Ehrenamt: Drei Beispiele: Mit Spaß dabei
Hobby mit Nächstenliebe verbinden – Einstieg ins Ehrenamt leicht gemacht
Nieder-Ramstädter-Diakonie freut sich über weitere Ehrenamtliche
Der Schritt ins Ehrenamt kann einfach sein und Spaß machen, wie der Ingenieur Sven Burk erfahren hat. Mit seiner neuen Aufgabe bei der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) verbindet er sein Hobby, das Fahrradfahren, mit der Betreuung der geistig behinderten Jenny. Gemeinsam unternehmen sie Ausflüge und erkunden das Umland.
Wenn auch Sie bereit sind, einen Teil Ihrer Freizeit für einen guten Zweck einzusetzen, können Sie sich bei der NRD unter der Telefonnummer 0 61 51 – 149 25 03 melden. Marlene Broeckers, Pressereferentin und Beauftragte für das Ehrenamt in der NRD, ermutigt: „Die Freiwilligen werden nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern von Mitarbeitern begleitet."
Ingenieur Sven Burk: Radeln mit Jenny
Nieder-Ramstädter Diakonie
Stiftstraße 2
64367 Mühltal
Telefon: 06151 - 1490
Telefax: 06151 - 144117
Internet
Mehr zum Ehrenamt in der Nieder-Ramstädter Diakonie
Kontakt für Interessierte am Ehrenamt:
Marlene Broeckers
Rufnummer 0 61 51 – 149 25 03
Einmal im Monat freut sich Jenny R. ganz besonders auf den Sonntag. Dann kommt nämlich Sven Burk vorbei, um sie zum Radfahren abzuholen. Den Fahrradhelm hat Jenny schon bereit liegen. Jetzt müssen nur noch die Reifen ein bisschen mehr Luft kriegen und dann kann Jenny losradeln, bis sie außer Puste ist. Radfahren ist Jenny’s liebstes Hobby.
Weil die junge Frau eine geistige Behinderung hat, ist sie auf Begleitung angewiesen. Die hat sie im Frühjahr in Gestalt von Sven Burk gefunden: Der 49 Jahre alte Ingenieur in Diensten der Stadt Darmstadt hatte sich bei der Freiwilligen-Agentur Darmstadt gemeldet und seine Hilfe angeboten. Gefragt, was er denn gern in seiner Freizeit tue, hatte Burk sein Fahrrad erwähnt, mit dem er auch täglich von Nieder-Beerbach aus zur Arbeit fährt. Schnell war dann das passende Gesuch gefunden, das kurz vorher aus der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) gemeldet worden war: Junge Frau sucht Begleitung zum Fahrradfahren.
Zwei Wochen später starteten Jenny R. und Sven Burk dann zu ihrer ersten Sonntagstour, begleitet von Psychologin Dorothea Maxim, NRD-Mitarbeiterin im Haus Pulvermühlenweg 21, wo Jenny wohnt. Die ersten Male war man zu dritt unterwegs, zwischendurch lernten auch Jennys Mutter und Sven Burk sich in der Pulvermühle kennen. „Mir war es wichtig, zu wissen, mit wem meine Tochter unterwegs ist“, sagt Hanin Bahar-Barlik und ich freue mich sehr, dass die beiden miteinander klar kommen.“ Meist radeln Jenny und Sven Burk auf Feld- und Waldwegen zwischen Mühltal, Eberstadt und Böllenfalltor. Im Mai waren sie am Tag der autofreien Bergstraße mit dabei, im Juli gingen sie radlos auf’s Heinerfest und „fuhren Karussell, bis uns schlecht war“, erinnert sich Sven Burk.
Zum Kontakt mit behinderten Menschen ermutigen
Dass Angebot und Nachfrage in Sachen Ehrenamt so schnell zueinander finden wie im Fall Jenny ist für die Nieder-Ramstädter Diakonie ein Glücksfall. Denn auch wer bereit ist, einen Teil seiner Freizeit für einen guten Zweck einzusetzen, traut sich deswegen noch lange nicht zu, Kontakt mit behinderten Menschen aufzunehmen. Auch Sven Burk hatte vorher noch keine persönlichen Begegnungen mit Menschen wie Jenny. „Aber ich dachte, ich probier’s einfach mal aus“, sagt er.
Zu dieser Bereitschaft ermuntert auch Marlene Broeckers, Pressereferentin und Beauftragte für das Ehrenamt in der NRD: „Die Freiwilligen werden nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern von Mitarbeitern begleitet. Voraussetzung für Freiwilligen-Arbeit in der NRD ist nur die Freude an der Begegnung mit Menschen, die ein bisschen anders sind“. Mit „anders“ meint Broeckers hier vor allem: Direkt, offen und spontan.
Maschinist Uwe Gottschalk: Vom Ehrenamtlichen zum Hauptamtlichen
Diese Erfahrung hat auch Uwe Gottschalk, 49, gemacht, der aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen seit Jahren arbeitslos ist und in der Mühltalwerkstatt der NRD einen Ein-Euro-Job angenommen hat. Nachdem der zeitlich befristete Einsatz beendet war, hat der gelernte Maschinist seine Tätigkeit ehrenamtlich fortgesetzt, während er weiter nach einer bezahlten Arbeit suchte. Mehrmals in der Woche verbrachte er den Tag in einer Montage- und Verpackungsgruppe der NRD: „Mir macht das hier Spaß“, sagte er, „es ist hundertmal besser, als zuhause auf den Tisch zu trommeln.“ Und Gruppenleiter Thomas Lambert freute sich über Gottschalks Einsatz: „Er hat ein gutes Händchen und kann mit unsern Leuten toll umgehen, ein Naturtalent. Und wer weiß, vielleicht wird irgendwann in der Werksatt auch eine passende Stelle für ihn frei.“ Und das hat tatsächlich geklappt, seit November hat der Ex-Ehrenamtliche eine Stelle in der Mühltalwerkstatt und wird als „Springer“ eingesetzt in verschiedene Gruppen, wo Not am Mann ist.
Student Dominik Pohl: Leidenschaft fürs Ehremamt während des "Sozialen Jahrs" entdeckt
Auch Dominik Pohl, 21, ist dank guter Erfahrung als Freiwilliger an der NRD „hängen geblieben“. Er hat ab September 2006 ein Soziales Jahr im Haus Stiftstraße 11 gemacht, wo 14 Erwachsene zusammen leben. „Die Leutchen waren alle so nett, deshalb habe ich angeboten, dass sie mich jederzeit anrufen können, wenn sie einen Ausflug machen und Begleitung brauchen“, sagt Pohl, der gerade sein Betriebswirtschafts-Studium in Aschaffenburg aufgenommen hat.
Weitere Ehrenamtliche sind willkommen
Rund sechzig Freiwillige sind für die NRD in Nieder-Ramstadt aktiv und tragen dadurch bei zu mehr Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben. Angeleitet und begleitet werden sie von Mitarbeitern an den verschiedensten Einsatzorten, zweimal im Jahr kommen sie zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig kennen zu lernen und ihr Wissen um das Thema geistige Behinderung zu erweitern. Interessierte können sich unter der Rufnummer 0 61 51 – 149 25 03 an Marlene Broeckers wenden. Aktuell sucht die NRD Freiwillige, die Lust haben, Mitarbeiter aus dem Haus Eben-Ezer am Wochenende auf Spaziergängen mit Kindern und jugendlichen Bewohnern zu begleiten.
Marlene Broeckers / RD
zurück | letzte Aktualisierung: 15.11.2007 | copyright by EKHN