Mitteilung der EKHN / 2008

26. April 2008

Erstmals offizielle Delegation der neuen amerikanischen Partnerkirche in der EKHN

 

Präses der Synode begrüßt Repräsentanten der United Church of Christ im Staat New York

 

Quelle: EKHN
Geoffrey Black (links) überreichte ein Kunstwerk, das das Facettenkreuz-Logo der EKHN interpretiert, an Prof. Karl Heinrich Schäfer, Präses der Synode der EKHN

Eine Delegation der United Church of Christ (UCC) war am Samstag in Frankfurt auf der Kirchensynode zu Gast. In einer Feierstunde wurde die Partnerschaft der EKHN mit der UCC im Staat New York bestätigt. Sie war im Jahr zuvor durch den Besuch einer EKHN-Delegation in den USA begonnen worden. Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer hieß die elfköpfige Delegation herzlich willkommen. Er begrüßte außerordentlich, dass die erste Partnerschaft mit einer Kirche in den Vereinigten Staaten zustande gekommen sei und nun durch den Besuch mit Leben erweckt werde. Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung seien sowohl für die UCC wie für die EKHN Kriterien kirchlichen Handelns.

Geoffrey Black, der Leitende Geistliche (Conference Minister) der UCC New York, dankte für den warmherzigen Empfang und die große Motivation, mit der die EKHN die Partnerschaft begonnen habe. Wörtlich sagte er: Die Partnerschaft mit euch ist für uns eine lebendige Antwort auf das Gebet von Jesus, dass alle zusammen ein Leib sein sollen.“

vergrößern Geoffrey Black sprach vor der Synode der EKHN
vergrößern Stehende Ovationen für Geoffrey Black
vergrößern Mitglieder der Delegation aus der UCC , 2. v. links: Pfarrer Walter Schneider, Leiter des Referates Mission und Ökumene der Kirchenverwaltung
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vergrößern Während die Synodalen die Revision der Kirchenordnung thematisierten, hörte die Delegation der UCC zu. Ein Dolmetscher (rechts) übersetzte das Gesagte.
vergrößern Geoffrey Black (links) und Pfarrer Walter Schneider (rechts)
vergrößern Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer (links) überreichte Geoffrey Black die Fahne der EKHN; rechts: Kirchenpräsident Steiinacker
Quelle: EKHN

Black ging in seiner Begrüßungsrede auch auf die politischen Debatten in den USA über den Präsidentschaftsanwärter Barack Obama und dessen Pfarrer Jeremiah Wright ein. Beide gehören der UCC an, was nicht bedeute, dass alle Mitglieder der UCC seine politischen Meinung teilten, wie Black sagte. Wright sei in den öffentlichen Medien unkorrekt zitiert worden. Black äußerte die Vermutung, dass die UCC auch deshalb in die Schlagzeilen geraten sei, weil sie seit langem mit „ihrer prophetischen Stimme“ die amerikanische Gesellschaft mit ihrer „unangenehmen Meinung“ wie zum Beispiel der kritischen Haltung zum Irakkrieg konfrontierten. Dies seien nicht immer „willkommene Worte“, die die UCC aber als eine Herausforderung ihres Glaubens sähen.
Die Delegation wird nun acht Tage lang die EKHN kennen lernen und dabei auch nach Worms, Oppenheim, Bad Marienberg, Herborn, Darmstadt und in den Reingau kommen.
Die Partnerschaft mit der UCC soll in den Städten Wiesbaden und Frankfurt verankert werden. Die dortigen Dekanate bilden dafür einen gemeinsamen Partnerschaftsausschuss. Für die Zukunft sind regelmäßige Besuche, Personalaustausch, gemeinsames Jugendprojekte und Zusammenarbeit bei Glaubensthemen geplant.

UCC-Fakten
Die UCC hat deutsche Wurzeln. Sie entstand 1957 durch den Zusammenschluss der Deutschen Evangelischen und reformierten Kirche und der Kongregationalistischen christlichen Kirche in Amerika. Viele Mitglieder tragen deutsche Namen. Etliche können noch etwas Deutsch. Afroamerikanische Gemeinden im Süden der USA haben sich der UCC angeschlossen. In der Zwischenzeit spielen chinesische, indische, koreanische und spanisch sprechende Gemeinden eine wachsende Rolle. Die UCC-Gemeinden sind in Konferenzen (Conferences) zusammengefasst, die mehrheitlich jeweils das Gebiet eines US-Staates umfassen. Die mit der EKHN nun partnerschaftlich verbundene New-York-Konferenz umfasst 277 Gemeinden mit 41.300 Mitgliedern und 549 Pfarrerinnen und Pfarrer. Ihre Zentrale, in der Konferenz-Minister Geoffrey Black seinen Sitz hat, in Syracuse in der Mitte des Staates NewYork.

Insgesamt hat die UCC in den USA etwa 5.600 Gemeinden., etwa 10.000 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie 350 diakonische Einrichtungen und 45 Schulen. Sie zählt nur ihre aktiven, das heißt regelmäßig den Gottesdienst besuchenden Mitglieder, es sind etwa 1,2 Millionen. Besonders stark vertreten ist die UCC in den sogenannten New-England-Staaten im Nordosten der USA sowie in Pennsylvania, wo sich viele deutsche Einwanderer nieder gelassen haben. Ihre Zentrale ist in Cleveland, wo Kirchenpräsident John H. Thomas seinen Sitz hat.
UCC-Gemeinden haben im Durchschnitt etwa 300 Mitglieder, tatsächlich reicht die Bandbreite von 20 bis 3000. Jede UCC-Gemeinde ist autonom. Sie stellt ihren Pfarrer oder ihre Pfarrerin direkt ein, bezahlt direkt und entlässt direkt. Sie ist auch für ihre Finanzen unmittelbar verantwortlich, von denen sie einen Beitrag an die übergemeindlichen Strukturen der UCC abgibt. Alle zwei Jahre findet eine Generalsynode statt, zu der alle Konferenzen Delegierte schicken. Sie können für die einzelnen Gemeinden keine verbindlichen Entscheidungen treffen. Sie können aber Impulse geben und die UCC in der Öffentlichkeit repräsentieren.

Die UCC versteht sich insgesamt als eine Kirche, die offen ist für verschiedene Kulturen, verschiedene Hautfarben und Homosexualität, auch wenn sich das nicht in allen Gemeinden abbildet. Sie verknüpft Frömmigkeit mit gesellschaftlichem Engagement. Aktiv tritt sie für ökologische Reformen ein und engagiert sich gegen den Irak-Krieg. Die UCC ist stolz darauf, dass Mitglieder ihrer Vorgängerkirchen zu den führenden Persönlichkeiten der Menschenrechtsbewegungen in den USA gehörten. Zu ihnen zählen die Unterstützer der afrikanischen Sklaven, die das Sklavenschiff „Amistad“ aufbrachten, sowie elf Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung. Eine UCC-Vorgängerkirche ordinierte bereits im 19. Jahrhundert die erste weibliche Pfarrerin. Die UCC ordinierte 1972 als erste Kirche weltweit einen offen homosexuell lebenden Pfarrer und 1976 als erste gemischte Kirche einen Afroamerikaner als Kirchenpräsidenten.

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher