Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote der EKHN zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular und auf facebook sind wir offen für Ihre Anregungen.

Menümobile menu

Für ein Europa mit menschlichem Antlitz

Ehrenamtliche aus Flüchtlingsinitiativen reisen nach Griechenland

BiewendtFlüchtlingskind im Lager Karatepe

Ehrenamtliche aus verschiedenen Flüchtlingsinitiativen im Bereich der EKKW und der EKHN werden vom 30. September bis zum 7. Oktober die griechische Insel Lesbos und die Stadt Thessaloniki in Nordgriechenland besuchen. Sie wollen sich vor Ort über die Situation der Flüchtlinge informieren.

Bildergalerie

Biewendt/NGOJugendliche, unbegleitete Flüchtlinge, die das Lager Moria nicht verlassen dürfen, zünden Müllcontainer an, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Kein Einzelfall.

Organisiert und geleitet wird die Begegnungsreise von Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene.

Fast 60.000 Geflüchtete halten sich derzeit in Griechenland auf, darunter allein rund 6.000 auf der Insel Lesbos. Noch immer kommen Menschen mit Schlauchbooten aus der Türkei übers Meer und landen auf einer der Inseln in der Ostägäis. Doch seit dem EU-Türkei-Abkommen, das am 20. März 2016 in Kraft trat, ist die Zahl deutlich zurückgegangen. Das Abkommen sieht vor, dass neu ankommende Flüchtlinge nicht auf das Festland weiterreisen können. Vielmehr sollen sie nach Anhörung und  Asylinterview in die Türkei zurückgeschoben werden. Das funktioniert bislang mehr schlecht als recht. Die Folge: die Geflüchteten hängen auf Lesbos und den anderen Inseln fest. Für sie gibt es kein Vor und kein Zurück.

Symbol für Flucht und Migration

Auf Lesbos seien die insgesamt 17 Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe genau richtig. Denn die griechische Insel sei wie das italienische Lampedusa ein symbolischer Ort für Flucht und Migration nach Europa, meint Pfarrerin  Müller-Langsdorf: „Der EU-Türkei-Deal ist eine Blaupause für ähnliche Abkommen etwa mit den nordafrikanischen Ländern. Die europäischen Außengrenzen werden dicht gemacht und die nicht-europäischen Anrainerstatten finanziell unterstützt, damit sie die Flüchtlinge von Europa fernhalten. Das alles ist auf Lesbos mit seinen Flüchtlingslagern, dem Hotspot, den Patrouillen von Kriegsschiffen und den Einsatz von Frontex-Polizisten sichtbar. Zugleich können wir dort aber auch ein Europa mit menschlichen Antlitz erleben.“

Solidarität und Hilfe werden erschwert

Denn griechische und internationale Freiwillige engagieren sich immer noch für die Geflüchteten, auch wenn Solidarität, wie Pfarrerin Müller-Langsdorf meint, angesichts der auf Ausgrenzung und Abschiebung zielenden Flüchtlingspolitik schwieriger geworden sei und sich immer mehr ohnmächtig fühlten. Mit den Freiwilligen in Griechenland wollen sich die Ehrenamtlichen aus Deutschland austauschen und  ihre Projekte kennenlernen.

Chancen und Hoffnungen für Geflüchtete

Einer von ihnen ist Stephan Neumayer, der sich auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung im Herbst 2015 spontan zwei Wochen Urlaub nahm und sich in der Erstaufnahmeeinrichtung der Diakonie in Frankfurt-Kalbach engagierte und heute als Lernpaten einen afghanischen Asylbewerber betreut. „In erster Linie möchte ich mir ein persönliches Bild der Lage vor Ort machen und durch direkte Begegnungen mit den Organisationen in Griechenland besser verstehen, welche Chancen und Hoffnungen es für geflüchtete Menschen gibt. Ich denke, direkte Begegnungen helfen, die eigene Wahrnehmung zu verbessern und auch weitere Kraft für die Integrationsarbeit zu schöpfen.“

Zusammenhänge verstehen und Antworten finden

Ähnlich sieht das Carina Herget, die seit Oktober 2015 Geflüchtete in der Zentralen Aufnahmestelle  des Landkreises Hersfeld-Rotenburg betreut. „Ich möchte die Zusammenhänge besser verstehen und Antworten auf die Fragen finden. Was kann man von Deutschland aus tun? Was macht Sinn? Was nutzt den geflüchteten Menschen wirklich? Meine Erlebnisse möchte ich weitergeben. Unser Pfarrer hat mich schon  gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, nach der Reise einen Vortrag in unserer Gemeinde zu halten.“ Nach einem Aufruf ihrer Kirchengemeinde Oppenrod im Dekanat Kirchberg engagiert sich auch Jutta Runkel in der Flüchtlingsarbeit. Sie begleitet Geflüchtete bei Arztbesuchen, hilft bei der Wohnungssuche oder  organisiert Kinderbetreuung. Auch sie hofft durch die Begegnungsreise auf Impulse für ihr ehrenamtliches Engagement. „Das Vorbereitungstreffen hat meine Erwartungen übertroffen. Ich bin gespannt auf die Projekte und den Austausch mit den Freiwilligen in Griechenland“

Begegnungsreise mit straffem Programm

Die achttägige Begegnungsreise hat ein straffes Programm. Die Ehrenamtlichen werden in Thessaloniki Naomi, ein ökumenische Werkstatt für Flüchtlinge kennenlernen, die unter anderem auch eine Textilwerkstatt betreibt. Sie werden Alkkyone, ein Tageszentrum für Flüchtlinge besuchen, das von der Diakonie Katastrophenhilfe gefördert wird sowie das Folitsa-Wohnprojekt der deutschen-evangelischen Gemeinde. Auf Lesbos ist der Besuch der drei Flüchtlingslager Moria, Karatepe und Pikpa vorgesehen sowie Workshops mit griechischen und internationalen Freiwilligen. „Das sind wichtige Gelegenheiten, um mich mit anderen über unsere ehrenamtliche Tätigkeit austauschen zu können. Meine Hoffnung ist, dass sich mehr Menschen für Geflüchtete, ein humaneres Wirtschaftssystem und eine andere Flüchtlingspolitik engagieren“, erklärt Dorothea Korn ihre persönliche Motivation für die Begegnungsreise. Die Frankfurterin engagiert sich seit 2016 für eriterische Flüchtlinge, aktuell auch bei einem Kirchenasyl.

„Gelungene Projekte in Griechenland können vielleicht Anstöße für ähnliche Projekte bei uns sein“, betont Sabine Müller-Langsdorf. „Wenn wir die Lage der Flüchtlinge vor Ort wahrnehmen, können wir auch kritische Anfragen an die Politik richten. Das betrifft zum Beispiel die Notwendigkeit der Familienzusammenführung, die Zunahme von psychischen Erkrankungen von Menschen, die nicht wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Und davon gibt es in Griechenland immer mehr.“ Der Austausch solle auch unterstreichen, wie wichtig der Einsatz gegen fremdenfeindliche  Parolen ist – hier wie dort. Für die Pfarrerin ist und bleibt  die geistliche Orientierung der Begegnungsreise das Jesus-Wort aus dem Matthäus-Evangelium: „Ich war ein Fremder und ihr habt mich aufgenommen.“

Berndt Biewendt, Ev. Dekanat Bergstraße

Diese Seite:Download PDFDrucken

Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

Zurück zur Webseite >

to top