Pressemitteilung des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau und des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck

30. März 2009

Diakonie Hessen: Auftakt zu mehr Verbindlichkeit

Diakonische Werke in Hessen gründen Tochtergesellschaft – Zwischenschritt auf Weg zu Fusion


Mit der Unterzeichnung des Gesellschaftervertrags der Diakonie Hessen GmbH haben die beiden Diakonischen Werke in Hessen, das Diakonische Werk in Hessen und Nassau (DWHN) und das Diakonische Werk in Kurhessen-Waldeck (DWKW), einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verband getan. Geschäftsführer der GmbH werden Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des DWHN mit Sitz in Frankfurt am Main, und Oberlandeskirchenrat Landespfarrer Dr. Eberhard Schwarz, Vorstandsvorsitzender des DWKW mit Sitz in Kassel, sein. Mit Spitzenvertretern beider Diakonischer Werke und der Evangelischen Kirchen in Hessen stellten sie die Gesellschaft vor und erläuterten erstmals in der Öffentlichkeit die weiteren Schritte bis zur geplanten Fusion von DWHN und DWKW.

Jung: Wohnortnahe und basisnahe Angebote der Diakonie werden gestärkt

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, sagte, der Sinn von Kooperation und möglicher Fusion der Diakonien in Hessen liege darin, dass die wohnort- und basisnahen Angebote durch eine gemeinsame sozialpolitische Stimme und eine gemeinsame Anwaltschaft der Diakonie auf Landesebene gestärkt würden. Kirche und Diakonie gehörten zusammen – jede an ihrem Platz und mit ihrer spezifischen Aufgabe. „Dabei bleiben besonders die Finanzierungslogiken von Kirche und Diakonie unterschiedlich. Die Diakonie ist von den Finanzierungslücken in der öffentlichen Kostenträgerschaft besonders hart betroffen. Aber Diakonie muss in der Mitte unserer Kirche verankert bleiben und muss aus der geistlichen Mitte der Kirche gestärkt werden“, so Jung. Zugleich helfe die Diakonie den Kirchen, angesichts drängender interner Fragen die Sorge um die Menschen im Blick zu behalten.

Gern und Schwarz: Diakonie muss mit kräftiger Stimme in Hessen sprechen

„Die Diakonie Hessen GmbH ist eine Tochtergesellschaft beider Diakonischer Werke. Sie hat die Aufgabe, beide Diakonischen Werke in Hessen, die bis zur geplanten Fusion ihre Arbeit wie gehabt fortsetzen, nach außen einheitlich, öffentlichkeitswirksam und verbindlich auftreten zu lassen, dem Land gegenüber, in der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, gegenüber dem Landeswohlfahrtsverband und unseren Kostenträgern und den politisch Verantwortlichen“, sagten die Geschäftsführer Gern und Schwarz. Die Gesellschaft sei ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Fusion der beiden Werke. „Wir hoffen, dass wir die Schaffung eines Diakonischen Werkes beider Landeskirchen in Hessen im Jahr 2012 erreichen. Auch wegen der enger werdenden Finanzierungsbedingungen auf dem Sozial- und Gesundheitsmarkt ist es höchste Zeit, jetzt schon mit einer Stimme – und zwar einer kräftigen – in Hessen zu sprechen“, so Schwarz und Gern.

Gern: Armutsbekämpfung, Integration und Pflege spielen besondere Rolle

Gern sagte weiter: „Die Diakonischen Werke sind in hohem Maße in den Dienst an der Gesellschaft einbezogen. Sie leisten subsidiäre Hilfe für das Gemeinwesen.“ Im Blick auf die öffentlichen Dienstleistungen der Diakonie und deren Finanzierung, im Blick auf die diakonische Anwaltschaft für hilfebedürftige Menschen und im Blick auf die Vernetzung mit anderen Verbänden wolle man durch die Kooperation und spätere Fusion alle Synergien nutzen, dem diakonischen Auftrag noch besser gerecht zu werden. „Eine besondere Rolle für das Zusammenwachsen spielen die Armutsbekämpfung, Integration und Pflege“, sagte Gern. Die Diakonie Hessen setze sich zum Beispiel „für einen Armuts- und Reichtumsbericht in Hessen ein. Wir wollen, dass die Hartz IV-Regelsätze besonders für Kinder angehoben werden. Und wir setzen uns ein für ein freies Mittagessen in Kindertagesstätte und Schule sowie für ein Schulmittelbedarfspaket“, sagte Gern.

