Pressemitteilung der EKHN
Stellungnahme von Kirchenpräsident Steinacker zur Suizidhilfe
anlässlich des von Herrn Kusch begleiteten Falles in Frankfurt November 2008
Die Angst vor dem Tod und dem Sterben stecken in jedem Menschen. Schon immer. Heute tun sich viele Menschen besonders schwer damit. Sie fürchten sich vor Hinfälligkeit und Pflegebedürftigkeit, Insbesondere alte Männer haben Angst vor dem Verlust der Bewegungsfreiheit und der persönlichen Autonomie. Manche meinen, sie könnten sich diese Autonomie erhalten, in dem sie den Zeitpunkt ihres Todes selber wählen. In Wahrheit scheitern sie damit genau an dieser Autonomie. Selbsttötung und die Hilfe dazu sind ein tragisches Scheitern am Leben. Die Aufmerksamkeit von Gesellschaft und Kirche muss dem Bemühen gelten, beides unnötig zu machen.
Deshalb heißt es in einem gemeinsamen Text von EKD und DBK: „Aktive Sterbehilfe ist und bleibt eine ethisch nicht vertretbare, gezielte Tötung eines Menschen in seiner letzten Lebensphase, auch wenn sie auf seinen ausdrücklichen, verzweifelten Wunsch hin erfolgt.“
(Sterbebegleitung; Gemeinsame Texte 17, S. 5).
Niemand verliert seine Würde, wenn er seine aktiven Fähigkeiten verliert. Die persönliche Würde ist ihm von Gott gegeben. Und sie gilt auch bei Hinfälligkeit und über den Tod hinaus.
Aus christlicher Sicht muss ein Mensch nicht leben sondern er darf leben. Leben ist ein Geschenk Gottes. Deshalb ist es nach christlicher Auffassung auch nicht das Eigentum des einzelnen Menschen. Das widerspricht dem modernen Autonomiestreben und korrigiert es: Zur grundsätzlichen Bestimmung des menschliches Leben gehört, dass es zwischen Freiheit und Schicksal stattfindet. Deshalb ist es eine elementare Lebensaufgabe, die Angst vor dessen Endlichkeit und dessen Brüchigkeit in das Leben integrieren.
Unsere Seelsorger, die Menschen im Sterben begleiten, berichten, dass der Wunsch nach Hilfe zum Sterben umso geringer ist, je besser die medizinische Betreuung und je intensiver die menschlicher Nähe empfunden wird. Primäre Aufgabe von Kirche und Gesellschaft ist es, die Lebensbedingungen so zu gestalten, dass das Leben als Geschenk Gottes empfunden werden kann.
Mögen im Einzelfall auch die Gründe für den Wunsch nach Hilfe zum Sterben persönlich nachvollziehbar sein. So bleibt doch insgesamt die Sorge, dass Sterbehilfe zur Methode werden könnte, mit der sich die Gesellschaft teurer und als störend empfundener Kranker entledigen will. Sollte sie zum akzeptierten Normalfall gemacht werden, wird nach den Mechanismen unseres Gesellschaftssystems Sterben zum Geschäft gemacht und die Sterbenden zur Ware.
Im vorliegenden Fall in Frankfurt, ist die Situation besonders tragisch. Der Mann ist zwar alt und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Aber er leidet nicht an Schmerzen, die nicht gelindert werden könnten, zudem lässt er seine an Alzheimer erkrankte Frau zurück. „Keiner lebt nur für sich; und was einer für andere bedeutet, das wird er nie genau wissen. Im Glauben daran, dass Gott das Leben jedes Menschen will, ist jeder mit seinem Leben, wie immer es beschaffen ist, unentbehrlich.“ (Gemeinsame Erklärung (1989), Gott ist ein Freund des Lebens, S. 18).
Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN
zurück | letzte Aktualisierung: 17.11.2008 | copyright by EKHN