Pressemitteilung der EKHN, Nr. 34 / 2009
Kraftquelle Religion in die Gesellschaft einbeziehen
KP Jung kommentiert Ausgang von Pro Reli
Darmstadt, 27. April 2009. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat sich am Montag in Darmstadt zum Ausgang des Volksentscheids über den Religionsunterricht in Berlin geäußert:
„In Berlin ist die Initiative Pro Reli gescheitert. Die wahlberechtigten Berliner wollten mehrheitlich offenbar keinen regulären Religionsunterricht an den Schulen. Das ist in erster Linie ein regionales Phänomen. Dort und in Bremen gilt eine Sonderregelung des Grundgesetzes Alle anderen Bundesländer haben andere Regelungen für den Religions- und Ethikunterricht. Sie sind klar und bewährt und zum Wohl der Schüler. Derzeit gibt es Bemühungen, auch einen islamischen Religionsunterricht in diese Regelungen einzubeziehen - und das ist gut so.
Dennoch ist das Scheitern der Berliner Initiative auch für mich als Kirchenpräsident in Hessen-Nassau enttäuschend, denn es ging um ein wichtiges Thema für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, dessen gesamte Brisanz sich in den nächsten Jahren weiter entfalten wird: Wie stellt sich unsere Gesellschaft zum Grundrecht, eine Religion zu haben oder keine Religion zu haben? Fördert unsere Gesellschaft dieses Grundrecht aktiv und integriert die Religionen damit in die Gesellschaft oder sieht sie diese als etwas rein privates an? Religion ist eine große potenzielle Macht. Sie kann Menschen zum Leben helfen und großartige soziale Hilfen geben. Sie kann aber auch gefährliche Züge entfalten. Jedenfalls ist Religion mehr als ein beliebiges privates Hobby, denn sie prägt das Menschen- und Weltbild entscheidend mit. Sie verknüpft sich mit der Kultur und mit elementaren Werten. So wie man Kultur und Religion zwar gedanklich unterscheiden aber nicht trennen kann, so hängen auch die Gesellschaft und die Religion auf komplexe Weise zusammen ohne identisch zu sein. Deutschland hat einen guten Weg gefunden, Staat und Kirche von einander zu trennen und gleichzeitig die religiösen Institutionen in die Gesellschaft einzubinden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Religionsunterricht, bei dem der Staat in fachlicher Kooperation mit den Kirchen dafür sorgt, dass jungen Menschen ein solider Wissensstand und eine gute Orientierung über den Glauben und die Religionen angeboten wird. Das ist auch ein wichtiger Schutz vor Fundamentalismus. Eine Gesellschaft tut sich keinen Gefallen, wenn sie die Kraftquelle Religion nicht einbezieht und sich selbst überlässt.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 27.04.2009 | copyright by EKHN