Pressemitteilung der EKHN / 2009
"Soziales Wachstum"
Im Wiesbadener Presseclub antwortete Kirchenpräsident Jung auf die Frage: Hat ein Mangel an christlichen Werten zur Wirtschaftskrise geführt?
Wiesbaden, 2. 9. 2009. Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung (Darmstadt), hat sich am Abend des 1. September im Presseclub Wiesbaden (PCW) Fragen von Journalisten gestellt. Die Begegnung stand unter dem Thema „Hat ein Mangel an christlichen Werten zur Wirtschaftskrise geführt?“ Jung wies darauf hin, dass die Wirtschaftskrise nicht nur durch ein individuelles ethisches Versagen von hohen Bänkern und Wirtschaftsführern ausgelöst worden sei. Sie zeige auch, dass das ganze Wirtschaftssystem offenbar anfällig sei. Deshalb müsse auf beiden Ebenen nachgedacht werden.
Geld ist das Wichtigste, diese Einstellung habe sich im wirtschaftlichen Handeln immer mehr durchgesetzt, bedauerte Jung. Zwar müsse jedes Unternehmen wirtschaftlich arbeiten und auch Gewinne erzielen. Aber der shareholder value dürfe nicht das einzige Unternehmensziel sein. Der Erhalt von Arbeitsplätzen und das Auskommen der Arbeitnehmer und ihrer Familien sei ein mindestens ebenso wichtiges Ziel des Wirtschaftens. Jung, der bereits als Heranwachsender im elterlichen Wirtschaftsbetrieb im Vogelsberg unternehmerische Verantwortung miterlebte, erzählte, dort sei der Erhalt von Arbeitsplätzen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein selbstverständliches und hohes Ziel gewesen. Jung zitierte Martin Luther mit dem Satz: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“. Geld dürfe in der Gesellschaft nicht zum Gott und nicht zum alleinigen Wert werden. Für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung der Banken schätze er aber die Gefahr als sehr hoch ein, „dass es so weitergeht wie vorher.“
Zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise habe die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sich aber mit dem Wort „Wie ein Riss in einer hohen Mauer“ klar positioniert und festgestellt: Die Wirtschaftskrise wurde durch einem Mangel an Verantwortung ausgelöst. Man müsse schon fragen: „Ist die gesamte Weltökonomie richtig aufgestellt?“. Die Gesellschaft müsse eine sinnvolle Orientierung für wirtschaftliches Handeln am Markt zu finden, die „soziales Wachstum“ ermögliche. Der Erhalt von Arbeitsplätzen solle als „unternehmerischer Wert“ für die Wirtschaft wieder eine größere Bedeutung erhalten.
Jung betonte, dass sich die Kirche nicht gerne auf eine Verantwortung in Moral- und Wertefragen reduzieren lasse. Ihr Kernanliegen sei das Verhältnis des Menschen zu Gott. Daraus könne sich eine tiefgreifende Daseinsgewissheit ergeben – und schließlich auch Werte für das Leben.
Für das kirchliche Handeln der EKHN nannte Jung zum Ende des Gesprächs ein Ziel: Weiterhin in Stadt und Land flächendeckend präsent sein zu können. Er hoffe, dass die Kirche dafür auch künftig über die wirtschaftlichen Ressourcen verfügen könne.
Jung, der seit Januar 2009 im Amt des Kirchenpräsidenten der EKHN tätig ist, war erstmals im renommierten PCW in der Landeshauptstadt eingeladen. Der Journalistenclub veranstaltet schon seit vielen Jahren – diesmal unter der Moderation des Pressesprechers der Wiesbadener Handelskammer (IHK), Gordon Bonnet -, Gespräche mit Politikern, Wirtschaftsexperten, Unternehmern oder anderen Männern und Frauen des öffentlichen Lebens.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 08.09.2009 | copyright by EKHN