Pressemitteilung der EKHN, Nr. 1 / 2009
Auf die Schöpfung hat niemand ein Patent
Kirchenpräsident Jung unterstützt hessische Initiative zur Verbesserung der Biopatentrichtlinie
Darmstadt, 26. März 2009. „Gene, lebende Materie und ganze Lebewesen sind Elemente derSchöpfung Gottes. Sie sind bereits vorhanden und somit keine patentierbaren neuen technischen Erfindungen.“ Mit dieser Begründung hat Kirchenpräsident Dr. Volker Jung die Initiative der Hessischen Landesregierung begrüßt, sich im Bundesrat für eine Verschärfung der europäischen Biopatentrichtlinie einzusetzen.
Wie Ministerin Silke Lautenschläger am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, will sie sich dort für das Verbot einer Patentierung von neu gezüchteten Tieren und Pflanzen einsetzen. Wörtlich sagte Jung: „Nutztiere und Nutzpflanzen sind ein gemeinsames kulturelles Erbe der Menschheit, das in jahrhundertealter Arbeit entstand. Sie sind kein Privatbesitz weniger Unternehmen und sollen es auch nicht werden. Deshalb sind aus christlicher Sicht Patentierungen grundsätzlich das falsche Rechtsinstrument im Bereich des Lebendigen. In ihrer Fortpflanzungsfähigkeit unterscheidet sich die belebte Natur fundamental von der unbelebten Natur. Das traditionelle Naturverständnis wird aufgelöst, wenn Lebewesen mit technischen Erfindungen bei toter Materie gleichgesetzt werden.“ Jung forderte, die EU-Biopatent-Richtlinie so zu verschärfen, dass die Patentierung von konventionell gezüchteten Pflanzen und Tieren sowie pflanzlicher und tierischer Gensequenzen eindeutig verboten wird. Außerdem sollten herkömmliche Züchtungsverfahren nicht patentierbar sein.
Schöpfung nicht privatisieren
Gegenwärtig sei zu beobachten, dass lebenswichtige Naturressourcen, die bislang der Menschheit weitgehend frei zu Verfügung stehen, immer stärker kommerziellen Anwendungen unterworfen und dabei in private Hände übergehen sollen. Dazu kommentierte Jung wörtlich: „Die Schöpfung kann und darf nicht privatisiert werden.“ Er wies darauf hin, dass es dabei nicht nur um ökonomisch höchstbedeutsame Entwicklungen gehe sondern auch um grundsätzliche Fragen zum Verständnis der Natur und des Menschen: „Wem werden die belebte Natur und die natürlichen Lebensgrundlagen in Zukunft gehören?“
Aus christlicher Sicht sei die Natur als Lebensgrundlage grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Die Bibel beschreibe den Menschen zum einen als Teil der Schöpfung und zugleich werde ihm eine Mitverantwortung für diese Schöpfung übertragen. Er könne sie gezielt nutzen und gestalten und habe sie zugleich langfristig für das Gemeinwohl zu bewahren. Dieses biblisch begründete Naturverständnis habe das westliche Verständnis bislang geprägt. So könne ein Zuchtunternehmen zwar das Sortenrecht an einer bestimmten Brokkolisorte haben, jedoch nicht den Brokkoli allgemein besitzen.
Hinzu komme das Züchterprivileg. Wie Jung ausführte, schützt dieses Privileg die Leistung eines Pflanzenzüchters als Beitrag zum Fortschritt und zugleich ermöglicht es anderen Züchtern, auf der Basis dieser Züchtungserfolge weiter zu arbeiten. Darin werde die Leistung des einzelnen Menschen mit der Unverfügbarkeit des Lebendigen in Einklang gebracht. Jung bezeichnete diese Regelung als „segensreiche Grundlage, die zum einen den Fortschrift fördert und zum anderen möglichst vielen Menschen freien Zugang zu natürlichen Ressourcen sichert.“ Diese gute Balance drohe nun durch die Patentanmeldungen auf Gene, Pflanzen und Tiere verloren zu gehen.
Nachteile für mittlere und kleine Einheiten
Jung wies darauf hin, dass bisher 80 Prozent des weltweit eingesetzten Saatgutes frei getauscht werde. Wenn diese Freiheit eingeschränkt werde, sei auch die Ernährungssicherheit bedroht. Biopatente und Biopiraterie würden die Entwicklungs- und Schwellenländer benachteiligen, da sie nicht über das notwendige technische und juristische Potenzial verfügten.
Ministerin Lautenschläger habe auf weitere problematische gesellschaftliche Folgen der Biopatente hingewiesen. Sie förderten Monopolstellungen von multinationalen Unternehmen zu Lasten von mittelständischen Züchtern und der Landwirtschaft allgemein. Die damit verbundene Reduzierung der Arten- und Sortenvielfalt sei vor dem Hintergrund der notwendigen Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel problematisch.
Verantwortlich: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 26.03.2009 | copyright by EKHN