Bericht
Energiediskussion: Kirche erinnert an die Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl
Kirche nimmt eine zunehmende Akzeptanz der Atomenergie wahr
Die Risiken der Kernenergie ließen sich mit der Position einer christlich begründeten Ethik der Verantwortung für die Schöpfung nicht vereinbaren, sagte Propst Klaus Eibach in seiner Predigt am Sonntag, 2. April, in der Evangelischen Kirche in Großen Linden. Anlass war ein Festgottesdienst, mit dem die offizielle Eröffnung der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ abgeschlossen wurde.
Krebserkrankungen nahmen in den verstrahlten Gebieten zu
Spenden-Konto :
Gesamtkirchenkasse der EKHN
Evangelische Kreditgenossenschaft Frankfurt
Konto-Nr. 4 100 000
BLZ 520 604 10
Stichwort „Hoffnung für Osteuropa“
Im Rahmen der Eröffnung veranstaltete die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) das Symposium „20 Jahre Tschernobyl und die Folgen“ am 1. April - zwei Tage bevor Politiker in Berlin beim Energiegipfel diskutierten, wie die Energieversorgung in Deutschland in Zukunft gesichert werden solle. Während des Symposiums machte Prof. Dr. Inge Schmitz–Feuerhake, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V, deutlich, welche medizinischen Langzeitfolgen die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nach sich zog: In der verstrahlten Region nahmen Krebserkrankungen wie Schilddrüsenkrebs oder Leukämie zu, die Menschen litten auch vermehrt an Diabetes. In der aktuellen Diskussion sei aber festzustellen, dass die Langzeitfolgen als Argument gegen die zivile Nutzung der Kernenergie an Bedeutung verlören.
Kritische Haltung zur Atomenergie schwindet – neue Kraftwerke werden geplant
Die kritische Haltung zur Atomenergie schwinde in den Ländern, in denen die Verstrahlung am intensivsten war. Diese Ansicht vertraten in der anschließenden Podiumsdiskussion Dr. Alexander Ruchlja, der ehemalige belarussischer Vizeaußenminister, und Larissa Ketsalko, Vertreterin der Organisation Belapdi – Assoziation zur Hilfe von Behinderten Jugendlichen, aus Belaruss sowie der ukrainische Journalist Anatoli Artemenko.
“Ein deutliches Zeichen für dieses Umdenken ist das Vorhaben des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko, der neue Atomkraftwerke bauen will, um unabhängig von der russischen Energieversorgung zu werden“, erklärte Dr. Hans Jürgen Steubing von der Aktion Hoffnung für Osteuropa in der EKHN.
Kirchliche Gruppen ermöglichen Erholungsaufenthalte für betroffene Kinder
Bisher unterstützen kirchliche Basisgruppen unter dem Dach der „Hoffnung für Osteuropa“ Menschen vor allem in Weißrussland und der Urkraine, die von dem Reaktorunfall betroffen sind. Dazu zählen beispielsweise 12 Tschernobyl-Kindererholungsmaßnahmen, bei denen 352 Kinder und Betreuer/innen auf Einladung örtlicher Initiativen in die EKHN kamen. Die EKHN hat die Arbeit der Basisgruppen im Jahr 2005 mit 72.149 Euro bezuschusst.
Bürgerschaftliches Engagement in den ehemaligen Sowjet-Republiken fördern
Die Zielrichtung der Arbeit der Aktion wird in Zukunft jedoch einen anderen Schwerpunkt erhalten: „Hilfstransporte werden nicht mehr im Vordergrund stehen. Die Gruppen werden zunehmend die Menschen vor Ort unterstützen, selbst für ihre Rechte zu kämpfen und sich bürgerschaftlich zu engagieren“, so Hans Jürgen Steubing.
[Hans Jürgen Steubing / Rita Deschner]
zurück | letzte Aktualisierung: 07.01.2008 | copyright by EKHN