Pressemitteilung der EKHN / 2009
Entschleunigung ist zum Grundwunsch der Adventszeit geworden
Kirchenpräsident Jung kommentiert Berliner Urteil zu den Ladenöffnungszeiten
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hat das heutige Urteil des Bundesverfassungs- gerichts zum Berliner Ladenöffnungsgesetz kommentiert:
„Ich bin sehr froh darüber, dass das Bundesverfassungsgericht den Schutz der Sonntagsruhe stark gemacht und das Berliner Gesetz in Teilen für verfassungswidrig erklärt hat. Mehr Zeit zum Innehalten, Entschleunigung des Alltags - dieser Wunsch zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Zeit. Insbesondere in der Adventzeit klagen viele Leute über ein Übermaß an Hektik, denn immer mehr leiden unter dem Druck steigender Arbeitsbelastung. Die jüdisch-christliche Tradition, auf der unser Lebensrhythmus zwischen Arbeitstagen und Wochenende beruht, hat das aufgegriffen und mit der Sonntagsruhe in eine lebensdienliche Form gebracht. Die Sonntagsruhe ist sowohl Ausdruck einer religiösen Tradition, als auch eine Wohltat für Körper und Seele. Um der Menschen willen muss die Gesellschaft diese Errungenschaft schützen und bewahren.
Immer Einkaufen können ist praktisch, führt aber in die Rund-um die-Uhr-Gesellschaft
Die Gesellschaft tut sich als Ganzes und auch dem einzelnen Menschen keinen Gefallen, wenn sie die Unterschiede der Zeiten einebnet. Heute reden wir nur über die Läden in Berlin. Und es mag für viele dort angenehm oder praktisch sein, immer einkaufen zu können. Aber dabei wird es nicht bleiben. Warum sollten nicht auch Banken, Behörden und Fabriken immer in Betrieb sein? Am Ende steht eine Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft, in der es keine gemeinsamen Zeiten mehr gibt. Der aufmunternde Gruß „Schönes Wochenende“ ist dann nur noch eine sinnlose Worthülse. Wann können Familien dann ihre gemeinsamen Feste feiern? Wann können dann Gottesdienste stattfinden, die für alle da sind? Wann können im gemeinsamen Freizeitbereich dann noch viele Menschen in Sportstadien für Ligaspiele zusammen kommen? Gar nicht. Es werden immer viele fehlen. Ohne den Sonntag ging der Gesellschaft Elementares und Liebenswürdiges verloren.
Aufruf an Bürgerinnen und Bürger: „Schützt durch Euer Verhalten nicht nur den Sonntag der Verkäuferinnen und Verkäufer, sondern auch euren eigenen!“
Den Schutz des Sonntags können allein Gesetze und Gerichte auf Dauer nicht garantieren. Das können das nur die Bürgerinnen und Bürger. Dazu rufe ich alle auf: Schützt durch Euer Verhalten nicht nur den Sonntag der Verkäuferinnen und Verkäufer, sondern auch euren eigenen!“
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 01.12.2009 | copyright by EKHN