Pressemitteilung der EKHN / 2009
„Geschichte nicht weglegen, damit wir eine gute Zukunft haben“
Kirchenpräsident trifft ehemalige polnische KZ-Häftlinge
Darmstadt, 16. September 2009. Ehemalige Häftlinge nationalsozia- listischer Konzentrationslager aus Polen sind am 16. September am Sitz der Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung offiziell empfangen worden. Der Kirchenpräsident begrüßte 17 Frauen und 5 Männer, die sich vom 14. bis 28. September in Bad Schwalbach bei Wiesbaden aufhalten. Sie sind zwischen 64 und 92 Jahre alt und waren in den Lagern Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Netzweiler, Potulice, Ravensbrück und anderen Lagern inhaftiert. Die Jüngste wurde 1944 in Auschwitz geboren. Auf dem Programm der Reise stehen unter anderem Begegnungen und Zeitzeugengespräche in Wiesbadener und Mainzer Schulen, Ausflüge und ein Empfang im Wiesbadener Rathaus sowie im Frankfurter Römer.
Organisiert wird die Erholungs- und Begegnungsreise vom Frankfurter Verein „Zeichen der Hoffnung - Znaki Nadziei“ in Zusammenarbeit mit der Willy Robert Pitzer Stiftung, die für den Aufenthalt in der Pitzer-Klinik Bad Schwalbach sorgte. Dabei bekommen die polnischen Gäste medizinische Anwendungen und werden ärztlich betreut.
Für eine bessere Zukunft zwischen Deutschland und Polen
Bei dem Treffen am Paulusplatz in Darmstadt sagte Kirchenpräsident Jung, die EKHN habe sich immer um Versöhnungsarbeit bemüht und setze sich weiter dafür ein. In diesen Tagen erinnere sich die EKHN, „dass Deutschland vor 70 Jahre Polen überfallen und den Menschen viel Unrecht angetan hat“. Es sei wichtig, „Geschichte nicht weg zu legen“. Jung sagte: „Wir müssen das Unrecht beim Namen nennen. Und wir müssen viel dafür tun, dass junge Menschen sich mit der Vergangenheit beschäftigen, damit wir eine gute Zukunft haben.“ Bei der Begegnung berichteten die Gäste aus ihrem Leben und welche Verfolgungen sie zu erleiden hatten. Gleichzeitig drückten sie ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft zwischen Deutschland und Polen und für eine gute Nachbarschaft in Europa aus.
Kirchenpräsident Jung dankte dem Verein „Zeichen der Hoffnung“ und der Pitzer Stiftung für ihr Engagement für die ehemaligen Opfer. Ausdrücklich lobte er das Jugendaustauschprojekt von „Zeichen der Hoffnung“, in dem junge deutsche Freiwillige einen Sozialdienst in Polen leisten.
"Zeichen der Hoffnung" versteht sich als evangelische Initiative, die sich für eine bessere Zukunft von Polen und Deutschen engagiert. Die Initiative unterstützt seit 1977 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Polen, insbesondere Überlebende deutscher Konzentrationslager mit Medikamenten und Geldspenden. Seit einigen Jahren organisiert das Hilfswerk für diesen Personenkreis regelmäßig Erholungs- und Begegnungsreisen in Polen und Deutschland. Außerdem organisiert es soziales Engagement von jungen Menschen für alte und hilfsbedürftige Menschen in Polen. Dabei arbeiten Freiwillige und Zivildienstpflichtige mit polnischen Partnerorganisationen in Krakau und Breslau zusammen.
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 16.09.2009 | copyright by EKHN