Bildergalerie / 2009
EKHN verabschiedet Kirchenpräsident Steinacker und führt Nachfolger ein
Jung: „Gott traut uns zu, aufrechte Menschen zu sein“
Grußworte der Ministerpräsidenten Koch und Beck sowie von Kardinal Lehmann
Friedberg, 15. Februar 2009. In der mit knapp 900 Menschen übervoll besetzten Stadtkirche in Friedberg ist Kirchenpräsident Dr. Peter Steinacker offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Gleichzeitig wurde sein Nachfolger Dr. Volker Jung eingeführt. Den Festgottesdienst gestalteten für die Evangelische Kirche in Deutschland der stellvertretende Ratsvorsitzende Bischof Prof. Dr. Christoph Kähler, für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Mitglieder des Leitenden Geistlichen Amts und der Präses der Kirchensynode Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer sowie etliche leitende Geistliche aus Partnerkirchen der EKHN in Indien, Afrika, Amerika und Europa. Karl Kardinal Lehmann beteiligte sich an einem Gebet. Er und die Ministerpräsidenten Roland Koch und Kurt Beck sowie Bischof Prof. Dr. Martin Hein von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hielten Grußworte.
Steinacker: Wege zu Freiheit und Würde aller Wesen
In seiner Ansprache bezeichnete Steinacker es als Hauptaufgabe eines Kirchenpräsidenten, dem Wort Gottes zu dienen. Durch dieses Wort seien „die oft irrsinnige Welt und das abgrundtiefe Leid, das über ihr liegt, nicht der letzte Sinn und Zweck von allem“. Gottes Wort zeige „Wege aus der Lebensgier und Lebensangst zu Freiheit und Würde aller Wesen“. Der Kirchenpräsident müsse zudem dafür sorgen, dass die Strukturen der Kirche zu den sich stets verändernden Lebensverhältnissen der Menschen passten. Er müsse sehen, „dass die Kirche so stark ist, dass sie für die Schwachen eintreten kann“ und dass Arbeit ihren gerechten Lohn finde.
Kopsch: Orientierungskraft des christlichen Glaubens in einer komplizierten Welt
Die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten Cordelia Kopsch hob die „theologische Leidenschaft“ des scheidenden Kirchenpräsidenten Steinacker hervor und würdigte ihn „als theologischen Lehrer und Prediger für die Wahrheit des christlichen Glaubens“. Sein besonderes Anliegen sei „Bildung mit Herz und Verstand“ gewesen. Für ihn sei der Platz der Kirche „mitten in der Gesellschaft“, denn „Glaube und Weltverantwortung“ gehörten zusammen, sagte Kopsch. Steinacker habe in öffentlichen Stellungnahmen und im Kontakt mit Menschen aus Politik und Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft die Orientierungskraft des christlichen Glaubens in einer komplizierten Welt eingebracht. Intensiv habe Steinacker sowohl den Kontakt zur katholischen Kirche als auch zu den Partnerkirchen in Europa, Afrika und Asien gefördert. Zudem habe er Reformen in der Kirche mit auf den Weg gebracht und vorangetrieben.
Jung: Gott anvertrauen
In seiner Predigt sagte der neue Kirchenpräsident Dr. Volker Jung: „Du kannst dich mit deinem Leben Gott anvertrauen - auch mit allem, worin du gescheitert bist!“ Jung verglich das Leben und den Glauben mit einem Sämann, dessen Samen nur zum Teil aufgeht. Er ermunterte dazu dennoch zu säen. Leben wachse immer gegen Widerstand. Als verlorenen Samen bezeichnete Jung Oberflächlichkeit, Hartherzigkeit gegenüber der Not anderer, Gewalt und Krieg. Jung verglich Menschen, die während der Nazi-Diktatur im Vertrauen auf Gott Widerstand geleistet hatten, mit einem solchen Sämann. Ihre Saat sei aufgegangen. „In unserem Land werden der Glaube an Gott wie auch andere Religionen geachtet. Die Menschenrechte gelten. Menschen begegnen sich in Toleranz. Die Welt steht uns offen. In unserem Land wird vieles gegen Not getan. Viele setzen sich ein zum Wohl der Menschen“, predigte Jung. Davon könne es angesichts vieler Probleme natürlich nie genug geben. Jung bemängelte aber, dass „wir mehr auf das schauen, was nicht gelingt. Und dabei übersehen wir, wie viel wächst.“ Jung sagte: „Gott traut uns zu, aufrechte Menschen zu sein - in unserer Kirche, in unserem Staat, in dieser Welt.“
Ministerpräsident Koch: Kredit auf Zusammenarbeit - staatsgarantiert
Staat und Kirche haben viel miteinander zu tun, sie sind in vielem aufeinander angewiesen, haben einander aber nichts reinzureden, darauf verwies der hessische Ministerpräsident Roland Koch. „Kirche hat für die Gesellschaft eine zentrale Rolle, den sie gibt den Menschen etwas, was der Staat ihnen nicht geben kann, darf und soll.“, sagte Koch. Deshalb sei die Politik sehr daran interessiert, dass die Kirche funktioniere, denn mit Gesetzen allein sei die Gesellschaft nicht zu gestalten. Menschen brauchten auch den Glauben, das Gottvertrauen. Koch hob hervor, dass Steinacker viel für das „konstruktive Miteinander von Staat und Kirche“ getan habe. Damit habe er sich um die Menschen in Hessen verdient gemacht. Zu Jung gewandt sagte Koch: „Wir brauchen ihre Hilfe, ihre Ideen und ihre Provokation. Wir geben Ihnen einen Kredit auf Zusammenarbeit - staatsgarantiert“.
