Pressemitteilung der EKHN / 2009

30. Oktober 2009

Kirchenpräsident Jung predigt erstmals beim Festakt zum Reformationstag in Wiesbaden

Lothar de Maizière spricht über die Rolle der Evangelischen Kirche bei der deutschen Wende 1989/90
Festakt ist Teil des hessischen Programms zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

 

Wiesbaden, 31. Oktober 2009. Erstmals hält der neue Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Predigt beim Festakt am Reformationstag. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, der sein Amt Anfang des Jahres antrat, wird dabei den Auftrag der Reformation aktualisieren und den 20. Jahrestag des Mauerfalls aufgreifen. Die Predigt wird vom ersten Abschnitt der Bergpredigt Jesu ausgehen. Der unter dem Namen „Seligpreisungen“ berühmt gewordene Text enthält unter anderem den Satz „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Der Gottesdienst ist öffentlich und findet am 31. Oktober ab 18 Uhr in Wiesbaden in der Lutherkirche statt. Neben Kirchenpräsident Jung und der feiernden Gemeinde wirken der Wiesbadener Propst Dr. Sigurd Rink, der katholische Stadtdekan Dr. Johannes zu Eltz, der Kirchenvorstandsvorsitzende der Luthergemeinde Friedrich-Christoph von Bismarck und Pfarrerin Ursula Kuhn mit. Zu hören ist der Bachchor Wiesbaden unter Leitung von Jörg Endebrock und die Organistin Eva-Maria Hodel.

Die Festansprache nach dem Gottesdienst hält der erste und einzige frei gewählte Ministerpräsident der DDR Lothar de Maizière über „Die Rolle der Evangelischen Kirche in der DDR im Prozess bis zur friedlichen Revolution 1989.“ Die Evangelischen Kirchen in der DDR waren ein Sammelbecken für die Reformkräfte. Die Friedensgebete in vielen Kirchen mündeten schließlich in die friedlichen Großdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten, die das Ende der DDR besiegelten.

Als die Mauer fiel

Die EKHN beteiligt sich in diesem Jahr mit ihrem Festakt an dem vom Land Hessen angestoßenem Programm „Als die Mauer fiel - Hessen erinnert sich“, das vom 25. Oktober bis zum 9. November dauert. Das Programm umfasst in Wiesbaden Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, Kabarett, Kino und Theater. Beteiligt sind Institutionen wie das Museum Wiesbaden, das Kultusministerium, das Staatstheater, das Hauptstaatsarchiv, das kommunale Kino Caligari, die Landeszentrale für politische Bildung sowie die Jüdische Gemeinde Wiesbaden. Das auf Initiative der Hessischen Staatskanzlei zustande gekommene Gesamtprogramm ist bei den beteiligten Institutionen zu erhalten und im Internet unter www.hessen.de und www.wiesbaden.de zu finden

Zur Person Lothar de Maizière

Der 1940 in Nordhausen am Harz geborene Lothar de Maizière ist ein ausgewiesener Kenner der politischen und kirchlichen Verhältnisse in der DDR. In den achtziger Jahren war er Vizepräses der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und am Dialog mit Regierung und SED beteiligt. Die Ost-CDU wählte ihn 1989/90 zu ihrem Vorsitzenden. Gleichzeitig wurde er Mitglied der Volkskammer der DDR, im April 1990 wurde er der erste und letzte demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, im August 1990 auch Außenminister und später Abgeordneter des Deutschen Bundestags. Heute arbeitet er als Rechtsanwalt in Berlin. Lothar de Maizière entstammt einer alten hugenottischen Familie, die im 17. Jahrhundert wegen religiöser Verfolgung aus den französischen Ardennen nach Brandenburg flüchtete. Sein Onkel Ulrich de Maizière war 1966 bis 1972 Generalinspekteur der Bundeswehr, sein Cousin Thomas de Maizière wurde gerade als Bundesminister des Inneren vereidigt, zuvor war er Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts.

Unter den Ehrengästen vertritt Staatsminister Karl Peter Bruch das Land Reinland-Pfalz, Staatsminister Michael Boddenberg das Land Hessen und Bischof Prof. Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst die katholische Kirche.

Zur Veranstaltung

Zum 15. Mal veranstaltet die EKHN einen solchen Zentralen Festakt am Reformationstag, von denen es lokal und regional eine Fülle weiterer gibt. Nach dem Festgottesdienst hält jeweils eine prominente Person aus dem öffentlichen Leben eine Festrede über protestantisches Profil in der Gesellschaft. Dies taten bislang die Stasi-Beauftragte Marianne Birthler, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und -präsidentin Rita Süßmuth, die Bischöfe Dr. Franz Kamphaus und Dr. Karl Kardinal Lehmann, Ministerpräsident Reinhard Höppner, die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Ernst Benda, der Generalinspekteur der Bundeswehr Hans Peter von Kirchbach, Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt H. Biedenkopf, die ZDF-Journalistin Gundula Gause, der Mediziner und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages Prof. Dr. Dr. Eckhardt Nagel sowie die Vizepräsidentin des Bundestags Katrin Göring-Eckardt. Im Jahr 2008 sprach der Richter am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio zum Thema „Religion: Fundament oder Belastung der Demokratie?“

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher