Pressemitteilung der EKHN, Nr. 50
Erstes Tafel-Fest zum Internationalen Tag des Ehrenamts
Kirchenpräsident: „Nothilfe und Gewissen des Sozialstaats“
Wiesbaden, 5. Dezember 2008. Anlässlich des Ersten Tafel-Festes der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker die Tafeln als „Teil des Gewissens unseres Sozialstaats“ gewürdigt. Tafeln seien für ihre Kunden eine wichtige Lebenshilfe. Sie wollten und dürften allerdings den Sozialstaat nicht entlasten, vielmehr mahnten sie ihn. Wörtlich sagte Steinacker: „Aus der konkreten Hilfe schöpfen die Tafeln und mit ihnen Diakonie und Kirche die Legitimation und die Kraft, ihre Stimmen in die sozialpolitische Debatte einzubringen. Insofern sind die Tafeln nicht nur Nächstenliebe und Skandal sondern auch eine sozialpolitische Bewegung und Teil des Gewissens in unserem Sozialstaats.“
Steinacker: HARTZ IV schon jetzt zu knapp
Bei allem respektvollen Umgang der Tafeln mit ihren Kunden sei es ihnen nicht möglich, die Ausgrenzung überwinden, die darin liege, dass die Menschen eben eigentlich keine Kunden seien. Denn sie hätten nicht genügend Geld, um sich zu kaufen, was sie brauchten. Steinacker kritisierte Überlegungen, die Regelsätze von Hartz IV weiter zu reduzieren. Sie reichten schon jetzt nicht aus, um gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten. Dies treffe insbesondere auf Familien mit Kindern und Heranwachsenden zu, deren spezifische Bedarfe nicht in die Berechnung der Regelsätze eingingen. Ziel der Tafel-Bewegung sei deshalb eigentlich, sich überflüssig zu machen. Steinacker dankte für das „bewundernswerte Engagement, das viele Ehrenamtliche in den Tafeln leisten“.
Ehrenamtsakademie lud ein/EKHN- und DWHN-Chefetage übernahm Tischservice
Das Tafel-Fest fand zum ersten Mal in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) statt. Eingeladen hatte die Ehrenamtsakademie der EKHN, die damit sowohl den Internationalen Tag des Ehrenamts mitgestaltete als auch das fünfjährige Jubiläum des Ehrenamtsgesetzes in der EKHN feierte. Eingeladen waren 100 Ehrenamtliche aus 19 Tafeln und Essensausgaben im Kirchengebiet der EKHN. Sie erlebten ein festliches Essen mit Musik und Theater sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Immer mehr Tafeln – gern gesehene Nächstenliebe oder Skandal?“, an der neben Kirchenpräsident Steinacker die ehrenamtliche Leiterin der Wiesbadener Tafel Ruth Friedrich-Wurzel sowie der Sozialdezernent der Stadt Wiesbaden Arno Goßmann teilnahmen.
Ein weiterer Clou des Festes war der Tischservice. Den übernahm die „Chefetage“ der EKHN und des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN). In der roten Schürze des Gastgebers, der Wiesbadener Tafel, bedienten Kirchenpräsident Steinacker, der Präses der Kirchensynode Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer, Vorsitzender des DWHN Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, die Leiterin der Kirchenverwaltung Oberkirchenrätin Sigrid Bernhardt-Müller, die Pröpste Dr. Sigurd Rink aus Wiesbaden, Dr. Klaus-Volker Schütz aus Mainz, Michael Karg aus Herborn sowie die Pröpstinnen Gabriele Scherle aus Frankfurt und Karin Held aus Darmstadt. Aus dem Kuratorium der Ehrenamtsakademie bedienten Dr. Ulrich Oelschläger und Axel Rothermel sowie der Wiesbadener Sozialpfarrer Dr. Christian Fischer.
Ziel des Tafel-Festes war es, das ehrenamtliche Engagement der Eingeladenen stellvertretend für all Ehrenamtlichen – allein in der EKHN sind das circa 64 000 Menschen – zu würdigen, wie die Geschäftsführerin der Ehrenamtsakademie Pfarrerin Helga Engler-Heidle erläuterte.
Stichwort TAFEL
Die erste Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet. Zunächst wurden Obdachlose versorgt. Inzwischen gibt es bundesweit mehr als 800 Tafeln, deren Zahl nach den Hartz-Reformen 2003 sprunghaft anstieg. Zu ihren Kunden zählen Alleinerziehende, Rentner, aber auch Berufstätige. Das Diakonische Werk der EKHN versorgt mit 18 Tafeln an 27 Orten etwa 8 000 Personen. Insgesamt engagieren sich in diesem speziellen Ehrenamt in den Regionen der EKHN circa 2000 Ehrenamtliche.
Stichwort: internationaler Tag des Ehrenamts
Der International Volunteer Day for Economic and Social Development wurde 1986 von den Vereinten Nationen ausgerufen und findet folglich 2008 zum 22. Mal statt. Traditionell verleiht der Bundespräsident an diesem Tag Verdienstorden für ehrenamtliches Engagement.
Darmstadt, 5. Dezember 2008
Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN
zurück | letzte Aktualisierung: 08.12.2008 | copyright by EKHN



