Pressemitteilung der EKHN / 2009
Letzter DDR-Ministerpräsident spricht am Reformationstag in der Wiesbadener Lutherkirche
Lothar de Maizière zur Rolle der Evangelischen Kirche bei der deutschen Wende 1989/90
Darmstadt, 22. Oktober 2009. Die zentrale Festveranstaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Reformationstag erhält in diesem Jahr einen ganz besonderen Akzent. Lothar de Maizière, der letzte demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, spricht am Samstag, den 31. Oktober 2009 in der Lutherkirche Wiesbaden, Mosbacher Str. 2, über „Die Rolle der Evangelischen Kirche in der DDR im Prozess bis zur friedlichen Revolution 1989.“ Die Feier beginnt um 18 Uhr mit einem Gottesdienst, in dem der EKHN-Kirchenpräsident Dr. Volker Jung predigen wird.
Die Wende von 1989 wurde in den Evangelischen Kirchen vorbereitet
Die Evangelischen Kirchen in der DDR waren bereits lange vor 1989 ein Sammelbecken von Reformkräften, die an der Veränderung der immer schwieriger werdenden Lebensbedingungen in diesem Land arbeiten wollten. In Gemeindegruppen, Kreisen und Evangelischen Akademien diskutierte man politische Alternativkonzepte, unterstützte sich gegenseitig bei Schikanen des Staates nach Ausreiseanträgen und sammelte Umweltdaten, was streng verboten war.
Friedensgebete führten zum Ende der DDR
Gleichzeitig suchten die Leitungen der Evangelischen Kirchen in der DDR immer wieder den Dialog mit der Staatsführung, um die Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten der Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen im sozialistischen Staat zu verbessern. Die Friedensgebete in vielen Evangelischen Kirchen in der DDR, die ab dem Sommer 1989 einen ungeahnten Zulauf aus der Bevölkerung hatten, mündeten schließlich in jene friedlichen Großdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten, die die Öffnung der Grenzen erreichten und das Ende der DDR besiegelten.
Erster und einziger frei gewählter Ministerpräsident der DDR
Der 1940 in Nordhausen am Harz geborene Lothar de Maizière ist ein ausgewiesener Kenner der politischen und kirchlichen Verhältnisse in der DDR. In den achtziger Jahren war er Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und am Dialog mit Regierung und SED beteiligt. Bereits 1956 wurde er Mitglied der Ost-CDU. 1989/90 wählte ihn die Partei zu ihrem Vorsitzenden. Gleichzeitig wurde er Mitglied der Volkskammer der DDR, im April 1990 der erste und letzte demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, im August 1990 auch Außenminister und später Abgeordneter des Deutschen Bundestags. Heute arbeitet er als Rechtsanwalt in Berlin.
Alter Hugenotten-Adel
Lothar de Maizière entstammt einer alten hugenottischen Familie, die im 17. Jahrhundert wegen religiöser Verfolgung aus den französischen Ardennen nach Brandenburg flüchtete. Sein Onkel Ulrich de Maizière war 1966 bis 1972 Generalinspekteur der Bundeswehr, sein Cousin Thomas de Maizière ist seit November 2005 Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts.
Verantwortlich: Oberkirchenrat Dr. Joachim Schmidt
zurück | letzte Aktualisierung: 23.10.2009 | copyright by EKHN