Pressemitteilung der EKHN / 2009
Kirchenpräsident Jung empfängt 19 Leitende Geistliche aus Afrika, Asien, Amerika und Europa
Interview
Pfarrer Detlev Knoche, kommissarischer Leiter des Zentrums Ökumene der EKHN, äußerte sich zu den Fragen der Internet-Redaktion der EKHN:
Wie erleben die Mitglieder der Partnerkirchen der EKHN die globale Wirtschafts- und Finanzkrise?
Sicherlich sind alle davon in Mitleidenschaft gezogen. Bischof Pradeep Samantaroy von der Diözese Amritsar in Nordindien hat aber berichtet, dass die Bevölkerung in Indien nicht so stark davon betroffen ist. In Indien sind seit Indira Ghandi alle Banken verstaatlicht. Keine Bank ist in eine tiefe Krise gestürzt. Investitionen gehen immer noch weiter. Auch die Arbeitslosigkeit hat sich nicht verschlimmert.
Die Freunde in Tansania erzählen anderes: Die gesamten Investitionen aus den USA in Tansania sind eingefroren; Projekte haben Finanzschwierigkeiten.
Wie hat sich die Situation der Christen in Indien (Amritsar) seit den Verfolgungen im letzten Jahr entwickelt?
Die Lage hat sich entspannt. Aber noch immer sind Leute in Lagern, Häuser sind zerstört und noch nicht wieder aufgebaut. Es gibt so etwas wie eine „Friedhofsruhe“. Nach Ansicht der Partner hat das mit den bevorstehenden Wahlen in Indien zu tun. Die Grundkonflikte sind nicht wirklich gelöst. Es braucht weiterhin internationale Solidarität.
Können Sie einige Beispiele nennen, wo die Partnerkirchen friedensstiftend in ihrem Land gewirkt haben?
Ja sicher, da gibt es gute Beispiele. so haben die indischen Partner in Amritsar einen großen Friedensmarsch mit Vertretern anderer Religionen organisiert, an dem mehrere 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei waren. Um die Übergriffe in Orissa öffentlich zu machen und einen Stop zu erwirken, sind sie mit 35 Vertretern aus Amritsar nach Orissa gereist und haben auch dort öffentlich demonstriert. Es waren übrigens auch 10 Sikhs dabei.
In Tanzania hat die Kirche ein spezielles Programm im Blick auf häusliche Gewalt gestartet. Frauen werden dazu ermutigt, die Übergriffe anzuzeigen. Sie erhalten Rechtsberatung und die Menschen werden in Menschenrechtsfragen ausgebildet.
Ein weiteres Beispiel ist das „peace building programme“ unserer ghanaischen Freunde. Dort werden junge Menschen in der gewaltlosen Lösung von Konflikten ausgebildet.
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Rita Deschner
Bischöfe und Leitende Geistliche aus 19 Partnerkirchen aus vier Kontinenten haben auf Einladung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) an der „Zweiten Internationalen Partnerschaftskonsultation der EKHN“ in (Schmitten-) Arnoldshain teilgenommen. Das Symposion der hochrangigen Kirchenrepräsentanten - unter ihnen von Seiten der EKHN Kirchenpräsident Dr. Volker Jung und Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch sowie Mitglieder der Kirchenleitung und des Leitenden Geistlichen Amtes (LGA) - fand vom 16. bis 18. Februar 2009 statt. Die Konsultation stand unter dem Thema: „Selig sind die Friedensstifter! Der Beitrag unserer Kirchen damit Frieden wachsen kann.“
Zuvor hatten die ökumenischen Gäste an der Amtseinführung von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung in Friedberg teilgenommen und den feierlichen Gottesdienst am vergangenen Sonntag, 15. Februar, mitgestaltet. Am Donnerstag, 19. Februar, empfingen der Kirchenpräsident, das LGA und die Leitung der Kirchenverwaltung der EKHN die Gäste aus der ganzen Welt am Paulusplatz in Darmstadt, dem Sitz der Kirchenverwaltung der EKHN.
Gemeinsame Erklärung zum Abschluss der Partnerschaftskonsultation
Bei der Konsultation stellten die Kirchen aus aller Welt Initiativen vor, die sich mit dem Thema Gewalt in der Gesellschaft und Möglichkeiten der Konfliktbewältigung beschäftigen. In einer zum Abschluss unterzeichneten Erklärung betonen die Konferenzteilnehmer und Teilnehmerinnen, den gemeinsamen Auftrag, umfassende „Programme zu entwickeln, die dem Frieden dienen“. Gemeinsame Aufgabe sei es, für Versöhnung einzutreten sowie die interreligiöse Praxis und den interreligiösen Dialog auszuweiten.
