Pressemitteilung der EKHN - Nr. 55/2009

Darmstadt, 11. September 2009

„Helmut Hild öffnete sich und die EKHN für die Moderne“

Kirchenpräsident Jung würdigt seinen vor zehn Jahren verstorbenen Amtsvorgänger

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat seinen vor zehn Jahren, am 11. September 1999, in Darmstadt verstorbenen Amtsvorgänger gewürdigt. Helmut Hild war von 1969 bis 1985 dritter Kirchenpräsident der EKHN. Über ihn sagte Jung: „Hild repräsentierte die EKHN in einer wilden Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, der scharfen Generationenkonflikte, der politischen Gegensätze und des Kalten Krieges. Er hat es verstanden, die Stimme des Evangeliums auf die Umbrüche seiner Zeit zu beziehen und aktuell und aktiv zu bezeugen. Obwohl selbst Kriegsteilnehmer und Offizier und damit Vertreter der alten Generation, hat er die Motive der 68er-Bewegung verstehen können und war in der Lage, mit der neuen Protestgeneration im Dialog zu bleiben. Er konnte deshalb die tiefgreifenden Konflikte in seiner Amtszeit zu einem kirchengemäßen Ergebnis führen.“ Dazu zählte für Jung die Debatte um die Pfarrerinnen und Pfarrer, die Mitglied der DKP geworden waren, um gegen den Radikalenerlass zu protestieren. Sie konnten in der EKHN bleiben. Dazu zählte auch die Debatte um den Antirassismusfonds der EKHN, mit dem unter anderem die Befreiungsbewegung in Südafrika unterstützt wurde. Hild habe zudem verstanden, dass sich die Kirche in einer modernen Mediengesellschaft anders einbringen müsse. Unter seiner Führung habe die EKHN erstmals Werbematerialien für Kirchenvorstandwahlen eingesetzt und als erste evangelische Kirche in Deutschland mit „+++ im Gespräch“ ein allgemeines Mitgliedermagazin, Vorläufer des bis heute erscheinenden Magazins „ECHT“, herausgebracht. „Helmut Hild öffnete sich und die EKHN für die Moderne.“, resümierte Jung.

Pionier der Versöhnung

Jung hob auch Hilds Verdienste bei der Aussöhnung mit Osteuropa hervor: „Diese Herzensangelegenheit seines Vorgängers Martin Niemöller hat sich auch Helmut Hild zu eigen gemacht.“ Dabei habe er für die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland und für das ganze Land Pionierarbeit geleistet. Wörtlich sagte Jung: „Hild hat bereits intensiv und vorbildhaft Kontakte mit Polen und den polnischen Kirchen geknüpft, als der Kalte Krieg noch jeglichen offenen Ostkontakt in die Nähe von Vaterlandsverrat brachte. Dabei hat er geschickt die besonderen kirchlichen Möglichkeiten genutzt.“ Mit seinem unermüdlichen Engagement habe er die berühmte Ostdenkschrift der EKD, die ein wichtiges Signal für das Ende des Kalten Krieges war, mit ermöglicht.

Zur Person

Helmut Hild wurde am 23. Mai 1921 in Weinbach im Oberlahnkreis geboren. Geprägt durch seine Erfahrungen als christlicher Offizier an der Ostfront nahm Hild 1946 das Studium der Theologie in Marburg auf. Nach Pfarrdienst in Westerburg (1951-1957) im Westerwald und Frankfurt-Unterliederbach (1957-1960) wurde Hild 1960 erster hauptamtlicher Öffentlichkeitspfarrer der EKHN und 1964 Vorsitzender des Evangelischen Gemeindeverbandes in Frankfurt sowie Pfarrer an der Frankfurter Luthergemeinde. 1969 wurde Hild zum Kirchenpräsidenten der EKHN gewählt und 1976 wiedergewählt. 1973 wählte ihn die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKD. Darin wurde er 1979 für eine zweite Amtszeit bis 1985 wiedergewählt.

Als Anerkennung seiner Verdienste für die Aussöhnungsarbeit besonders mit Polen erhielt Hild 1974 das Ehrendoktorat der Christlich-theologischen Akademie Warschau. Er war auch Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern, der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt und des Hessischen Verdienstordens. Als Hild in den Ruhestand trat, wurde mit Helmut Spengler sein langjähriger Stellvertreter Nachfolger als Kirchenpräsident der EKHN. Zwei Gebäude in der EKHN tragen seinen Namen. Es ist zum einen das Haus des Zentralarchiv und der Zentralbibliothek der EKHN in Darmstadt und zum anderen das Haus der Kirche in Weilburg.

Darmstadt, 7. September 2009

 

 

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher