Pressemitteilung der EKHN
70 Jahre Reichspogromnacht -
Leitendes Geistliches Amt regt Gedenken an
Glockengeläut nur zu Gebeten
Darmstadt, 9. November 2008. Im Jahr 2008 jährt sich zum 70. Mal die Reichspogromnacht. In der in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren in Deutschland die Synagogen geschändet und angezündet, Juden tätlich angegriffen, jüdische Einrichtungen zerstört sowie Geschäfte und Wohnhäuser von Juden geplündert worden. Dieser Jahrestag fällt 2008 auf einen Sonntag. Darauf hat das Leitende Geistliche Amt (LGA) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) alle Kirchengemeinden in einem Brief hingewiesen und sie gebeten, „dieses Geschehen im Gottesdienst besonders zu thematisieren“. Auch die Teilnahme an jüdischen Gedenkveranstaltungen wird darin angeregt.
Vor 70 Jahren, so schreibt das Leitende Geistliche Amt, habe in der evangelischen Kirche zu den Ereignissen „mehrheitlich Schweigen, Wegschauen oder gar offene Zustimmung“ geherrscht. Nur wenige hätten die Verbrechen beim Namen genannt. Deshalb sei der 9. November für die Kirche „ein Tag des Erinnerns an die Leiden der Opfer, ein Tag der Buße und Umkehr aus der langen Geschichte christlicher Judenfeindschaft“ aber auch „ein Tag der Besinnung auf das mutige Zeugnis derer, die damals widersprochen haben und in deren Tradition wir uns heute stellen“.
Das LGA weist darauf hin, dass in der EKHN Glocken grundsätzlich nur als Einladung zum Gebet und Gottesdienst läuten dürfen und regt deshalb an, am 9. November in möglichst vielen Gemeinden zum Gottesdienst einzuladen.
Arbeitshilfen zur Gestaltung von Gottesdiensten und Andachten am 70. Jahrestag der Reichspogromnacht hat die Arbeitsstelle für gottesdienstliche Fragen der EKD (GAGF) ins Internet gestellt: www.ekd.de/gottesdienst/daten/Handreichung_09-Nov-2008.pdf.
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat sich intensiv mit den historischen und theologischen Dimension der christlich begründeten Judenfeindschaft auseinandergesetzt und ihre Abkehr davon 1991 in der Erweiterung ihres Grundartikels zum Ausdruck gebracht: „Aus Blindheit und Schuld zur Umkehr gerufen bezeugt sie (die EKHN) neu die bleibende Erwählung der Juden und Gottes Bund mit ihnen. Das Bekenntnis zu Jesus Christus schließt dieses Zeugnis ein.“gez: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN
zurück | letzte Aktualisierung: 16.10.2008 | copyright by EKHN