Einig waren sie die Kirchenvertreter und Vertreterinnen, dass trotz aller kulturellen, politischen und sozialen Unterschiede der jeweiligen Gesellschaften die christliche Kirchen gemeinsam Verantwortung für den Frieden haben. In der Erklärung heißt es: „Wir verpflichten uns
- zu ökologischer Nachhaltigkeit
- den Frieden in unserem kirchlichen Leben zu bekräftigen und zu bezeugen;
- die Menschen jeden Alters zu lehren, friedvoll zu leben;
- die Freiheit des Gewissens eines jeden einzelnen und einer jeden einzelnen bezüglich des Militärdienstes zu schützen;
- Hunger und Armut zu bekämpfen und unseren Einsatz für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung sowie für weltweit gerechte Handelsbeziehungen und eine Regulierung der Finanzströme und der multinationalen Konzerne fortzusetzen;
- alle unsere Einflussmöglichkeiten in unseren jeweiligen Gesellschaften zu nutzen, um für Friedenssicherung, den Abbau militärischer Potentiale und für atomwaffenfreie Zonen einzutreten und Sicherheitspartnerschaften zu unterstützen.“
Frieden als Geschenk für alle Menschen
Zentraler Fokus der internationalen Partnerschaftskonsultation war der Austausch über Erfahrungen der Bedrohung des Friedens in den jeweiligen Gesellschaften und über den Beitrag, den Kirchen zum Wachstum des Friedens in der Welt leisten können. Dabei wiesen die Kirchenvertreter und Vertreterinnen auf die zentrale Botschaft Jesu Christi hin, “Selig sind die Friedensstifter”.
Kirchlicher Auftrag sei auch, die eigene Lehre, Liturgie und kirchliche Praxis im Blick auf die Geschlechterrollen reflektieren und Anregungen der ökumenischen „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ aufzunehmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konsultation betonen ihre gemeinsame theologische Grundüberzeugung, dass Frieden (Shalom) im „umfassenden Sinn ein Geschenk Gottes für alle Menschen“ sei. „Frieden ist nur dann nachhaltig, wenn er mit Recht, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verbunden ist.“ Ausdrücklich stimmt die gemeinsame Erklärung der Friedensdenkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu und unterstreicht: „Aus Gottes Frieden leben heißt zugleich für gerechten Frieden sorgen!“
Die Abschlusserklärung empfiehlt die Einrichtung eines Netzwerks zur gegenseitigen Information über Bedrohungen des Friedens und präventiver Maßnahmen zur Friedensförderung. Gäste der Konsultation waren Bischof Martin Schindehütte vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Journalist und Publizist Andreas Zumach, Genf.
Wortlaut der Erklärung (PDF)
Stichwort: „Direktpartnerschaften“
Die Konsultation der EKHN mit allen Partnerkirchen aus 4 Kontinenten war die zweite Konferenz dieser Art seit 2004. Hintergrund sind Beschlüsse der EKHN, sogenannte Direktpartnerschaften mit Kirchen in Afrika, Amerika, Asien und Europa aufzubauen. Ziel sind kontinuierliche Beziehungen sowohl auf der institutionellen wie auch auf der persönlichen Ebene. Inhalt der ökumenischen Beziehungen sind persönliche Begegnungen durch gegenseitige Besuche, der geistliche Austausch, die Unterstützung von Projekten und die Zusammenarbeit in internationalen, ökumenischen Einrichtungen.
Auf beiden Seiten wurden die Direktpartnerschaften von Beginn an auf allen Ebenen, also sowohl der Gemeinden und Dekanate als auch der Kirchenbezirke und der Propsteien aufgebaut. In den letzten Jahren haben sich auch die Beziehungen zwischen den Kirchenleitungen intensiviert. In der Abschlusserklärung der Partnerschaftskonsultation heißt es dazu: „All diese Ebenen sind bis heute der Garant für unsere Beziehungen die es auch zukünftig zu bewahren gilt. Trotz allen Wechsels von Personen und trotz mancher Krisen, sind unsere Beziehungen bis heute wichtig für das ökumenische Zeugnis unserer Kirchen.“
Konsultationsteilnehmer/innen der EKHN
Von Seiten der EKHN nahmen an der Konsultation in Anwesenheit von Kirchenpräsidenten Dr. Volker Jung und seiner Stellvertreterin Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenleitung, des Leitenden Geistlichen Amtes, der Kirchenverwaltung, der Kammer für Mission und Ökumene, des Zentrums Ökumene der EKHN und der regionalen Partnerschaftsausschüsse teil, darunter auch ehrenamtliche Mitarbeitende aus Gemeinden und Dekanaten.
Liste der Ökumenischen Partnerschaften der EKHN
Ghana
PCG – Presbyterian Church of Ghana, Northern Presbytery
PCG – Presbyterian Church of Ghana, Asante Presbytery
Südafrika
Moravian Church in South Africa
Tanzania
ELCT – Evangelical Lutheran Church in Tanzania / North-Western-Diocese
ELCT - Evangelical Lutheran Church in Tanzania / Karagwe Diocese
Moravian Church Tanzania, Southern Province
Indien
Amritsar Diocese (Church of North India – CNI)
Krishna Godavari Diocese (Church of South India – CSI)
East Kerala Diocese (Church of South India – CSI)
Indonesien
GKPS – Gereja Kristen Protestan Simalungun, Sumatra
GMIM – Gereja Masehi Injili di Minahasa, Nord-Sulawesi
Südkorea
PROK – Presbyterian Church in the Republic of Korea / Presbytery Qwangju
Italien
Chiesa Evangelica Valdese
Polen
Polska Rada Ekumeniczna, (polnischer ökumenischer Rat)
Kościół Ewangelicko Augsburski (Ev. Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Polen)
Kościół Ewangelicko-Reformowany, (Ev. Reformierte Kirche in Polen)
Tschechien
Českobratrská Církev Evangelická, (EKKB – Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder)
USA
New York Conference der United Church of Christ (UCC)
gez: Pfarrer Martin Reinel, Öffentlichkeitsarbeit der EKHN
zurück | letzte Aktualisierung: 19.02.2009 | copyright by EKHN