Pressemitteilung der EKHN / 2009
“Zementpfarrer“ und Gründer der Mainzer Gossner Arbeit Horst Symanowski gestorben
Kirchenpräsident Jung: „In seinem Glauben fand er die Freiheit zu eigenem Denken, die Sicherheit klarer evangelischer Kriterien und die Kraft zu unerschrockenem Handeln“
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) trauert um Pfarrer Horst Symanowski. Er verstarb in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag in Mainz im Alter von 97 Jahren. Symanowski war Gründer der Gossner Arbeit in Mainz und trug den von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verliehenen Ehrentitel „Gerechter der Völker“, da er während des Dritten Reiches als Teil eines Netzwerkes der „Bekennenden Kirche“ in Ostpreußen Juden versteckt und damit vor dem Tod bewahrt hatte.
„Türen zwischen Kirche und Arbeitswelt geöffnet“
Evangelium als gesellschaftsprägende Kraft gesehen“
Pfarrrerin Gundel Neveling, die Leiterin des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN, stellte die Verdienste Symanowskis an den Schnittstellen zwischen Arbeitswelt, Gewerkschaften, Betrieben und Kirche heraus: “Horst Symanowskis Arbeit in der Gossner Mission führen wir heute im „Gossner Haus“ in Mainz und mit den Profilstellen für gesellschaftliche Verantwortung in den Dekanaten fort. Wir fühlen uns ihm tief verpflichtet.“ Ihm sei es in erheblichem Maße zu verdanken, dass „in der EKHN ganz selbstverständlich das Evangelium auch als gesellschaftsprägende Kraft gesehen werde.“
Zur Person Horst Symanowski
Horst Symanowski wurde am 8. September 1911 in Nikolaiken/Ostpreußen (heute Polen) geboren. Als Pfarrer wurde er zunächst zum Wehrmacht eingezogen, dann aber schwerverletzt entlassen. Da er NS-Gegner und Mitglied der Bekennenden Kirche war, konnte er nicht in der – gleichgeschalteten - Kirche arbeiten. Als „illegaler Bruder“ fand er eine Anstellung bei der Gossner Mission und konnte in diesem Zusammenhang Kontakte zu Menschen knüpfen, die bereit waren, Juden zu verstecken. Nach dem Krieg wechselte Symanowski in das Rhein-Main- Gebiet. Seit 1948 hat er mit großer Beteiligung von Partnern aus der weltweiten Ökumene das Gossnerhaus in Mainz-Kastel und ab 1971 in Mainz begründet. Statt ein Studentenwohnheim für zukünftige Missionare aufzubauen, entdeckte er die Menschen in der Industrie, zu denen die Kirche damals kaum Kontakte hatte. Fortan organisierte er diese Kontakte. Dazu zählten auch Industriepraktika, mit denen er Theologiestudierende für die Situation in der Arbeitswelt vertraut machte, sowie 18 Ökumenische Aufbaulager, die theologische und praktische Arbeit miteinander verbanden. Lange eigene Arbeitsphasen in der Industrie brachten ihm den Beinamen „Zementpfarrer“ ein. Seine Pionierarbeit an der Schnittstelle zwischen Kirche und Arbeitswelt ist international vielfach aufgegriffen, anerkannt und gewürdigt worden. Seit 2001 führt das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung sowohl den Standort in Mainz als auch das Profil der früheren Arbeit Symanowskis und der Gossner Mission weiter.
gez: Pfarrer Stephan Krebs, Öffentlichkeitsarbeit der EKHN
zurück | letzte Aktualisierung: 20.03.2009 | copyright by EKHN