Pressemitteilung der EKHN / 2010

26. Februar 2010

Dialog in der Bewährungsprobe

Zum Konflikt um die Hazrat Fatima Gemeinde in Frankfurt

 

Das Zentrum Ökumene begrüßt die Entscheidung des Vorstandes der Hazrat Fatima Moscheegemeinde und ihres Generalsekretärs Ünal Kaymakci, sich von ihrem Imam Sabahattin Türkyilmaz zu trennen und sich von dessen Freitagspredigt am Al-Quds-Tag und Teilnahme an Al-Quds-Demonstrationen zu distanzieren. Die Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, werden von der Gemeinde mehrheitlich mitgetragen. Damit bekennt sie sich auch zum Existenzrecht Israels, eine Grundvoraussetzung für den interreligiösen Dialog. Für das Zentrum Ökumene ist sie deshalb nach wie vor ein wichtiger Dialogpartner und ihr Generalsekretär Ünal Kaymakci ein verlässlicher Gesprächspartner. Das Zentrum Ökumene bedauert, dass der Konflikt um Imam Sabahattin Türkyilmaz auch dazu benutzt wurde, die Bemühungen der Hessischen Landesregierung zum Islamischen Religionsunterricht zu kritisieren und zu schwächen. Gerade der islamische Religionsunterricht würde für junge Muslime eine Möglichkeit eröffnen, sich mit Themen wie Antisemitismus und Antizionismus auseinanderzusetzen.

Ferner hat die in einigen wenigen Medien in Teilen unsachliche Form der Berichterstattung islamfeindliche Ängste geschürt und wir befürchten, dass damit dem Moscheebaukonflikt in Hausen auch neue Nahrung gegeben wird. Durch den Konflikt um die Hazrat Fatima Moscheegemeinde hat der interreligiöse Dialog in Frankfurt eine wichtige Bewährungsprobe bestanden. Es ist vor allem der Verdienst des Rates der Religionen, dass der oft von Dialoggegnern erhobene Vorwurf der Blauäugigkeit entkräftet und zugleich die Notwendigkeit des interreligiösen Dialoges bewiesen werden konnte.

Der Konflikt hat jedoch auch Fragen und Probleme aufgeworfen, die bisher weitgehend verdrängt wurden. Dazu gehört die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger mit anderen historischen und kulturellen Hintergründen in die besondere Verantwortung gegenüber unserer jüngsten Geschichte einbezogen werden können ohne zugleich ihre eigenen oft leidvollen Erfahrungen und Loyalitäten verleugnen zu müssen. Im Besonderen spitzt sich dies zu in dem Verhältnis zum Judentum und zum Staat Israel auf der einen Seite sowie dem Existenzrecht der Palästinenser und ihrem Anspruch auf einen eigenen Staat mit sicheren Grenzen auf der anderen Seite. So wie Muslime die historische Verantwortung der deutschen Gesellschaft gegenüber Juden und dem Judentum anerkennen und verinnerlichen müssen, so muss die deutsche Mehrheitsgesellschaft, die Sensibilität der muslimischen Migranten wahrnehmen, die ihre eigenen, oft negativen Erfahrungen mit dem Staat Israel nach Deutschland mitbringen. Das Zentrum Ökumene sieht es als eine wichtige Aufgabe an, die dafür notwendigen Diskussionen anzustoßen. Es ist der Überzeugung, dass dies nur im Dialog mit den Vertreterinnen und Vertretern jüdischer und muslimischer Religionsgemeinschaften geschehen kann und wird sich deshalb weiterhin für die Stärkung eines jüdisch-christlich-muslimischen Trialoges einsetzen.


 

Zentrum Ökumene Leitung Pfr. Detlev Knoche Praunheimer Landstraße 206 60488 Frankfurt / Main Tel +49 (0)69 - 97 65 18 13 Fax +49 (0)69 - 97 65 18 19 e-mail: detlev.knoche@zoe-ekhn.de