Pressemitteilung der EKHN / 2010
„Wer zahlt die Zeche?“ - Eine starke Stimme für den Sozialstaat
Treffen von Kirchen und Gewerkschaften in Hessen
Die Folgen der Krise dürfen nicht auf dem Rücken ihrer Opfer ausgetragen werden. Um die Gesellschaft zusammenzuhalten, brauche der Sozialstaat eine starke Stimme. Dafür wollen sich Kirchen und DGB einsetzen - so die Spitzen der Evangelischen Kirchen und der Katholischen Bistümer in Hessen sowie der Gewerkschaften im DGB Hessen nach einem gemeinsamen Gespräch am 3. März in Frankfurt. Diesen betroffenen Menschen eine Stimme zu geben, sei auch Aufgabe der Kirchen und der Gewerkschaften.
Die Katholischen Bistümer wurden u. a. vertreten von Bischof Tebartz-van-Elst (Limburg), Generalvikar Dietmar Giebelmann (Mainz) und Generalvikar Gerhard Stanke. Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt) und Bischof Martin Hein (Kassel) vertraten u. a. die evangelischen Kirchen in Hessen. Für die Gewerkschaften nahmen der Vorsitzende des DGB Hessen, Stefan Körzell, sowie die Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften teil, Volker Weber (IG BCE), Jochen Nagel (GEW), Jörg Schumacher (GdP), Jörg Köhlinger (IG Metall), Martin Cox (NGG), Andreas Schäfer (Transnet) und Jürgen Bothner (ver.di)
Die hessischen Gewerkschaften befürchten, dass sich die Krise in der Metall- und Elektroindustrie ausweitet zu einer Strukturkrise mit Lohndeflation und mehreren Tausend Arbeitslosen allein in Hessen. Nur noch 38 % der Erwerbstätigen, so Körzell, arbeiteten in unbefristeten Vollzeitjobs, der Anteil prekärer Beschäftigung und Leiharbeit nehme zu. Der Niedriglohnsektor wachse wie in keinem andern EU-Land, so die Bilanz. Die Opfer der Krise seien v. a. die Kinder. Bildungsarmut werde von den Eltern an die Kinder vererbt.
Die kirchlichen Vertreter sehen in der Krise eine Chance für sozialstaatliches Bewusstsein. Der Sozialstaat sei eine kulturelle Errungenschaft und müsse geschützt werden. Die christliche Soziallehre biete dafür eine wichtige Grundlage. Aus ihr könnten Werte wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Achtung gegenüber sozial Schwächeren geschöpft werden.
Sowohl für Kirchen als auch Gewerkschaften sei die aktuelle Politik der Steuersenkungen kontraproduktiv, weil sie Länder, Kommunen und Kirchen schwäche, darin waren sich die Vertreter von Kirchen und Gewerkschaften einig.
Das nächste gemeinsame Treffen mit Kirchen und Gewerkschaften soll in zwei Jahren stattfinden.
gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 12.03.2010 | copyright by EKHN