Pressemitteilung der EKHN, 2011
Die Kirche und das liebe Geld
EKHN-Jahresbericht informiert mit Schwerpunkt Finanzen Zahl der Austritte leicht gesunken
Darmstadt, 5. August 2011. Im Jahr 2010 sind in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten als in den Jahren zuvor. Darin unterscheidet sich die Entwicklung in der EKHN von der in den katholischen Bistümern, wo sich die Zahl der Austritte im Jahr 2010 erheblich erhöht hatte. Insgesamt ist die Situation der EKHN stabil. 2.989 Wiedereintritten (Vorjahr: 3.208) standen 10.978 Austritte (Vorjahr: 11.330) gegenüber. Im Jahr 2009 hatte die EKHN 1.746.407 Mitglieder, nun sind es noch 1.723.893, also 22.514 weniger. Hauptgrund ist die demografische Entwicklung, sie schlägt sich nieder in 21.305 Bestattungen, denen nur 13.749 Taufen gegenüber stehen. Diese Zahlen nennt der aktuelle Jahresbericht der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Interessierte können ihn kostenlos bei der Kirchenverwaltung der EKHN in Darmstadt (Mail-Formular oder 06151/405-287) anfordern. Als PDF gibt es ihn im Internet unter www.ekhn.de/jahresbericht. Auf 80 Seiten bietet der Jahresbericht alle wichtigen Zahlen und Informationen sowie mit Reportagen und Fotos Einblicke in die vielfältige kirchliche Arbeit.
Informationen über die Finanzquellen und Ausgaben der EKHN
Themenschwerpunkt der neuen Ausgabe sind die Kirchenfinanzen. Kirchenpräsident Jung schreibt in seinem Vorwort: „Über das Geld der Kirchen wurde im Jahr 2010 viel gesprochen. Viele fragen kritisch nach der Legitimation von Kirchensteuer und Staatsleistungen sowie nach der Finanzierung diakonischer und sozialer Angebote. Wir als Kirche sehen uns in der Pflicht auf alle diese Fragen zu antworten.“ Deshalb bietet der Jahresbericht unter anderem Informationen über die Kirchensteuer und die Finanzierung kirchlicher Angebote im Rahmen der staatlichen Daseinsfürsorge wie etwa Kindertagesstätten, über Staatsleistungen, die Finanzgrundlage der Gemeinden, das System der Kollekten und vieles mehr.
Jung betont in seinem Vorwort, dass die EKHN ihre Aufgaben nicht auf Schuldenbasis finanzieren werde. Sie halte es für ihre Pflicht voraus zu schauen und nachhaltig zu wirtschaften. Die heutige EKHN werde nicht nachfolgenden Generationen ungeklärte Belastungen hinterlassen.
„Damit künftigen Generationen nicht aufgebürdet wird, was jetzt zu schultern ist“
Erstmals gibt der aktuelle Jahresbericht auch Auskunft über die Verbindlichkeiten, die die EKHN gegenüber Beschäftigen im Ruhestand auf Jahrzehnte hinaus haben wird. Mit Hilfe von Rücklagen verfolgt die EKHN das Ziel, die spätere Altersvorsorge der heutigen Beschäftigten bereits heute sicher zu stellen, „damit künftigen Generationen nicht aufgebürdet wird, was jetzt zu schultern ist“, schreibt der Leiter der Kirchenverwaltung und Finanzdezernent Heinz Thomas Striegler. 1.663 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie 71 Kirchenbeamte stehen derzeit im aktiven Dienst der EKHN. Die Versorgung der geburtenstarken Jahrgänge, die ab 2020 in den Ruhestand treten, müsse rechtzeitig und genau geplant werden, damit den dann Berufstätigen keine unzumutbaren Belastungen entstünden, schreibt Striegler. Die Zahl der pensionierten Pfarrerinnen und Pfarrer, die derzeit 857 betrage, werde sich bis 2024 auf circa 1.500 nahezu verdoppeln. Ehemalige Angestellte in der EKHN erhalten neben der gesetzlichen Rente zusätzlich eine rein arbeitgeberfinanzierte Zusatzversorgungsrente,. Als Arbeitgeberanteil in der gesetzlichen Rente zahlte die EKHN im Jahr 2010 23,7 Mio. Euro. Für die freiwillige Zusatzversorgung waren 10,3 Mio. Euro fällig, die über Rücklagen bei der Evangelischen Zusatzversorgungskasse finanziert wurden.
