Pressemitteilung der EKHN, Nr. 52

18. Dezember 2008

Tschernobyl-Kinder dürfen nicht mehr nach Deutschland kommen


EKHN kämpft für Erhalt der Besuchsprogramme


 

Darmstadt, 18. Dezember 2008. Das seit 17 Jahren erfolgreiche Besuchs- und Erholungsprogramm für Kinder aus der Kernkraft-verseuchten Region um Tschernobyl steht 2009 vor dem Aus. Darauf hat Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker am Donnerstag in Darmstadt hingewiesen. Er habe in Briefen an Außenminister Frank Walter Steinmeier und den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko darum gebeten, das Besuchsprogramm auch im Jahr 2009 und danach zu ermöglichten.

Im Oktober hatte Belarus (Weißrussland), zu dem der größte Teil der Tschernobyl-Region gehört, in einem Dekret geregelt, dass Kinder nur noch in Länder reisen dürfen, die eine vertraglich geregelte Rückkehrgarantie geben. Die Regierung reagierte damit auf zwei Kinder, die von solchen Aufenthalten nicht zurückgekommen waren, eines im Jahr 2008 aus den USA und eines im Jahr 2006 aus Italien.

Steinacker äußerte Verständnis für den Wunsch sicherzustellen, dass die Kinder nach der vereinbarten Besuchzeit wieder zurückkehrten. Eine vertragliche Regelung brauche aber Zeit und sei bis Anfang 2009 nicht abzuschließen. Deshalb hat Steinacker in Briefen an Außenminister Frank Walter Steinmeier und den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko darum gebeten, für die Besuchsprogramme Übergangslösungen zu schaffen. Ausdrücklich betont Steinacker darin, dass alle Kinder, die in Deutschland zu Besuch waren, „gerne und pünktlich wieder zurückgekehrt sind“.

In seinen Briefen weist Steinacker darauf hin, dass allein in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) im laufenden Jahr 445 Kinder und Betreuer aus Belarus ihre Ferien verbracht haben. Als Gäste von 19 Initiativen und Kirchengemeinden hätten sie sich gut erholt und seien danach gerne wieder nach Hause gefahren. In den 17 Jahren seien zahlreiche Freundschaften zwischen Kindern, Eltern, Organisationen, Kirchengemeinden und Schulen geschlossen worden. Steinacker bezeichnete dies als Beitrag zur Völkerfreundschaft, der angesichts des großen Leides, dass Deutschland im Zweiten Weltkrieg den Menschen in Belarus zugefügt habe, „ein sehr hohes Gut“ sei.

Neben dem Besuchsprogramm für Tschernobyl-Kinder beteiligt sich die EKHN in Belarus auch an der Finanzierung von drei Apotheken, in denen Bürger, die während des Krieges in Deutschland zwangsarbeiten mussten, kostenlos wichtige Medikamente erhalten. Zudem lädt sie regelmäßig ehemalige regelmäßig Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter nach Deutschland ein.

 

gez: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN