Pressemitteilung der EKHN / 2009

2. Oktober 2009

“Ein richtiges Stück Medienmacht“

Kirchenpräsident Jung überreichte den Förderpreis Gemeindebrief an sieben Gemeinden im Vogelsberg, Odenwald, in der Wetterau und in Mainz
Festredner war Dirk Metz

 

Frankfurt, 1. Oktober 2009. Am Donnerstag Abend, 1. Oktober, hat Kirchenpräsident Dr. Volker Jung in Frankfurt den Förderpreis Gemeindebrief 2009 der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) überreicht. Den mit 1.500 Euro dotierten Hauptpreis nahm die Redaktion des „Gemeindebrief“ der Evangelischen Kirchengemeinden Lauterbach und Heblos im Dekanat Vogelsberg entgegen.
Sechs zweite Preise, die jeweils mit 500 Euro dotiert sind, erhielten:

Dirk Metz Vergrößerung

Festredner Dirk Metz

 

Preisträger Vergrößerung Kirchenpräsident Jung gratuliert dem Redaktionsteam des Siegerbriefes aus Lauterbach
Kirchenpräsident Jung Vergrößerung Kirchenpräsident Dr. Volker Jung
Wolfgang Weinrich Vergrößerung Pfarrer Wolfgang H. Weinrich, den Erfinder des Gemeindebrief-Preises
Martin Reinel Vergrößerung Jurymitglied Pfarrer Martin Reinel
Christian Weise Vergrößerung Christian Weise
In dem grauen Kasten unten finden Sie weitere Fotos.
Quelle: EKHN

Insgesamt hatten sich 114 Redaktionen mit gültigen Einsendungen beworben. Die Jury vergab nicht nur die sieben Hauptpreise sondern sprach weiteren 15 Redaktionen eine Anerkennung für fachlich gute Arbeit aus und verlieh ihnen das Prädikat „ausgezeichnet“.

Jury: Mehr Blick von außen und nach außen

Für die Jury hob Christian Weise das insgesamt hohe gestalterische Niveau hervor. Es sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Nun sei es Zeit, sich stärker den Inhalten zuzuwenden. Den Gemeindebriefredaktionen riet er, das gesellschaftliche Umfeld stärker einzubeziehen, also den Blick von außen und nach außen zu erweitern.
Der Hauptpreisgewinner, der Gemeindebrief der Kirchengemeinden Lauterbach und Heblos, beweise nach Meinung der Jury, dass man gar nicht durchgängig farbig drucken müsse, um „ein buntes, gut lesbares, interessantes und informatives Gemeindemagazin“ zu produzieren. Die Jury lobte das großzügige Format, das klare Layout, viele Bilder, gute Texte, deutlich markierte Rubriken, die Vielfalt der Themen und das jeweilige Schwerpunktthema. Wörtlich heißt es in der Begründung, die Jurymitglied Martin K. Reinel vortrug: „Dieser Gemeindebrief macht Lust, die Gemeinde näher kennen zu lernen und strahlt Innovationsfreude aus. Journalistische und kirchliche Anliegen finden bei diesem Gemeindebrief hervorragend zusammen.“

Jung: „Gemeindebrief kommt aus dem Herzen der Gemeinde“

Kirchenpräsident Jung bezeichnete die Gemeindebriefe als „einziges Kontaktmedium, das nahezu alle Mitglieder erreicht“. Mit dem Gemeindebrief stelle sich eine Gemeinde dar und vor. Wörtlich sagte er: „Der Gemeindebrief kommt aus dem Herzen der Gemeinde und enthält alle wichtigen Informationen der Kirche vor Ort. Er macht Lust auf Gemeinde und lädt zur Teilnahme ein.“ Jung überbrachte für die Kirchenleitung den Dank und die Anerkennung nicht nur für die Ehrenamtlichen in den Redaktionen sondern auch für die ehrenamtlichen Austräger.

Metz: „...was ansonsten eigentlich nur dem Fußball gelingt“

Festredner der Preisverleihung war Staatsekretär Dirk Metz, hauptberuflich Sprecher der hessischen Landesregierung. Metz erzählte, dass seine Mutter in ihrer Kirchengemeinde 45 Jahre lang den Gemeindebrief ausgetragen habe. Wenn er in eine Kirche komme, nehme er immer im Ausgang den Gemeindebrief mit um zu sehen, was „in der Gemeinde so los ist“.
Politik und Kirche hätten zwar unterschiedliche Aufgaben in der Gesellschaft, aber dabei doch eine kommunikative Gemeinsamkeit. Beide versuchten, Botschaften an den Mann und die Frau zu bringen. Das, so führte Metz aus, werde immer schwieriger, denn die Menschen litten heute an einer „medialen Überflutung“. Sie reagierten mit Gleichgültigkeit. „Wir stoßen auf taube Ohren“. Die Auflagen der Zeitungen seien in 25 Jahren um ein Viertel gesunken, die Zahl der Fernsehkanäle, die nur für ein speziell interessiertes Publikum sendeten, steige ständig. Im Zuge der Individualisierung konzentrierten sich viel Menschen auf einzelne Themen. Das habe für die Gesellschaft erhebliche Folgen. Metz verteidigte dennoch ihr Recht darauf, „um uns einen Bogen zu machen“. Angesichts dieser Entwicklung bezeichnete Metz die Gemeindebriefe als „ein richtiges Stück Medienmacht“, denn ihnen gelinge etwas, „was ansonsten eigentlich nur dem Fußball gelingt: Sie erreichen Junge und Alte, Arme und Reiche, Stadt und Land“.

Informationen zum Preis

Der Förderpreis Gemeindebrief der EKHN ist mit 5.500 Euro der höchstdotierte Preis seiner Art. Er wird alle zwei Jahre verliehen, in diesem Jahr zum siebten Mal. Unterstützt wird der Preis von der Bruderhilfe Pax Familienfürsorge, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (gep), der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK) mit Sitz in Kassel und Frankfurt, der Zeitschrift Evangelisches Frankfurt und der Evangelischen Sonntagszeitung. Kriterien bei der Auswahl sind Originalität, Themenvielfalt, Aktualität, journalistische Darstellungsformen, überschaubares Layout, Druckqualität und Verwendung des Facettenkreuzes. Eine Jury, zu der Journalisten aus dem kirchlichen und dem säkularen Bereich sowie Förderer der Idee gehören, prämiert Redaktionen, die mit ihrem Gemeindebrief bewusst nach Qualität streben.

Hintergrund: Briefe als Chance

Die Gemeindebriefe sind Publikationen der Kirchengemeinden für ihre Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit. Über 90 Prozent der 1174 Kirchengemeinden im Gebiet der EKHN bringen eine solche regelmäßige und kostenlose Publikation für ihre Mitglieder heraus. Umfragen haben ergeben, dass sie weithin intensiv gelesen werden und allein in der EKHN eine Gesamtauflage von über einer Millionen Exemplaren erreichen. Sie sind damit das reichweiten stärkste Medium der evangelischen Kirche.

[Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher]

 

Vorstellung und Bewertung der prämierten Gemeindebriefe bei der Preisverleihung 2009

 

„Des Kircheblättche“ der Ev. Kirchengemeinde Hitzkirchen Burgbracht – Hitzkirchen und Helfersdorf – Kefenrod, Dekanat Büdingen

„Des Kircheblättche“ ist ein „farbiger“ Gemeindebrief in vielerlei Hinsicht: Gut gedruckt, sorgfältig im Layout, ansprechend aufgemacht. Mit einem geistlichen Vorwort, aber sehr weltzugewandt. Mit Informationen aus der Gemeinde und aus dem kirchlichen Umfeld. Aktuelles und Nachdenkliches wechseln sich ab. Dazu schöne Bilder und einladende Angebote. Dieser Gemeindebrief gefällt.
Was der Jury auffiel: Die Vielfalt journalistischer Darstellungsformen könnte größer sein. Was die Jury rät: Noch mehr den Blick nach außen wagen!