Ministerpräsident Beck: Vielfache Berührungspunkte mit der Landesregierung
Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Kurt Beck hob besonders das gesellschaftliche Engagement von Jung als Dekan bei der Lauterbacher Tafel, der Diakoniestation und als Mitbegründer der Initiative „Gesicht zeigen gegen Gewalt“ heraus. Diese und andere Themen von Jung wie Sterbebegleitung und die Hospizarbeit böten vielfache Berührungspunkte mit dem Verantwortungsbereich der Landesregierung. Beck versprach, dass die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen auch mit dem neuen Kirchenpräsidenten Jung weiterhin „in sehr partnerschaftlicher Weise“ erfolge werde.
Beck würdigte Steinackers „vielfältiges seelsorgerisches und wissenschaftliches Engagement“. Er habe immer wieder öffentlich die Stimme der Kirche erhoben und sei in vielen kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen „ein geschätzter Gesprächspartner“ gewesen. Besonders hob Beck Steinackers „großen Einsatz für den kritischen Dialog mit dem Islam“ hervor. Seine Beiträge zur Integration seien „für die Mitglieder der Landesregierung jedes Mal von großem Interesse“ gewesen und hätten Entscheidungen mit beeinflusst.
Lehmann: Das Gemeinsame war immer größer als die Unterschiede
Karl Kardinal Lehmann begrüßte in seinem Grußwort mit Volker Jung den vierten Kirchenpräsidenten in seiner Amtszeit als Mainzer Bischof. Jung werde das Kollegium der hessischen Kirchenleiter mit seiner reichen und konkreten kirchlichen Erfahrung aus Städten und Dörfern bereichern. Lehmann erinnerte an „die segensreiche Zusammenarbeit“ mit den Kirchenpräsidenten Helmut Hild, Helmut Spengler und Peter Steinacker. Dabei äußerte er die Gewissheit, „dass wir auch mit Ihnen, verehrter Bruder Jung, diesen gemeinsamen Weg zur Ehre Gottes und zum Heil und Wohl der Menschen intensiv fortsetzen dürfen.“
Dem bisherigen Kirchenpräsidenten Steinacker dankte Lehmann für die gute Zusammenarbeit und „nicht zuletzt für die gemeinsamen Gottesdienste“. Er könne sich in den 16 Jahren gemeinsamer Amtszeit an „keinen wirklichen Konflikt“ erinnern. „Wir haben zusammen zuerst auf das uns Gemeinsame geschaut. Da dies immer größer war als die verbleibenden Unterschiede, gab es wertvolle Spielräume für Gemeinsames“, sagte Lehmann wörtlich. Die wissenschaftliche Theologie und das Interesse an modernen Denkern, der Blick für die Nöte der Menschen und die Wandlungen in der Gesellschaft habe sie zusätzlich verbunden.
Kähler: Große Verdienste bei der theologischen Ausbildung
Bischof Christof Kähler hob die große Bedeutung der kirchlichen Partnerschaften in der Zeit der deutschen Teilung hervor. Kirchen und Gemeinden hätten als „intensive Brückenbauer“ gewirkt. Kähler hob Steinackers Bedeutung für die Evangelische Kirche in Deutschland hervor. Er habe „beherzt und großmütig den Dialog mit dem Islam und seinen Verbänden gesucht, ihn beherzt ausgewertet und allen zugänglich gemacht“. Große Verdienst habe Steinacker auch bei der Weiterentwicklung der theologischen Fakultäten und der theologischen Ausbildung erworben.
Hein: Annäherung der Evangelischen Kirchen in Hessen
Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Prof. Dr. Martin Hein, würdigte Steinackers maßgeblichen Anteil an der Annäherung der beiden Evangelischen Kirchen in Kurhessen-Waldeck sowie Hessen und Nassau. Steinacker sei „profilierter Protestant“, der die Auseinandersetzung nicht gescheut habe. „Für diese Klarheit und für das Vertrauen, das du der kurhessischen Schwesterkirche entgegengebracht hast, danke ich dir“, sagte Hein. Dem neuen Kirchenpräsidenten Jung wünschte Hein „Kraft, Weisheit und Augenmaß“.
Friedberg, 15. Februar 2009
Download: Ansprachen zur Amtseinführung
Verantwortlich: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher EKHN
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