Pressemitteilung der EKHN / 2009
Schon wieder Zocker-Anleihen
EKHN-Finanzchef Striegler: Mit der Lernfähigkeit der Branche kann es nicht weit her sein
Darmstadt/Frankfurt, 2. Juni 2009. Deutlich mehr als 150 Prozent jährlicher Rendite mitten in der weltweiten Finanzkrise versprechen Offerten, die bedeutende deutsche Investmenthäuser großen Investoren derzeit schon wieder diskret anbieten, und die erneut unverhohlen auf blinde Gier zielen. Darauf weist der Finanzdezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Oberkirchenrat Heinz-Thomas Striegler, in einem Beitrag für die am 7. Juni in Frankfurt erscheinende „Evangelische Sonntagszeitung“ hin.
Striegler wurde von einem namhaften deutschen Finanzhaus das amerikanische sogenannte TALF-Programm (Term Asset-Backed Securities Loan Facility) angeboten, mit dem die US-Regierung über ein Kreditsystem den Handel mit speziellen US-Papieren wieder in Gang bringen will. Besondere Sicherheiten sind ebenso wenig erforderlich wie eine Nachschusspflicht der Investoren im Fall von etwaigen Zahlungsausfällen. Das Ganze wurde als „ausgesprochen attraktives Chance-Risiko-Profil“ dargestellt.
Als mögliche jährliche Eigenkapitalrendite wurden 169 Prozent angegeben, bezogen auf die Laufzeit von vier Jahren 676 Prozent. Mit anderen Worten: In einer Zeit, in der sogenannte High-Yields, hoch riskante Anleihen, mit Renditemöglichkeiten von 15 bis 20 % pro Jahr beworben werden und eine 10-jährige Bundesanleihe mit etwa 3,4 % pro Jahr verzinst wird, bot man der EKHN das Fünfzigfache an.
Striegler wörtlich: „Mit der Lernfähigkeit der Branche kann es nicht weit her sein ... Denn hier war es ja schon wieder: Das Angebot einer vermeintlich seriösen Adresse, das Risiken nicht zu kennen schien und unverhohlen schon wieder auf die Gier so mancher Investoren zielte.“ Noch nicht einmal ein Jahr nach den Ereignissen der globalen Finanzmarktkrise und mitten in der schwersten weltweiten Rezession seit dem 2. Weltkrieg stelle sich die Frage, ob die angekündigte Rückführung der Finanzmärkte auf die reale Ökonomie und die neuen Spielregeln für die Finanzmärkte nicht nur ein schöner Schein seien.
Das erst wenige Tage alte Angebot auf seinem Schreibtisch, so Striegler weiter, lege einen solch bitteren Schluss nahe. „Dass es ausgerechnet einem kirchlichen Anleger zugesandt wurde, der sich um Nachhaltigkeit und die Einhaltung ethischer Anlagerichtlinien bemüht, möge ein Versehen im Geschäftsgeschehen gewesen sein. Es zeigt aber auch, wie der Markt reagiert, sobald er mit Hilfe von Steuermittel-Milliarden wieder Leben eingehaucht bekommen hat.“ Ihn beschäftige der Gedanke, ob nicht jetzt schon - kaum der Intensivstation entronnen - bereits der Grundstein für die nächste, noch wuchtigere Krise des weltweiten Finanzsystems gelegt werde.
Verantwortlich: Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt
zurück | letzte Aktualisierung: 04.06.2009 | copyright by EKHN