Schwarz: Nachhaltige Finanzierung durch Landeskirchen notwendig

Schwarz sprach von einem „Meilenstein“ auf dem Weg zu einem Diakonischen Werk in Hessen. „Wir haben den Gesellschaftsvertrag unterschrieben für die Diakonie Hessen GmbH. Sie ist in Gründung, wir warten noch auf die Eintragung beim Registergericht. Sie wird gemeinnützig sein.“ Es sei zudem wichtig, die vorhandenen Unterschiede beider Werke, die es im strukturellen und finanziellen Bereich gebe, zusammenzuführen. Dazu habe es bereits Gespräche mit den Kirchenleitungen gegeben. Voraussetzung für eine Fusion sei eine nachhaltige Finanzierung des fusionierten Werkes durch seine beiden Landeskirchen, so Schwarz. „Wir haben bislang viel Gemeinsames im Selbstverständnis unserer beiden Werke festgestellt: Diakonie als Kirche,
Diakonie als Unternehmen, Diakonie als Dienstleister, Diakonie als
Anwältin. Wir glauben, dass sich die Mühe lohnt und dass es aus demographischen und finanziellen Gründen Sinn macht, diese Gemeinsamkeiten durch eine entsprechende Struktur zum Ausdruck zu bringen: durch die Schaffung eines Diakonischen Werkes beider Landeskirchen in Hessen“, betonte Schwarz.

Hein: Diakonie auch in neuer Form eine der wesentlichen Lebensäußerungen der Kirche

Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, nannte die Diakonie eine der wesentlichen Lebensäußerungen der Kirche. Dabei sei die Diakonie nicht einfach eine sozialpolitische Interessensvertretung unter anderen, sondern bringe jeweils die theologische Begründung ihrer fachlichen Position und politischen Forderungen zur Geltung. Von ihrem Anfang an habe die Christenheit stets auch in den Blick genommen, wie die Fürsorge an Armen und der Dienst an Benachteiligten so organisiert werden könne, dass möglichst effizient Hilfe geleistet werde. Die Gründung der Diakonie Hessen GmbH stehe in dieser Linie; sie sei ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie sei zugleich Ansporn, den Kooperationsprozess der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen besonnen und zielstrebig voranzutreiben.

Stichwort: Zweck und Aufgabe der Gesellschaft Diakonie Hessen GmbH

Zweck und Aufgabe der Gesellschaft ist die sozialpolitische und verbandsübergreifende Vertretung diakonischer Anliegen auf Landesebene, also gegenüber dem Land Hessen, den kommunalen Spitzenverbänden, Sozialleistungs- und Sozialversicherungsträgern sowie deren Verbänden und Anstalten und sonstigen Dritten. Die Gesellschaft soll verbandsübergreifende Grundsatzfragen und Stellungnahmen erarbeiten, die diakonische Arbeit auf Landesebene vernetzen, die sozialpolitischen Positionen und Interessenvertretungen auf Landesebene koordinieren – besonders für Menschen in Krisensituationen und Notlagen –, und die diakonische Gremienarbeit unter anderem in der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen und der Caritas-Diakonie-Konferenz in Hessen koordinieren.

Stichwort: Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e.V.

Mitglieder- und Dachverband: Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau (DWHN) ist ein
Mitglieder- und Dachverband für das evangelische Sozial- und Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und ein Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege. Derzeit gehören dem DWHN 262 Mitglieder mit 369 Einrichtungen an, darunter Krankenhäuser und Einrichtungen der Jugend-, Alten- und der Behindertenhilfe, sozialpflegerische bzw. pädagogische Ausbildungsstätten. Insgesamt sind in diakonischen Einrichtungen etwa 18.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Trägerverband: In der Geschäftsstelle des DWHN in Frankfurt am Main bzw. bei den 19 regionalen Diakonischen Werken, deren Träger das DWHN ist, und ihren Außenstellen arbeiten mehr als 1.150 Mitarbeiter. Zu deren meist ambulanten Angeboten gehören die Jugend-, Ehe- und Familienberatung, Hilfen für Suchtkranke, Angebote für seelisch Kranke, für Menschen mit Behinderungen, Wohnungslose und alte Menschen, außerdem Mobile Soziale Dienste, Schuldnerberatung und – gemeinsam mit der Caritas – die Bahnhofsmissionen in Darmstadt, Frankfurt und Gießen. Dem DWHN ist zudem die Fachberatung für die Gemeindekrankenpflege zugeordnet.

Stichwort: Diakonisches Werk in Kurhessen-Waldeck e.V.

Das Diakonische Werk in Kurhessen-Waldeck e.V. (DWKW) mit Sitz in Kassel ist der evangelische Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Der Verband vertritt die Interessen von derzeit rund 210 Mitgliedern (Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs, Evangelische Kirchenkreise und -gemeinden, Evangelische Kindertagesstätten, landeskirchliche Zweckverbände). In deren gut 600 Einrichtungen arbeiten momentan rund 12.500 Hauptamtliche und ungezählte Ehrenamtliche. Darüber hinaus ist das DWKW Träger des Evangelischen Fröbelseminars. Als Dienstleister und Anwalt tätig zu sein ist elementares Selbstverständnis des DWKW. Fachliche Beratung gehört damit genauso zu seiner Arbeit wie die Förderung von Selbsthilfeinitiativen sozial Benachteiligter.

Verantwortlich: Pressesprecherin Kathleen Niepmann
vom Diakonischen Werk in Hessen und Nassau

Pressesprecher Eckhard Lieberknecht
vom Diakonisches Werk in Kurhessen-Waldeck