Pressemitteilung der EKHN /2010
Musik, die Wolken vertreibt
Harfenkonzert mit Anne Kox-Schindelin an der LichtKirche

Anne Kox-Schindelin an der Harfe
BAD NAUHEIM: Vielleicht liegt es daran, dass die Harfe das Musikinstrument der Engel ist? Pünktlich zum Konzert von Anne Kox-Schindelin verziehen sich am Samstagnachmittag die dunklen Regenwolken über der LichtKirche. Sonnenstrahlen glitzern in tausend Pailletten auf dem dunkelvioletten Abendkleid der Harfenistin. Sanfte Klänge schweben über das Landesgartenschaugelände – Harfenmusik macht irgendwie glücklich.
Konzentriert wirkt das Spiel der Künstlerin und trotzdem mühelos: „Manchmal verliere ich mich selbst ganz in einem Stück“. Wenn sie am Ende dann die Hände sinken lässt, denkt sie: „Huch, wo bin ich?“ Doch meist ist Anne Kox-Schindelin ganz bei ihrem Publikum und bringt ihm mit charmant erzählten Geschichten die ausgewählten Musikstücke näher. Fast ausschließlich Kompositionen zeitgenössischer Musiker spielt sie an diesem Nachmittag und zeigt dabei die Vielfalt des Instruments und ihres Könnens.
Und weil sie gerade die Vielfalt der Harfenmusik so liebt, hat sie sich auch für die große Konzertharfe entschieden – zwar braucht man schon ein kleines Wägelchen, um sie zu bewegen, doch dafür bietet sie größeren Klangreichtum als die kleineren irischen Harfen. Eigentlich ist Kox-Schindelin eher eine Frau der leisen Töne. Doch liebt sie es, wenn sie in die Bässe „so richtig reindonnern“ kann. „Wenn ich schon nicht Bass singen kann, will ich wenigstens Bass spielen.“
Dass ihre Konzertharfe dabei gar nicht so „klassisch“ daherkommt, zeigt Kox-Schindelin dem Publikum schnell. Sie verzaubert mit dem „Feather Theme“ Kox-Schindelin erklärt dem Publikum die Harfeaus Forrest Gump, Tangomelodien oder einem „Spanischen Blues“. Und weil der Himmel mit dem Wetter ein Einsehen hatte, spielt sie auch noch Judy Garlands „Somewhere over the rainbow“. Ein Stück fehlt nie in ihrem Programm: „Omis Nähkästchen“. Sie hat es selbst geschrieben und es ist ihr Lieblingsstück - eine Reverenz an die Großmutter, die als Malerin ebenfalls den schönen Künsten verschrieben war. „Wir haben uns immer ohne Worte verstanden.“ Die kleine Melodie des Stückes stammt tatsächlich aus dem Nähkästchen der Großmutter – in dessen Deckel war nämlich eine Spieluhr installiert.
Nach dem Konzert bleibt Kox-Schindelin noch ein wenig, erklärt geduldig den technikinteressierten Männern, wieviel Tonnen Zug auf einer Harfensaite lasten und dass 1000 Metallteile in ihr verbaut sind. Derweil stehen die Frauen am CD-Stand Schlange – eine Dame, deren Barschaft nicht für alle fünf CDs reicht, lässt sich alle nach Hause schicken.
Dann beginnt der „Reisesegen“, die Abendandacht. Kox-Schindelin ergreift die Gelegenheit, ihrer großen Leidenschaft zu frönen: dem improvisierenden Begleiten. Mit Pfarrer Wolfgang Weinrich an der Gitarre stimmt sie sich in wenigen Akkorden ab und schon ertönen Sphärenklänge zu einem irischen Segenslied. Als die Harfe verstummt kommt Wind auf: Die Wolken sind wieder da.
Text und Bilder: Annegret Rach
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zurück | letzte Aktualisierung: 21.07.2010 | copyright by EKHN