Pressemitteilung der EKHN / 2009

11. März 2009

 

Prämierung der Preisträger des Wettbewerbs "Armut hat viele Gesichter. Gemeinsam aktiv für Kinder"

Projekte machen Mut, sich zu engagieren

 

Präses Prof. Schäfer und die Preisträger
Quelle: EKHN / Stephan Krebs
Alle Preisträgerinnen und Preisträger sowie der Preisverleiher Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer (oben rechts)

Unter dem Titel „Armut hat viele Gesichter – Gemeinsam aktiv für Kinder“ veranstalteten die Zentren Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung am 10. März in Darmstadt einen Kongress. Dabei wurden auch die Preisträger eines Wettbewerbs zu diesem Thema  prämiert. Verliehen wurden sieben Preise, die jeweils mit 750 Euro dotiert waren. Ziel dieses Projekts war es, dazu beizutragen, dass das Thema Armut in den kirchlichen Einrichtungen bewusster wahrgenommen und als Herausforderung für das eigene professionelle Handeln gesehen wird. Die Urkunden übergab der Präses der Kirchensynode Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer in der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt. Dabei sagte er, dass das Thema Armut in der EKHN bislang nur Querschnittsthema sei. Angesichts der wachsenden Bedeutung dieses Themas sei zu fragen, ob und wie man ihm in der EKHN stärkere Bedeutung beimessen könne. Er lobte, dass die im Wettbewerb eingereichten Projekte vorbildhaft Mut machten sich zu engagieren.

Die eingereichten Projekte sollten vor allem darauf abstellen, die Lebenslagen und Teilhabechancen von Kindern von 0 bis 14 Jahren zu verbessern und der Ausgrenzung von armen Kindern entgegenwirken. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Einbindung in lokale und regionale kirchliche und außerkirchliche Netzwerke, die gemeinsam das Aufwachsen von Kindern verbessern und fördern wollen.

Durch die Einladung zum Wettbewerb sollten neue Projekte angestoßen werden. Die Prämierung und Dokumentation dieser Projekte soll zu ihrer Verbreitung beitragen und zur Nachahmung bzw. Intensivierung der geleisteten Arbeit anregen.

Zur Teilname aufgefordert wurden Kirchengemeinden und Dekanate sowie andere Einrichtungen der EKHN.

Teilgenommen haben 15 Einrichtungen bzw. Personen, einige mit mehreren Projekten. Insgesamt wurden 19 Projekte eingereicht, wovon zwei bisher nur als Idee bzw. im Planungsstadium existieren.

Bei ihrer Entscheidung legte die Jury folgende Kriterien zugrunde:

Darüber hinaus legte die Jury Wert darauf, dass die konkreten Maßnahmen nicht diskriminierend sondern integrierend und nachhaltig wirken und die Projekte kirchlich und möglichst auch außerkirchlich gut vernetzt sind.

Die Jury hat sich entschieden, das Preisgeld so aufzuteilen, dass 5 Projekte jeweils 750 € erhalten und zwei Projekte einen Preis von 250 €.

Im Folgenden finden Sie eine kurze Information zu den ausgezeichneten Projekten. 

 


  1. Ev. Kindertagesstätte Arche Noah, Bad Ems – „Helfen in der Not“ und „In Bildung investieren“
    Preis: 750,00 €
    Projektleitung bzw. Antragstellerin: M. Griese, Leiterin

    Armut wird als Ursache von Ausgrenzung und Benachteiligung wahrgenommen.
    Es wurde ein Konzept mit konkreten Handlungsansätzen entwickelt und unter Einbeziehung der Kirchengemeinde und von Partnern zusätzliche Angebote über das Kita Programm hinaus gemacht.
    Malen und Töpfern, English for Kids, Klavierspielen wurde für jeweils zwei „arme“ Kinder kostenlos ermöglicht und gut angenommen.
    Außerdem praktische finanzielle Hilfe für bedürftige Familien aus Spenden für Kleidung und anderen Kinderbedarf.
    Die Jury bewertet positiv insbesondere die Kombination aus praktischer, unkomplizierter materieller Hilfe, wo es nötig ist und die Integration von Kindern, deren Familien dies nicht finanzieren könnten, in musische und kreative Aktivitäten, die erwiesenermaßen besonders wichtig für das Erleben von Teilhabe aber auch für die Förderung der Konzentrationsfähigkeit sowie der Lernfähigkeit und –bereitschaft sind. Darüber hinaus ist positiv zu bewerten, dass das Thema zu einem Anliegen nicht nur der KITA, sondern der ganzen Gemeinde wurde und auch außerkirchliche PartnerInnen dafür gewonnen werden konnten.



  2. Hausaufgabenhilfe des Evangelischen Dekanats Büdingen in Kefenrod
    Preis: 750,00 €
    Antragstellerin bzw. Projektleitung: Ulrike Martin

    Das Projekt nimmt die Situation von Kindern im Grund- und Hauptschulalter aufgrund von Arbeitslosigkeit, Migrationshintergrund (überwiegend russisch und türkisch), sowie aus kinderreichen Familien und Familien mit alleinerziehenden Eltern bewusst wahr und bietet seit sieben Jahren ein integratives Förderprogramm, dass neben dem erfolgreichen Schulabschluss vor allem die Förderung von Integration und Teilhabe zum Ziel hat. Preiswertes warmes Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung durch Freiwillige und Spiele; Schulung und Begleitung der Freiwilligen durch Gemeindepädagogin (Finanziert im Rahmen der schulbezogenen Jugendarbeit der EKHN und von Stadt und Landkreis). Vernetzung mit mehreren Kirchengemeinden durch zusätzliche Jugendtreffs.
    Auch hier wurde die sinnvolle Kombination von notwendiger materieller Hilfe in Verbindung mit dem Ansatz zur langfristigen Förderung von Teilhabe und Integration und die gute Vernetzung besonders positiv bewertet.



  3. Ev. Familienbildung im Landkreis Offenbach – Schritt für Schritt – Opstapje“ und „Hand in Hand - Freiwilliges Engagement für Familien in schwierigen Lebenslagen“
    Preis: 750,00 €
    Projektleitung bzw. Antragstellerin: Angela Ruland

    Mit Opstapje sollen insbesondere jungen Familien mit neugeborenen Kindern, die übliche Angebote der Familienbildung nicht wahrnehmen und deshalb dadurch nicht erreicht werden, Unterstützung angeboten werden. Ziel ist dabei sowohl  dem Wohlergehen des Kindes zu dienen, als auch zur sozialen Integration der Mütter beizutragen. Der Ansatz ist individuell und orientiert an den Ressourcen der Eltern bzw. Mütter. Niedrigschwellig durch Arbeit mit Freiwilligen aus dem soziokulturellen Umfeld der Zielgruppe. Gute Vernetzung des Projekts mit kirchlichen und außerkirchlichen Partnern.
    Mit „Hand in Hand“ soll das soziale Netz der Familien in schwierigen Lebenslagen gestärkt und einer möglichen Isolation entgegengewirkt werden. Hilfe zur Selbsthilfe! Durch Stärkung der Familien vor allem auch durch Entwicklungsförderung der Kinder. Arbeit mit geschulten ehrenamtlichen FamilienbegleiterInnen. Finanzierung aus Eigenmitteln und Spenden des Dekanats Dreieich.
    Die beiden Angebote zeichnen sich dadurch aus, dass die Familien zuhause aufgesucht werden und ihnen niedrigschwellige, an ihren Möglichkeiten anknüpfende Materialien und Informationen sowie praktische Unterstützung im Umgang mit ihren Kindern und in der Bewältigung des Alltags angeboten werden. Die Projekte sind mittelfristig angelegt und auf Integration vor allem der Mütter, „bei Hand in Hand“ auch der Kinder ausgerichtet. Beide Projekte sind gut vernetzt und werden in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.



  4. Dietrich-Bonhoeffer-Kindertagesstätte, Pfungstadt
    Preis: 750,00 €
    Antragstellerin:  Barbara Jacobs, Leiterin

    Hohe Sensibilisierung und Integration des Themas in die tägliche Arbeit der Kita. Gute Einbindung der Gemeinde und Unterstützung durch Gemeinde. Wirkt integrativ und entwicklungsfördernd ohne Diskriminierung. Langfristig angelegte Arbeit, die eine konzeptionell durchdachte und inzwischen mit viel Erfahrung und Kompetenz umgesetzte Kombination von niedrigschwelliger, materieller Hilfe und integrativer Förderung der Kinder aller Altersstufen verbindet. Die Eltern werden einbezogen und erhalten ebenfalls Beratung und Unterstützung. Dies ist möglich aufgrund der Erfahrung und Kompetenz der Leiterin.
    Es ist gut gelungen, die Gemeinde für das Thema Armut von Kindern und Familien zu sensibilisieren und sich mit Kooperationspartnern außerhalb der Gemeinde zu vernetzen.



  5. Profilstellen GV und Bildung im Dekanat Rüsselsheim – „KinderStärken“ – Kinderarmut als Herausforderung Evangelischer Bildung
    Preis: 750,00
    Antragsteller: Pfr. Volkhardt Guth, Matthäusgemeinde und Profilstelle Gesellschaftliche Verantwortung in Kooperation mit Andrea Alt, Fachstelle Bildung des Dekanats Rüsselsheim

