Bericht / Evangelische Sonntagszeitung
Keine Schieflage der Kirchenfinanzen bei der EKHN
Finanzdezernent Striegler: Niedrigere Rendite, aber größere Sicherheit
Darmstadt, 27.10. 2008
Nur in geringem Maße trifft die gegenwärtige internationale Finanzkrise die Rücklagen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Der Finanzdezernent der EKHN, OKR Heinz-Thomas Striegler, erklärte in Darmstadt, die Rücklagen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau seien langfristig orientiert und über viele Banken und Fondsgesellschaften breit gestreut angelegt. Damit sei das Risiko kurzfristiger Verluste zwar nicht ausgeschlossen, aber deutlich vermindert. Bewusst habe man eine niedrigere Rendite gegenüber risikoreicheren Anlageformen gewählt, um für die kirchlichen Rücklagen größere Sicherheit zu gewährleisten. Papiere des insolventen amerikanischen Bankhauses Lehman Brothers habe die EKHN nicht besessen.
Rücklagen sind verantwortliche Haushalterschaft
Einschließlich des Kapitals der Versorgungsstiftung hat die EKHN derzeit in ihren Rücklagen rund 1,1 Mrd. Euro. Das ist entspricht etwa dem Stand von 2007. Die Gelder stammen über-wiegend aus Haushaltsüberschüssen vergangener Jahre und Jahrzehnte. Striegler betonte, als Großorganisation mit rund 20.000 Beschäftigten habe die EKHN die Pflicht, Rücklagen zu bilden, um Arbeitsplätze zu erhalten und Schwankungen der Einnahmen ausgleichen zu können. Die Bildung an Rücklagen entspreche den Grundsätzen eines verantwortlichen und nachhaltigen Haushaltens. Ein gutes Beispiel dafür sei auch die Gründung der Versorgungs-stiftung, die die EKHN-Haushalte in Zukunft stark entlasten werde. Aus den Erträgen dieser Stifung wird die Altersversorgung der EKHN-Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand langfristig gesichert.
Rund zehn Prozent des Geldes sind nach Worten Strieglers in kurzfristigen Festgeldanlagen auf verschiedene Banken gestreut, etwa neunzig Prozent langfristig in Spezialfonds (Son-dervermögen) investiert. Diese Fonds umfassen viele verschiedene Anlageklassen von infla-tionsgeschützten Staatsanleihen, über Unternehmensanleihen, Wandelanleihen und Immobi-lien bis hin zu klassischen Renten- und Aktienspezialfonds..
Sozialethische Anlagerichtlinien schaffen Transparenz
Bereits im Jahre 2000 hatte die Kirchensynode der EKHN sozialethische Anlagerichtlinien für die Rücklagen der EKHN verabschiedet. Ihnen unterliegen seitdem alle Kapitalanlagen der EKHN und der Versorgungsstiftung. Nach diesen Richtlinien darf beispielsweise in bestimm-te Firmen wie Rüstungsunternehmen grundsätzlich nicht investiert werden.
Zur Einhaltung der Anlagerichtlinien muss höchstmögliche Transparenz über die Kapitalan-lagen hergestellt werden. Daher hat die Kirche keine Investments in intransparent strukturier-te Produkte unternommen. Die breite Diversifizierung, d.h. Streuung der Kapitalanlagen über verschiedene Anlageklassen und verschiedene Bankhäuser und Fondsgesellschaften ver-meidet darüber hinaus das Entstehen von „Klumpenrisikos“.
Durch kirchliches Kapital Einfluss auf nachhaltiges Wirtschaften nehmen
Vor wenigen Monaten ging die EKHN gemeinsam mit anderen kirchlichen Einrichtungen noch einen Schritt weiter: Im so genannten „Responsible Engagement Overlay“ werden die Stimmrechte aller Beteiligten gebündelt, um einen stärkeren Einfluss auf die betreffenden Unternehmen zu erhalten. Auf diese Weise soll beispielsweise die Einhaltung von sozialen und arbeitsschutzrechtlichen Mindeststandards erreicht und etwa Kinderarbeit ausgeschlos-sen werden. Darüber hinaus wollen die kirchlichen Anteilseigner erreichen, dass die Unter-nehmensziele weniger auf kurzfristige Renditeinteressen sondern vielmehr auf langfristig nachhaltiges Unternehmenswachstum gerichtet sind. OKR Striegler betonte, dass sich in diesem Sinne aus der jüngsten Finanzkrise auch kritische Fragen zur Nachhaltigen Unter-nehmensführung bei Banken ergeben müssten.
Garantierte Verzinsung für Treuhandvermögen von Gemeinden und Einrichtungen
Für Kirchengemeinden, Dekanate, Regionalverwaltungen und sonstige kirchliche Einrichtungen verwaltet die EKHN zusätzlich Treuhandvermögen in Höhe von rund 500 Millionen Euro, die überwiegend in Rentenpapieren angelegt wurden. Für diese Vermögen garantiert die Gesamtkirche eine feste Basisverzinsung und hat dafür in den letzten Jahren Reserven auf-gebaut. Fällt der Marktzins unter die vereinbarte Marke, dann tritt die EKHN für den fehlen-den Betrag ein. OKR Striegler wörtlich: „Alle, die uns ihr Vermögen anvertraut haben, können sicher sein, den garantierten Zins zu erhalten.“
Verantwortlich: Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt
zurück | letzte Aktualisierung: 31.10.2008 | copyright by EKHN