Pressemitteilung der EKHN / 2010

8. März 2010

Matthias Schmidt als Propst für Oberhessen eingeführt

Sensible und respektvolle Sprache im Umgang mit Hartz IV-Empfängern gefordert

 

Mit einem Festgottesdienst in der Evangelischen Petruskirche ist der neue Propst für Oberhessen Matthias Schmidt in sein Amt eingeführt worden. An der Feier am Sonntag, 7. März, nahmen Ehrengäste aus Kirche und Ökumene, Politik und Öffentlichkeit, Vertreter der oberhessischen Dekanate und Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Gemeindemitglieder aus der gesamten Propstei Oberhessen in der vollbesetzten Kirche teil.
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung führte den seit 1. März amtierenden Propst ein und segnete ihn. Weitere Segensvoten für den neuen Propst sprachen der indische Bischof K.G. Daniel, Propst Michael Karg, Oberkirchenrätin Cordelia Kopsch, Präses Karl Heinrich Schäfer sowie die Prädikanten Hagen Köckeritz und Erika Wunsch. Auch alle anderen Pröpstinnen und Pröpste der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN) waren am Gottesdienst beteiligt.

Grußworte

Grußworte in der Kirche sprachen der hessische Innenminister Volker Bouffier, die Giessener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Pfarrer Kenan Budak von der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde „Mor Barsaumo” und Bischof Dr. K.G. Daniel aus der oberhessischen Partnerdiözese East Kerala. Besonders begrüßte Präses Schäfer Repräsentanten und Repräsentantinnen der benachbarten Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelischen Kirche im Rheinland und der katholischen Kirche.

Gemeinsam leiten

In seiner Ansprache wies Kirchenpräsident Jung auf die Aufgaben der Pröpstinnen und Pröpste hin, die sie in der EKHN nach der vor kurzem beschlossen neuen Kirchenordnung haben. In der Kirchenleitung hätten die Pröpstinnen und Pröpste zusammen mit dem Kirchenpräsidenten und seiner Stellvertreterin „den besonderen Auftrag, geistlich orientierend zu wirken“. Über „geistliche Leitung“ sagte Jung: „Wir tun dies bewusst, auch in unseren Leitungsgremien, gemeinsam. Wir hoffen darauf, dass wir uns ergänzen und bereichern. Weil wir wissen, dass niemand von uns ohne Irrtum und Fehler ist.“

Weiter sagte der Kirchenpräsident, dass die biblische Botschaft auch „Fragen unseres Zusammenlebens in unserer Gesellschaft“ hineinzuziehen sei: „Uns sind besonders diejenigen ans Herz gelegt, die selbst kaum Möglichkeiten haben, ihr Leben zu gestalten, Menschen in Not – die Armen, die Schwachen, die Kranken, die Sterbenden, die Fremden.“

Respektvoller Umgang mit Mitmenschen gefordert

Propst Schmidt sagte in seiner Predigt, Kirche sei Weggemeinschaft von solchen Menschen, die in aller Unvollkommenheit den Spuren Christi folge. „Was wir brauchen ist eine andere innere Haltung, eine Orientierung an dem Beispiel des menschenfreundlichen Gottes.“ Wichtig sei ein respektvoller Umgang mit den Mitmenschen.
Im Zusammenhang mit aktuellen, öffentlichen Äußerungen über Hartz IV-Empfänger sagte Schmidt, dass dort, wo Politik unsensibel mit Worten umgehe, könne sie sehr schnell zynisch klingen und manchmal auch zynisch werden. „Diese Sprache ist ein Zeichen für das Klima in unserer Gesellschaft.“ Und: „Wir selbst als Kirche sind aufgefordert, sorgsam und respektvoll mit Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche umzugehen“, so Propst Schmidt: „Wir selbst müssen darauf achten, dass unsere Sprache und unser Handeln Respekt vor der Würde des Anderen zeigt.“
Musikalisch gestalteten die Gießener Petruskantorei und der Bläserkreis der Johanneskirche Gießen, sowie der A-Capella-Chor „Vamos con Dios“ aus Schlitz den Einführungsgottesdienst.
Nach dem Gottesdienst hatten die Festbesucher und Besucherinnen bei einem Empfang im Gemeindehaus der Petrusgemeinde die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung mit Propst Schmidt.

Aufgaben des Propstes

Mitwirkende
Quelle:Matthias Hartmann
Die Mitwirkenden

Propst Matthias Schmidt wurde im November 2009 von der Kirchensynode der EKHN zum Nachfolger des bisherigen Propstes für Oberhessen Klaus Eibach gewählt. Seine Amtszeit als Propst beträgt sechs Jahre, Wiederwahl ist möglich. Als Propst hat Schmidt den Auftrag zur geistlichen Leitung im Propstbereich Oberhessen. Er wird Dienstvorgesetzter der Dekane und Dekaninnen sein und Seelsorger der Pfarrerinnen und Pfarrer. Er leitet die Visitationen der Kirchengemeinden und Einrichtungen in der Propstei. Zukünftig wird er zusammen mit den anderen fünf Pröpstinnen und Pröpsten Mitglied der Kirchenleitung der EKHN sein.

Die Propstei

Zur Evangelischen Propstei Oberhessen gehören über 300 Kirchengemeinden in den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau. Dort leben rund 670.000 Einwohner, von denen etwa 350.000 evangelisch sind. 10 Evangelische Dekanate bilden die Propstei. Darin arbeiten etwa 300 Pfarrerinnen und Pfarrer.

Zur Person

Matthias Schmidt wurde 1964 in Ingelheim am Rhein geboren. Er studierte Evangelische Theologie zunächst in Mainz und später in Bonn, wo er zusätzlich Altkatholische Theologie studierte. 1991 absolvierte er das Vikariat in der Kirchengemeinde Fränkisch-Crumbach im Odenwald und im Predigerseminar in Friedberg. Im Spezialvikariat arbeitete Schmidt im Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim mit.
1993 wurde Schmidt Pfarrvikar und später Pfarrer in der Kirchengemeinde Neuhäusel im Dekanat Selters. 1997 wechselte er auf die Pfarrstelle in Schlitz im Vogelsberg. 1998 und 1999 war er zusätzlich stellvertretender Dekan im Dekanat Lauterbach und nach dessen Übergang in das Dekanat Vogelsberg kommissarisch dessen stellvertretender Dekan. 2005 wurde er Referent für Bildung, Erziehung und Arbeit mit Zielgruppen im Dekanat, 2007 zusätzlich Referent für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Vogelsberg.
Schmidt ist verheiratet und hat zwei 17 und 19 Jahre alte Kinder. Seine Hobbys sind Radfahren und Lesen. Er spielt zudem in einer Vogelsberger Mundartband mit.

gez. Pfarrer Martin Reinel