Arbeit und Arbeitsplätze sichern – auch in schlechten Jahren
Eine allgemeine Rücklage sichert den Fortbestand der Arbeit auch in finanziell schlechten Zeiten, zuletzt waren das die Jahre 2002 bis 2004, in denen die EKHN aufgrund einbrechender Kirchensteuereinnahmen 97 Mio. Euro aus den Rücklagen entnehmen musste, um die Streichung von Angeboten und Kündigungen zu vermeiden. Nach Empfehlung der Evangelischen Kirche in Deutschland soll diese Rücklage ungefähr den Umfang eines Jahrshaushaltes haben, für die EKHN also 500 Mio. Euro. Dieser Betrag wird mit 443 Mio. Euro derzeit noch nicht ganz erreicht.
Kulturgut Kirchengebäude erhalten
Eine weitere Rücklage der EKHN soll dazu dienen, die 1.288 Kirchengebäude, die zu 90 Prozent unter Denkmalschutz stehen und als Kulturgut gelten, erhalten zu können. 194 Mio. Euro liegen dafür auf der hohen Kante. Aus den Zinserträgen werden Gemeinden bei der Erhaltung ihrer Kirchengebäude unterstützt.
Für die Rücklagen gelten ethischen Anlagekriterien, die ebenfalls im Jahresbericht dargestellt werden.
Haushaltlage 2010: Weniger als im Vorjahr – aber mehr als erwartet
Nach Auskunft Strieglers hat die Finanzkrise im Kirchengebiet nicht die befürchteten Folgen gezeigt. So habe die EKHN nicht, wie erwartet, 42 Mio. Euro aus den Rücklagen entnehmen müssen, sondern das Haushaltsjahr 2010 mit einem Überschuss von 38,8 Mio. Euro abschließen können. Dennoch seien die Einnahmen aus der Kirchensteuer mit 429 Euro im Vergleich zum Vorjahr um 10 Mio. Euro zurückgegangen. im Jahr 2010 betrug der Gesamtumfang des Haushalts 520,4 Mio. Euro (Vorjahr: 568 Mio. Euro). Die Kirchensteuer machte mit rund 82 Prozent den mit Abstand größten Teil der Gesamteinnahmen der EKHN aus. Der Rest entfällt auf Erlöse und Kostenerstattungen, Zins- und Vermögenserträge. Nur 2,5 Prozent seien die gelegentlich kritisierten Staatsleistungen, deren Herkunft und Rechtsgrundlage im Jahresbericht erläutert werden, sagte Striegler. Er beschreibt im Jahresbericht auch die Verwendung des Haushaltsüberschusses. Rund 25 Mio. Euro sollen – wenn die Synode auf ihrer Tagung im November zustimmt – der Versorgungsstiftung zu gute kommen, um die Ruhestandsbezüge von ehemaligen Mitarbeitenden abzusichern. Die rund 20.000 Beschäftigten in der EKHN sollen eine tariflich vereinbarte »ergebnisorientierte Entgeltsonderzahlung«, und die EKD 2,3 Mio. Euro als Sonderumlage erhalten. Der Haushalt 2010 hatte eine Personalkostenquote von 70 Prozent.
Für das Jahr 2011 rechnet die EKHN mit Steuereinnahmen in Höhe von 400 Mio. Euro, also knapp 30 Mio. Euro weniger als sie im Berichtsjahr 2010 erhalten hat.
Zur EKHN, deren Gebiet das Rhein-Main-Gebiet und die umliegenden Mittelgebirge umfasst, gehören 1,7 Millionen Mitglieder in 1170 Gemeinden, 47 Dekanaten und sechs Propsteien. In ihnen sowie in vielen Fachdienststellen, Verbänden, Vereinen und Gesellschaften der EKHN arbeiten 68.000 Ehrenamtliche sowie etwa 10.000 hauptamtlich und etwa 10.000 nebenamtlich Beschäftigte. Die EKHN ist damit eine der großen Arbeitgeber in ihrem Kirchengebiet.
Darmstadt, 5. August 2011
Verantwortlich: gez. Pfarrer Stephan Krebs, Pressesprecher
zurück | letzte Aktualisierung: 05.08.2011 | copyright by EKHN