Mitteilung der EKHN / 2008
Erstmals offizielle Delegation der neuen amerikanischen Partnerkirche in der EKHN
Präses der Synode begrüßt Repräsentanten der United Church of Christ im Staat New York
Eine Delegation der United Church of Christ (UCC) war am Samstag in Frankfurt auf der Kirchensynode zu Gast. In einer Feierstunde wurde die Partnerschaft der EKHN mit der UCC im Staat New York bestätigt. Sie war im Jahr zuvor durch den Besuch einer EKHN-Delegation in den USA begonnen worden. Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer hieß die elfköpfige Delegation herzlich willkommen. Er begrüßte außerordentlich, dass die erste Partnerschaft mit einer Kirche in den Vereinigten Staaten zustande gekommen sei und nun durch den Besuch mit Leben erweckt werde. Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung seien sowohl für die UCC wie für die EKHN Kriterien kirchlichen Handelns.
Geoffrey Black, der Leitende Geistliche (Conference Minister) der UCC New York, dankte für den warmherzigen Empfang und die große Motivation, mit der die EKHN die Partnerschaft begonnen habe. Wörtlich sagte er: Die Partnerschaft mit euch ist für uns eine lebendige Antwort auf das Gebet von Jesus, dass alle zusammen ein Leib sein sollen.“
Black ging in seiner Begrüßungsrede auch auf die
politischen Debatten in den USA über den Präsidentschaftsanwärter
Barack Obama und dessen Pfarrer Jeremiah Wright ein. Beide gehören
der UCC an, was nicht bedeute, dass alle Mitglieder der UCC seine politischen
Meinung teilten, wie Black sagte. Wright sei in den öffentlichen Medien
unkorrekt zitiert worden. Black äußerte die Vermutung, dass die
UCC auch deshalb in die Schlagzeilen geraten sei, weil sie seit langem mit „ihrer
prophetischen Stimme“ die amerikanische Gesellschaft mit ihrer „unangenehmen
Meinung“ wie zum Beispiel der kritischen Haltung zum Irakkrieg konfrontierten.
Dies seien nicht immer „willkommene Worte“, die die UCC aber
als eine Herausforderung ihres Glaubens sähen.
Die Delegation wird nun acht Tage lang die EKHN kennen lernen und dabei
auch nach Worms, Oppenheim, Bad Marienberg, Herborn, Darmstadt und in den
Reingau kommen.
Die Partnerschaft mit der UCC soll in den Städten Wiesbaden und Frankfurt
verankert werden. Die dortigen Dekanate bilden dafür einen gemeinsamen
Partnerschaftsausschuss. Für die Zukunft sind regelmäßige
Besuche, Personalaustausch, gemeinsames Jugendprojekte und Zusammenarbeit
bei Glaubensthemen geplant.
UCC-Fakten
Die UCC hat deutsche Wurzeln. Sie entstand 1957 durch den Zusammenschluss
der Deutschen Evangelischen und reformierten Kirche und der Kongregationalistischen
christlichen Kirche in Amerika. Viele Mitglieder tragen deutsche Namen.
Etliche können noch etwas Deutsch. Afroamerikanische Gemeinden im
Süden der USA haben sich der UCC angeschlossen. In der Zwischenzeit
spielen chinesische, indische, koreanische und spanisch sprechende Gemeinden
eine wachsende Rolle. Die UCC-Gemeinden sind in Konferenzen (Conferences)
zusammengefasst, die mehrheitlich jeweils das Gebiet eines US-Staates
umfassen. Die mit der EKHN nun partnerschaftlich verbundene New-York-Konferenz
umfasst 277 Gemeinden mit 41.300 Mitgliedern und 549 Pfarrerinnen und
Pfarrer. Ihre Zentrale, in der Konferenz-Minister Geoffrey Black seinen
Sitz hat, in Syracuse in der Mitte des Staates NewYork.
Insgesamt hat die UCC in den USA etwa 5.600 Gemeinden., etwa 10.000 Pfarrerinnen
und Pfarrer sowie 350 diakonische Einrichtungen und 45 Schulen. Sie zählt
nur ihre aktiven, das heißt regelmäßig den Gottesdienst
besuchenden Mitglieder, es sind etwa 1,2 Millionen. Besonders stark vertreten
ist die UCC in den sogenannten New-England-Staaten im Nordosten der USA
sowie in Pennsylvania, wo sich viele deutsche Einwanderer nieder gelassen
haben. Ihre Zentrale ist in Cleveland, wo Kirchenpräsident John H.
Thomas seinen Sitz hat.
UCC-Gemeinden haben im Durchschnitt etwa 300 Mitglieder, tatsächlich
reicht die Bandbreite von 20 bis 3000. Jede UCC-Gemeinde ist autonom. Sie
stellt ihren Pfarrer oder ihre Pfarrerin direkt ein, bezahlt direkt und
entlässt direkt. Sie ist auch für ihre Finanzen unmittelbar verantwortlich,
von denen sie einen Beitrag an die übergemeindlichen Strukturen der
UCC abgibt. Alle zwei Jahre findet eine Generalsynode statt, zu der alle
Konferenzen Delegierte schicken. Sie können für die einzelnen
Gemeinden keine verbindlichen Entscheidungen treffen. Sie können aber
Impulse geben und die UCC in der Öffentlichkeit repräsentieren.
Die UCC versteht sich insgesamt als eine Kirche, die offen ist für
verschiedene Kulturen, verschiedene Hautfarben und Homosexualität,
auch wenn sich das nicht in allen Gemeinden abbildet. Sie verknüpft
Frömmigkeit mit gesellschaftlichem Engagement. Aktiv tritt sie für ökologische
Reformen ein und engagiert sich gegen den Irak-Krieg. Die UCC ist stolz
darauf, dass Mitglieder ihrer Vorgängerkirchen zu den führenden
Persönlichkeiten der Menschenrechtsbewegungen in den USA gehörten.
Zu ihnen zählen die Unterstützer der afrikanischen Sklaven, die
das Sklavenschiff „Amistad“ aufbrachten, sowie elf Unterzeichner
der Unabhängigkeitserklärung. Eine UCC-Vorgängerkirche ordinierte
bereits im 19. Jahrhundert die erste weibliche Pfarrerin. Die UCC ordinierte
1972 als erste Kirche weltweit einen offen homosexuell lebenden Pfarrer
und 1976 als erste gemischte Kirche einen Afroamerikaner als Kirchenpräsidenten.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 29.04.2008 | copyright by EKHN






