Pressemitteilung der EKHN / 2010

1. März 2010

„Die modernste und erfolgreichste Bürgerinitiative in unserem Land“

Arnoldshainer Hospiztage feierten 20. Jubiläum

 


Ansprechpartnerin ist:
Pfarrerin Beate Jung-Henkel
MAS Palliative Care
PFARRAMT FÜR HOSPIZARBEIT UND KLINIKSEELSORGE
Eibinger Straße 9, 65385 Rüdesheim
Telefon : 06722 / 971278

Mit einer Feierstunde haben die Arnoldshainer Hospiztage am Freitag, den 16. Februar 2010, ihr 20jähriges Jubiläum gefeiert. Die Arnoldshainer Hospiztage waren bei ihrer Gründung die ersten in Deutschland und haben die Entwicklung dieses damals neuen Arbeitsbereiches maßgeblich mitgeprägt. Mit ihnen wurde die Hospizidee in Initiativen in ganz Deutschland getragen. Nach ihrem Vorbild sind in vielen Regionen ähnliche Einrichtungen entstanden.
Jürgen Banzer, hessischer Staatsminister für Arbeit, Familie und Gesundheit des Landes Hessen, würdigte die Verdienste der Hospizbewegung. Er bezeichnete sie als „modernste und erfolgreichste Bürgerinitiative in unserem Land“. Ihr sei es zu verdanken, dass der Hospizgedanke über all selbstverständlich akzeptiert sei, auch in den Krankenkassen, und dass es in nahezu allen Regionen Hospizinitiativen gebe.

Kirchenpräsident: Menschlichen Umgang mit Sterbenden neu entdeckt

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung bezeichnete die Hospizarbeit als „wichtige Aufgabe für Kirche und Gesellschaft“. Sie habe die alten Institutionen des menschlichen Umgangs mit Sterbenden neu entdeckt. Kirchengemeinden, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser hätten sich darauf besonnen, sterbenden Menschen geistliche und körperliche Begleitung anzubieten. „Sterben ist Teil des Lebens.“, sagte Jung.

Hospizpfarrerin: Freiheit inmitten der Zwänge des Systems bewahren

Die Leiterin der Tagung Hospizpfarrerin Beate Jung-Henkel sagte, dass die Hospizbewegung „eine besipiellose Solidarität in breiten Kreisen der Bevölkerung“ erfahre. Sie sei mittlerweile gut in das Gesunheitssystem integriert. Das werfe aber neue Fragen auf. Nun ginge es darum, die Freiheit und die eigenstänidge Position der Hospizarbeit inmitten der Zwänge des Systems sowie ihre breite ehrenamtliche Unterstützuung zu bewahren. Wörtlich sagte sie: „Die Ehrenamtlichkeit ist unbezahlbar.“

Forum für Ideen, Politik und Glauben

Die Arnoldshainer Hospiztage sind ein Forum für etablierte und entstehende Hospizinitiativen. Dort regen sie sich gegenseitig an und vernetzen sich. Die Tage sind auch ein hospiz-politisches Forum. Das hessische Sozialministerium entsendet regelmäßig einen Vertreter/eine Vertreterin zum Grußwort und zur Diskussion über politische Aspekte der Hospizarbeit in Hessen. Die Diskussionen zur „Verbesserung der Sterbebegleitung in Hessen“ – so lautet der Name einer Arbeitsgruppe im Sozialministerium - hat durch die Arnoldshainer Hospiztage wichtige Impulse erfahren. Die Arnoldshainer Hospiztage bieten geistliche Vertiefung und Reflexion. Sie ermöglichen den Dialogs der Berufsgruppen sowie der Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie fördern ehrenamtliches Engagement. Eine Besonderheit der Hospizbewegung ist die enge Verknüpfung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden. Die Zusammenarbeit ist spannungsreich und innovativ.

Älteste Tradition in Deutschland

Die Arnoldshainer Hospiztage haben die älteste Tradition in Deutschland. Die erste fand 1991 statt. Dazu kamen Teilnehmende aus der ganzen Bundesrepublik - von München bis Flensburg. Das damalige Ziel war es, alte Institutionen des menschlichen Umgangs mit Sterbenden wie die Hospize wieder zu entdecken. In den Kirchen sollte der Impuls verstärkt werden, zu den Wurzeln der Begleitung sterbender Menschen zurückzukehren. Dies ist in der gesamten Gesellschaft gelungen. Die Hospizidee wird an vielen Orten – auch außerhalb der Kirchen – mit Leben erfüllt. Hospizinitiativen, die sich in den ersten Jahren vorgestellt haben, kamen aus München, Stuttgart, Freiburg, Recklinghausen, Flensburg, Dresden, Salzburg und anderen Orten. 1993/1994 begann das Gespräch mit der Pflege und der Palliativmedizin. Die anderen Professionen in der hospizlichen und palliativen Versorgung kamen in den Blick. Mit dem Wachsen der Hospizbewegung in Deutschland entstanden auch an anderen Orten in Deutschland Hospiztage, in denen sich die Bewegung regional organisierte. Deshalb dominieren in Arnoldshain nun immer mehr die hessen-nassauischen Hospizgruppen mit ihren Ehrenamtlichen.

Themenspektrum

Dauerhafte Themen sind die Trauer in der Begleitung Sterbender sowie theologische und spirituelle Fragestellungen zu den Themen Sterben, Tod, Krankheit und Leiden, zudem die Finanzierung der Hospiz- und Palliativarbeit. Ein weiterer Aspekt kam 2002 mit der sogenannten Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden dazu. Sie hat die interdisziplinäre (juristische, ethische, und theologische) Diskussionen zu den Themen Euthanasie, Patientenverfügung, Autonomie am Lebensende verstärkt.

Die aktuelle Tagung am Wochenende reflektierte den Wandel in der Hospizbewegung durch die Professionalisierung, die Finanzierung von Hospizarbeit und deren gesetzliche Regelung. Diskutiert wurde auch, wie die Ehrenamtlichkeit in den neuen Strukturen bewahrt werden kann und welchen Platz die Hospizbewegung in neuen Formen der Versorgung schwerkranker und sterbender Patienten haben kann.


 

gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher