Pressemitteilung der EKHN 23/2010

30. April 2010

„Ein Quer- und Vordenker von großem Format"

EKHN trauert um Heinz Ufer

 

Gorxheimer Tal/Darmstadt, 30. April 2010. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag ist Heinz Ufer verstorben, der eine Vielzahl von ehrenamtlichen Aufgaben und Funktionen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) inne hatte. Er gehörte unter vielem anderen der Kirchensynode und der Kirchenleitung an und war bis zu seinem Tod Vorsitzender des Kuratoriums der Ehrenamtsakademie der EKHN. Die EKHN hatte ihm vor vier Jahren mit der MartinNiemöller-Medaille ihre höchste Auszeichnung verliehen.
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung würdigte den Verstorbenen: „Heinz Ufer war ein scharf denkender und zutiefst im Glauben verwurzelter Christ. Er war zugleich humorvoll und ernsthaft, sinnenfroh und diszipliniert. Er war fest in seiner Heimatregion verwurzelt und zugleich ein gewandter Weltbürger, der voller Ideen und Energie steckte. Zudem er hatte genügend Charme und langen Atem, seine Ideen auch durchzusetzen. In Heinz Ufer verlieren die EKHN und die Region Rhein-Neckar einen Quer- und Vordenker von großem Format, dem wir unschätzbar viel verdanken. Insbesondere lagen ihm eine breitenwirksame Bildung und die Förderung des Ehrenamts am Herzen.“

Zur Person
Ufer wurde im Februar 1934 in Langensteinbach im nördlichen Schwarzwald geboren. Die Familie lebte in der strengen Hugenottentradition des Ortes, der heute ein Teil von Karlsbad ist. Er engagierte sich in der evangelischen Jugendarbeit und später in der Studentengemeinde. Ufer widmete sich zunächst der Musik und studierte später Jura, Politik und Religionswissenschaften in Berlin, wo er zwei Jahre lang Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses (AstA) der Deutschen Hochschule für Politik war. 1960 fand er eine Stelle in der Erwachsenenbildung in Mannheim. Zwei Jahre später wurde er dort Direktor der Abendakademie, die Fortbildungsangebote für Berufstätige anbietet. Das erstmalig in Deutschland erarbeitete Konzept ermöglichte weiterführende Schulabschlüsse während der Berufstätigkeit. Die Akademie exportierte es nach Ungarn, Kolumbien und China, wo Ufer 1996 Professor an der Nationalen Elite-Universität der südchinesischen Stadt Hangzhou und Ehrendirektor des von ihm gegründeten Instituts für Weiterbildungsforschung wurde.
In Mannheim gründete Ufer die Fachhochschule für Sozialwesen, Deutschlands erste Abendrealschule und Baden-Württembergs erste Hauptschule mit Abschlussexamen sowie eine Spielschule. Außerdem initiierte er Anfang der 80er Jahre in Mannheim Deutschlands erste Musikschule für Erwachsene. Darin gründete Ufer ein eigenes Streichorchester. Neben seinem Lieblingsinstrument, der Bratsche, spielte Ufer verschiedene weitere Instrumente. Seine Lust galt dabei dem Komponieren eigener Kirchenmusik, darunter Liederzyklen, ein Weihnachtsoratorium, eine Kinderoper und Kästner-Vertonungen.
Ufer, der viele Jahre lang im Gorxheimertal im südlichen Odenwald lebte, war von 1973 bis 1981 Mitglied im Kreistag des Kreises Bergstraße und des Raumordnungsverbands Rhein-Neckar. Außerdem gehörte er von 1981 bis 1993 dem Rundfunkrat des Süddeutschen Rundfunks an, dabei war er zehn Jahre lang Vorsitzender des Kulturausschusses. Ab 1982 leitete er die Dekanatssynode des Dekanats Rimbach, das Teil des Dekanats Bergstraße ist. Von 1986 bis 1992 und von 1998 bis 2004 war Ufer Mitglied der Kirchensynode der EKHN. Dessen Verwaltungsausschuss leitete er bis zu seiner Wahl in die Kirchenleitung, der er von 2001 bis 2005 angehörte. Bis zu seinem Tod war Ufer zudem Vorsitzender des Kuratoriums der Ehrenamtsakademie der EKHN.
Ufer erhielt 1973 das Verdienstkreuz der Republik Italien für sein Engagement bei der Errichtung eines italienischen Kulturzentrums in Mannheim. 1983 zeichnete ihn der Deutsche Politologenverband, dessen Präsident er lange war, mit der silbernen Ehrennadel aus. Seit 1985 ist Ufer Träger des Bundesverdienstkreuzes. 2004 machte ihn der Verein Kurpfalzring zum fünften Träger des Ehrenrings. 2003 bekam er den Ehrenbrief des Landes Hessen. Im Mai 2006 erhielt er mit der MartinNiemöller-Medaille die höchste Auszeichnung der EKHN.
Ufer hinterlässt seine Frau, vier erwachsene Kinder davon ein Pflegekind aus China, sowie sieben Enkel.

Foto:
Ein Portrait von Heinz Ufer lässt sich in hoher Auflösung hier als jpg herunter laden.

 

Verantwortlich: Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher

Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher