Ehrenamtlich predigen: Prädikanten
Priestertum aller Gläubigen
Prädikanten symbolisieren evangelisches Profil
Viele Ehrenamtliche (etwa 780 Prädikanten und 580 Lektoren) sind in der EKHN zum Predigtdienst bevollmächtigt. Darin gewinnt ein besonderes Erbe der Reformation Gestalt – das „Priestertum aller Gläubigen“. Denn der Auftrag, das Evangelium zu verkündigen, ist der ganzen Gemeinde gegeben. Für den Auftrag der öffentlichen Verkündigung qualifiziert und beauftragt die EKHN neben Pfarrerinnen und Pfarrern dazu geeignete Gemeindeglieder – die Prädikanten und Lektoren.

Dekan Jens Böhm (obere Reihe links) und Propst Klaus-Volker Schütz (rechts) führen PrädikantInnen in Rheinhessen in ihren Verkündigungsdienst ein.
Im Vordertaunus zum Beispiel sind zehn Prädikanten beauftragt. Einer von ihnen ist Dr. Michael Mitzlaff aus der Christuskirchengemeinde Bad Homburg, der seit mehreren Jahrzehnten seine Kirche unterstützt. Verantwortung hat der heute 67-Jährige schon früh als Jugendleiter der Jungschar in Gonzenheim des Evangelischen Jugendwerkes übernommen. Schon als Schüler hat er Andachten gehalten. Während und nach seines Studiums litt das kirchliche Engagement, wie bei vielen Menschen. Doch als seine Frau dann eine Stelle in einem kirchlichen Kindergarten annahm, entschloss sich Mitzlaff wieder für eine stärkere Beteiligung in der Gemeinde: „Ich stellte fest, das Gemeindeleben braucht mich.“
Nun ist er seit 35 Jahren Mitglied des Kirchenvorstands der Christuskirche, seit langer Zeit Mitglied der Dekanatssynode und darüber hinaus auch Prädikant. Prädikanten sind beauftragt, selbstverfasste Predigttexte zu halten, das Abendmahl austeilen und dürfen in seltenen Fällen nach Absprache mit dem Dekan Trauerfeiern, Taufen oder Trauungen durchführen.
Der Zeitaufwand für die Vorbereitung einer Predigt und für das Prädikantenamt im Allgemeinen ist unterschiedlich: „Ich brauche um die sechs bis acht Stunden“, erläutert Mitzlaff, „andere brauchen weniger Zeit für die Vorbereitung einer guten Predigt“. Wie oft und wo Prädikanten im Einsatz sind, ist völlig unterschiedlich und hängt auch vom persönlichen Zeitkontingent ab. Niemand ist verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Stunden zu leisten. Hochkonjunktur haben Prädikanten, wenn ein Pfarrer längere Zeit krank ist oder bei einer Jugendfreizeit mitfährt. Und dann müsse man auch über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinausschauen, erläutert Kirchenvorsteher Mitzlaff. Er selbst war bisher unter anderem in Friedrichsdorf, Burgholzhausen und Bad Homburg gefragt, demnächst steht ein Einsatz in Oberursel bevor.
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Die zweijährige Ausbildung zum Prädikanten besteht aus vielen Fortbildungen und Lehrgängen, bei denen etwa zwei bis vier Anwärter von einem Ausbilder betreut werden. Im Vordertaunus ist Pfarrer Herbert Lüdtke aus Steinbach für die Anwärter zuständig. Unter anderem thematisiert der Ausbilder grundlegende Dinge des Glaubens, theologische Inhalte sowie die Liturgie. Im Laufe dieser zwei Jahre werden die Anwärter vom jeweiligen Gemeindepfarrer und dem Ausbilder bewertet. Am Ende der Ausbildung steht eine Abschlusspredigt. In seltenen Fällen, zum Beispiel nach einem erfolgreich absolvierten Theologiestudium, geht es aber auch ohne die Ausbildung.
Neben Mitzlaff sind neun weiter Prädikanten im Vordertaunus aktiv. Dieser Kreis hat sich in der letzten Zeit nicht erweitert. Doch auch hier fühlt sich der engagierte Pensionär verpflichtet: „Dies soll sich unbedingt ändern“, beteuert Mitzlaff, der sich dafür einsetzt, dass wieder Kurse für Prädikanten angeboten werden.
Ansprechpartner für eine Ausbildung zum Prädikanten sind die Gemeindepfarrer. Grundsätzlich kann jedes Mitglied der evangelischen Kirche Prädikant werden. In der Praxis spielen aber auch Persönlichkeit und Charakter eine Rolle.
Jens Meier / BR
zurück | letzte Aktualisierung: 28.05.2009 | copyright by EKHN