„Zack“ – die Zeitung aus der Christus Kirchengemeinde, Bad Vilbel, Dekanat Wetterau

Dieses Blatt ist ungewöhnlich: Großformatig, vielfältig, bunt, mit einem Schwerpunktthema, mit Anzeigen und Gemeindestatistik, mit persönlichen Beiträgen und berichtenden Artikeln. Zack ist eine richtige kleine Zeitung, in der viel auf eine Seite passt und die Begrenzung von Din A5 überwunden ist. Die Themenvielfalt spiegelt die aktive Bad Vilbeler Gemeinde wider und wurde von der Jury gutgeheißen, die Inhalte wurden hoch bewertet. Der Gesamteindruck überzeugte. Vor allem aber: Das Blatt hatte schon einmal einen Sonderpreis bekommen. Nun hat es sich weiter entwickelt, positiv und eindrücklich. Das hat die Jury überzeugt.
Doch auch hier rät die Jury: Über die Gemeinde hinaus schauen, das Umfeld der Christuskirche nicht ausblenden. Und natürlich: weiterhin farbig erscheinen !

„Alles in Luther“ der Evangelischen Luthergemeinde Mainz, Dekanat Mainz

Beeindruckend fallen bei diesem Gemeindebrief die Vielfalt der Themen und die unterschiedlichen journalistischen Formen auf. Hier gibt es ein Schwerpunktthema und ein überlegtes Editorial, eine „angedachte“ Andacht, Interviews, Berichte und Informationen, Nachrichten aus der Gesamtkirche und aus dem Leben der Gemeinde, der Kirchenvorstand berichtet aus seiner Arbeit, Kurztermine und einen zielgruppengerechten Veranstaltungskalender – und manches mehr. Sogar eine gut gemachte Glosse. Und immer ein ausgezeichnetes Titelmotiv. Ein wirklich bemerkenswerter Gemeindebrief, auf jeden Fall prämierungswürdig.
Doch auch der Rat und Wunsch der Jury: Achtet darauf, keine Bleiwüsten zu schaffen, bei der Gestaltung fehlt auf mancher Seite eine Grafik oder ein Bild. Und: Macht euren Gemeindebrief ein bisschen heller, der Inhalt ist so bunt, da muss nicht jede Seite mehrere Grautöne abbekommen.

Die „Kirchenglocke“ der Evangelischen Kirchengemeinde Rossdorf, Dekanat Darmstadt Land

Kostenlos und jeden zweiten Monat erscheint die „Rossdörfer Kirchenglocke“. Hinter dem ungewöhnlichen Format verbirgt sich ein sorgfältig gestalteter Gemeindebrief, dessen Rubriken, „Einblick“, „Weltblick“, „Ausblick“ Raum für interessante Artikel bieten. Die „Kirchenglocke“ ist ansprechend im Layout, interessant in der Zusammenstellung, gut zu lesen. Die Bewertung der Jury war gut, sie schätzt die Vielfalt der Formen und den journalistische Blick auf die Themen. Bei der Erscheinungsfrequenz ist die Aktualität hoch, der Leser / die Leserin bekommt einen repräsentativen Eindruck von der Rossdörfer Gemeinde. Das Themenheft zeigt ansprechende Bilder und ist gut gedruckt.
Weiter so, sagt die Jury und wünscht sich nur an manchen Stellen mehr Blicke in die Nachbarschaft – und die eine oder andere inhaltliche Überraschung.

„Einblick“ der Evangelischen Kirchengemeinde Ober-Ramstadt Dekanat Darmstadt Land

Dieser Gemeindebrief hat große Diskussionen in der Jury ausgelöst. Er ist besonders, die Aufmachung ist mehr als außergewöhnlich, er muss nicht bunt sein, um aufzufallen. Der Einblick versteht sich als Themenheft und geht an alle Haushalte in Ober-Ramstadt. Kontrovers diskutierten die Juroren, das Blatt ruft Emotionen hervor. Während die einen ein bisschen mehr Übersichtlichkeit forderten, fanden die anderen gerade die Vielfalt und die Fülle der Informationen interessant.
Die Macher und Macherinnen können stolz sein, der Gemeindebrief ist ausgefallen, erregt Aufmerksamkeit, hat viele Seiten und ist umfangreich. Er stellt die Bandbreite der Gemeindeaktivitäten dar und zeigt ein große Vielfalt des Kirchenlebens. Worüber dennoch in der Jury diskutiert wurde: Wie sind die Beziehungen zwischen außen und innen, wenn der Blick von außen nach innen nur das Kreuz möglich ist?
Ein Tipp noch: Bei der Bildauswahl ruhig kritischer sein. Der Blick auf das Detail zeigt meist mehr als ein zu kleines Panoramabild.