    Mehrere Projekte mit viel freiwilligem und ehrenamtlichem Engagement. Sozialethisch fundiert und reflektiert mit praktischer Orientierung. Schul-Tafel mit Aktion „Schulranzen“ und „Schultüte“, Kinderherzchen mit Babykleiderkammer, starke Einbindung und zunehmende Sensibilisierung der Matthäusgemeinde über die Erfahrungen in der eigenen Kita; Bildungspaten als geplantes neues Projekt mit Ehrenamtlichen in enger Zusammenarbeit mit einer Grundschule (Schillerschule) in der Böllenseesiedlung mit Betreuender Grundschule und enger Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Grundschule. Gutes Gesamtkonzept mit unterschiedlichen Projekten, begleitender Öffentlichkeitsarbeit und verstärkenden Veranstaltungen. Umfangreiche Vernetzung und öffentliche Aufmerksamkeit. Kirche wird hier auch durch Einrichtungen der politischen Kommune als aktive, zuverlässige und gesellschaftlich mitverantwortliche Partnerin wahrgenommen.



  6. Stadtjugendpfarramt Darmstadt – „Jugendliche arbeiten mit bei der Darmstädter Tafel“  und „Jugendvertretung beschäftigt sich mit dem Thema Kinderarmut“
    Preis: 250,00 €
    Antragstellerin: Edeltraud Böhm

    Im Rahmen des Ferienprogramms „Teeniesommer“ wird Jugendlichen eine direkte, persönliche Erfahrung mit Armut und der Kontakt mit Bedürftigen ermöglicht. Ziel ist in erster Linie diese „Lernerfahrung“, nicht primär die konkrete Hilfe für Bedürftige. Dieses Ziel wurde aber gut umgesetzt und erreicht. Das Angebot wurde von Jugendlichen gut angenommen.
    Die Aktivitäten dienen der Information und Sensibilisierung der Jugendlichen für das Thema.
    Am Weltkindertag 2008 hat sich die  Ev. Jugend in Darmstadt  mit einem Stand auf dem Marktplatz zu UN-Kinderrechten beteiligt und das Thema vorher mit den Jugendlichen inhaltlich gut vorbereitet. Der Fokus lag auf dem Thema: Menschenrecht auf gesunde Ernährung und wurde der Altersgruppe gemäß umgesetzt durch das Angebot selbst phantasievoll zubereiteter Nahrungsmittel.
    Die Evangelische Jugendvertretung im Dekanat Darmstadt hat einen Sozialfonds für Kinder zur Förderung der Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am religiösen Leben angeregt und ihn durch Verzicht auf einen Teil der Kollekte, die für die Evangelische Jugend im Dekanat Darmstadt-Stadt bestimmt war, unterstützt. Er soll Kindern und Jugendlichen aus armen Familien die Teilnahme an Kinderbibelwochen, Projekten im Konfirmandenunterricht durch gezielte Einzelfallhilfe ermöglichen.
    Ausgezeichnet wird hier die über längere Zeit andauernde intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Armut von Kindern und Jugendlichen und das Engagement der Jugendlichen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten praktische Solidarität üben.



  7. Projektwettbewerb „Armut bei Kindern – mein Leben in Deutschland“ für Kinder, die in Flüchtlingsunterkünften im Hochtaunuskreis leben
    Preis: 250,00 €
    Projektleitung und Antragsteller: Profilstelle GV im Ev. Dekanat Hochtaunus,
    Dr. Alexander Dietz 

    In einem der reichsten Landkreise Deutschlands leben über 10.000 Menschen in  Armut.  Aber Armut wird hier tabuisiert. Die ärmsten sind die ca. 500 Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften leben, darunter etwa ein drittel Kinder. Die Lebens- und Wohnsituation dieser Menschen sind den meisten Einwohnern des Landkreises unbekannt. Der Arbeitskreis Flüchtlinge im Hochtaunus wollte auf diese Situation und die Ausgrenzung und Diskriminierung insbesondere der Kinder aufmerksam machen. Das Projekt gab Kindern selbst die Möglichkeit etwas zu tun und „zu Wort“ zu kommen und  schuf hohe öffentliche Aufmerksamkeit. Gute Zusammenarbeit von
    kirchlichen und nicht- kirchlichen Einrichtungen und Personen. Es bot keine kurzfristige materielle Verbesserung für die Betroffenen, trug aber zur Enttabuisierung des Themas in der  Region bei. Der Arbeitskreis Flüchtlinge erhofft sich davon eine größere Durchsetzungsfähigkeit bei zukünftigen Aktionen zur Verbesserung der Situation der
    Flüchtlingsfamilien.

 

Jury:

Dr. Brigitte Bertelmann, Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN

Pfr. Christoph Geist, Jugendwerkstatt Gießen e.V.

Dek. Joachim Meyer, Ev. Dekanat Reinheim

Petra Strübel-Yilmaz, Sozialkritischer Arbeitskreis Darmstadt e.V

 

Projektleitung:

Simone Reinisch, FB Kinder- und Jugendarbeit, Zentrum Bildung der EKHN

gez: Pfarrer Stephan Krebs, Öffentlichkeitsarbeit der EKHN