008
Den Kreislauf des Leides gesprengt
Kirchenpräsident Steinacker predigte am Karfreitag
Frankfurt, 21. März 2008. Am Karfreitag hat Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker in der Frankfurter Wartburgkirche einen Gottesdienst gehalten, den der Hessische Rundfunk auf seiner Radiowelle hr1 übertrug. In seiner Predigt ging Steinacker auf die Bedeutung von Macht und Gewalt ein, die „zu den tiefsten Rätseln unseres Menschseins“ gehörten. Auch die Liebe sei eine Macht, predigte Steinacker und wies zudem darauf hin, dass es zum Leben untrennbar gehöre, mit Macht eigene Interessen gegen Lebensinteressen anderer durchzusetzen. Macht sei deshalb zwar zum Leben nötig aber „im höchsten Maß zweideutig“. Sie könne Leben durch körperliche Gewalt oder auch durch die Gewalt der Sprache in Form von Gerüchten und Mobbing zerstören. Kranke Menschen könnten ebenfalls Gewalt entfalten, um Hilfe und Zuwendung zu erzwingen. Gewalt errege einerseits Angst und Abscheu und andererseits ziehe sie seltsam an und reiche „weit in die tiefen Schichten unseres Wesens hinein“.
Menschen seien von sich aus nicht fähig, den durch Macht und Gewalt hervorgerufenen Kreislauf des Leides zu sprengen. Es sei ihnen unmöglich, „die Schuld zu löschen, die auf dem ganzen Dasein von Welt als Natur und Geschichte liegt“. Doch dies sei Gott nicht gleichgültig, deshalb habe er sich selber in diesen Kreislauf der Gewalt begeben, um das Verhängnis zu lösen. Wörtlich predigte Stenacker: „Er hat alle Schuld der Welt auf den schuldlosen Christus gehäuft und ist ans Kreuz gegangen, wo eigentlich wir hingehörten.“ Deshalb sei das Kreuz kein Unfall oder Unglück, sondern das göttliche Siegeszeichen über Sünde, Schuld, Tod und Teufel.
Der Karfreitag bleibe damit der Tag der Trauer darüber, „dass in der Welt und in uns die Zweideutigkeit der Gewalt und das Leiden so tief wohnen. Er ist der Tag der Trauer darüber, dass Gott aus Liebe zu uns ans Kreuz musste“. Aber zugleich sei der Karfreitag der Tag, sich zu freuen und dankbar zu sein, dass Gott sich nicht zurückgehalten habe. Daraus erwachse „die Kraft, trotz allem aus seiner Güte froh, liebevoll und voller Hoffnung zu leben“.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 19.03.2008 | copyright by EKHN