„Nah dran!“ der Evangelischen Kirchengemeinde Bad König, Dekanat Odenwald

Der Umfang, die Optik, die Themenvielfalt, auch die Inhalte überzeugten. Schon mehrfach wurde Bad König ausgezeichnet, auch in diesem Jahr gehört der Gemeindebrief zu den besten der EKHN. Das Layout, der Einsatz der Bilder, die abwechselungsreiche Gestaltung der Seiten, die allgemeinen Themen und die örtlichen Themen machen das Blatt lesenswert. „Nah dran“ ist nah dran am Gemeindeleben und bietet alles, was ein Gemeindebrief haben muss, und vieles, was er haben kann: Gemeindechronik und Berichte, Glückwünsche und Gemeindekalender, Veranstaltungshinweise und Berichte, Bildstrecken und Seitenblicke aus dem Dekanat, ein Editorial und die An(ge)dacht. Man bekommt ein kleines Kirchenmagazin mit diesem Gemeindebrief in die Hand – alle Hochachtung !
Dennoch zwei kleine Wünsche der Jury: Bringen Sie ruhig mal was aus dem gesellschaftlichen Umfeld, werden Sie mal politisch. Und: Überdenken Sie doch bitte mal Ihr Abo-System !

„Gemeindebrief“ der Evangelischen Kirchengemeinden Lauterbach und Heblos, Dekanat Vogelsberg

Der Gewinner-Gemeindebrief 2009 kommt aus einer, genauer zwei Gemeinden, die schon in der Vergangenheit Auszeichnungen erhalten haben. Aber der Lauterbacher Gemeindebrief hat sich in den letzten Jahren noch einmal deutlich weiter entwickelt. Das Gemeindeblatt beweist, man muss gar nicht durchgängig farbig drucken, um ein buntes, gut lesbares, interessantes und informatives Gemeindemagazin zu produzieren. Das Format ist großzügig, das Layout ist klar und durchgängig dreispaltig, Bilder gibt es viele, die Rubriken sind deutlich markiert, die Seiten abwechslungsreich gestaltet. Ein Schwerpunktthema wird herausgestellt, aber auch andere Themen finden Platz.
Die Jury bewertete die Inhalte sehr gut, rühmte die Übersichtlichkeit der Veranstaltungs- und Gottesdiensthinweise, die Kontaktdaten auch anderer Einrichtungen, das Editorial und den „Standpunkt“ und vieles mehr. Dieser Gemeindebrief macht Lust, die Gemeinde näher kennen zu lernen und strahlt Innovationsfreude aus.
Die Artikel sind gut geschrieben – da gelingt es dem Autor sogar, den Begriff „musikalische Protuberanzen“ (das sind leuchtende Gasmassen, die aus der Sonne geschleudert werden) elegant und einfach zu erklären. Die Themenvielfalt gibt immer wieder Neues zu lesen. Man guckt gerne rein in diesen Gemeindebrief. Schon das große Titelbild ist ansprechend – und manch kleine Worte verraten viel sprachlichen Erfindungsreichtum, wie die Überschriften-Alliteration: Kantorin – Krippe – Konzert.
Journalistische und kirchliche Anliegen finden bei diesem Gemeindebrief hervorragend zusammen. Also: Machen Sie weiter so in Lauterbach und Heblos!
Eine Anregung haben wir dennoch: Schauen auch Sie mehr in ihre Nachbarschaft, nehmen Sie ein gesellschaftliches Thema hinzu, wagen Sie den Ausflug in die Politik.

Für die Jury am 1. Oktober 2009: Martin K. Reinel

 

Darmstadt, 2. Oktober 2009