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Klimaschutz und Energiewende – Bewahrung der Schöpfung konkret

Andreas Dengs/pixelio.deBäume

Nachhaltigkeit und Klimaschutz werden zunehmend zum Prinzip kirchlichen Handelns. Dieses Ziel hat sich die EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) gesetzt. Um es zu erreichen, sind die Maßnahmen und Initiativen breit gefächert; sie umfassen beispielsweise die umweltfreundliche Durchführung von Veranstaltungen.

Die Zustimmung für einen nachhaltigen Lebensstil, der gleichzeitig das Klima schützt, wächst unter den meisten Bürgerinnen und Bürgern, Politikern und Wirtschaftsvertretern. Denn die ersten Folgen des Klimawandels sind bereits spürbar, nachweislich schmelzen die Gletscher. In subtropischen und tropischen Regionen breiten sich die Wüsten aus, Menschen verlieren zunehmend ihre Lebensgrundlage und klopfen als Klimaflüchtlinge an unsere Tür. Und nicht nur Landwirte erleben unmittelbar, dass sich auch in Mitteleuropa  die Tier- und Pflanzenwelt bereits verändert.

Gute Vorsätze sind ein guter Anfang

Dass man über den persönlichen Lebensstil diesen Klimawandel beeinflussen kann, ist heute allgemein akzeptiert: beispielsweise durch Strom sparen oder weniger Auto fahren. Aber reicht diese Einsicht  über den „menschlichen Faktor“ beim Klimawandel als Motivation aus? 

Neue Haltung zu sich, zum Nächsten und zur Umwelt

EKHN-Umweltpfarrer Dr. Hubert Meisinger ermutigt, sich grundlegend mit dem Selbst- und Weltbild auseinanderzusetzen, das die technisierte und industrialisierte Welt bestimme. Es gehe darum, die bestehende Wahrnehmung um Elemente zu ergänzen, die schon immer zum Menschsein dazu gehörten, aber neue Bedeutung gewinnen können. „Echter Klimaschutz ist mit einem tiefgreifenden Wandel jedes Einzelnen verbunden. Dazu gehört, Mauern um unsere Herzen und unseren Verstand abzubauen, um echte Selbst- und Nächstenliebe als Liebe zur gesamten Schöpfung und Achtsamkeit ihr gegenüber wieder in aller Tiefe erleben und fühlen zu können“,  so Dr. Hubert Meisinger.

Eingebunden sein in alles, was existiert

Impulse für eine neue, innere Haltung gibt auch die evangelische Theologin Dorothee Sölle, die sich  Gedanken darüber gemacht hat, wie der Zustand der Welt mit unserer Glaubenshaltung zusammen hängt. Sie schrieb: „Dass eine andere spirituelle Grundlage für das Überleben der Erde und aller ihrer Bewohner notwendig ist, ahnen heute immer mehr Menschen. […] Ein mystisch-ökologisches Bewusstsein versteht sich eingebunden in alles, was existiert.“ (*1). Ein Weg ist, sich wieder mit dem zu verbinden, wie wir als menschliche Geschöpfe ursprünglich angelegt sind. Dazu gehört auch, sich als Teil von Gemeinschaft zu erleben, sich in Beziehung und Angewiesensein zu anderen Menschen, Lebewesen und der Umwelt zu erfahren. Impulse kann der ältere Schöpfungsbericht geben, in dem der Mensch den Garten Eden bebauen und bewahren solle – so der Auftrag Gottes (1. Mose 2,15).

Nach einem solchen persönlichen Innehalten haben Reiselustige beispielsweise erlebt, dass sie plötzlich ein Unbehagen beim Gedanken an einen Fernflug oder beim Blick auf den Skizirkus in den Alpen empfinden. Stattdessen berichten sie von stimmigeren Gefühlen, wenn die winzige Landschaft eines Moospolsters neben der eigenen Haustür entdecken oder auf Schneeschuhen die Winterlandschaft genießen.

Kreativität ist gefragt

Ein Bewusstseinswandel unter dem Motto „Ehrfurcht vor dem Leben“ mitsamt dem ethischen Imperativ „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ wie es Albert Schweitzer formuliert hat, öffnet Raum für neue, kreative Ideen, auch Widersprüche des Lebens aufzulösen. Es sind Vorschläge gefragt, wie ein individuelles und ein gemeinsames Leben aussehen können, bei denen „weniger mehr wird“ - und über diese Ideen hinaus werden konkrete Handlungsmöglichkeiten und Initiativen wichtig. Ein schönes Beispiel ist die Initiative von evangelischen Christinnen und Christen, die das Urban-Gardening-Projekt im Offenbacher Hafengarten um einen kleinen Bibelgarten bereichern wollen.

Für künftige Generationen: Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung  der Schöpfung

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit zahlreichen Kirchengemeinden, Dekanaten und Initiativen ihrer Verantwortung für die Schöpfung und engagiert sich für Umwelt- und Klimagerechtigkeit, auch im Rahmen der deutschen Energiewende, die für viele andere Staaten zum Vorbild einer gerechten Entwicklung werden kann. Das ökumenisch verbindende Motto lautet: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Dabei zieht sich das Prinzip der Nachhaltigkeit durch alle Konzepte und Maßnahmen, damit künftige Generationen auf einer möglichst  tragfähigen und vielfältigen Lebensgrundlage aufbauen können und jetzt schon ökologische, ökonomische und soziale Aspekte in eine bereichernde Wechselbeziehung miteinander gesetzt werden – wobei dem ökologischen Ansatz ein Primat eingeräumt werden muss, da planetarische Grenzen nicht überschritten werden können – oder anders ausgedrückt: Wir können es uns nicht leisten, auf Kosten zukünftiger Generationen schon jetzt alles aufzubrauchen, was zu einem guten Leben notwendig ist.

Regenerative Energiegewinnung satt Kernenergie

Ein konkretes Ziel innerhalb der hessen-nassauischen Landeskirche ist es, 40 Prozent des CO2-Ausstoßes von 2005 bis zum Jahr 2020 einzusparen. Denn Studien zeigen unmissverständlich die Bedeutung dieses „menschlichen Faktors“: Vor allem hohe CO2-Emissionen und der daraus resultierende Treibhauseffekt sind für den Klimawandel verantwortlich.
Die EKHN setzt auf ein zukunftsfähiges Stromnetz, das auf dezentrale, regenerative und damit schöpfungsgemäße Energiegewinnung ausgerichtet ist. Außerdem unterstützt sie Maßnahmen zu Energieeffizienz und Energiesuffizienz. Das kirchliche Engagement für die Energiewende ist nicht nur in der Notwendigkeit begründet, den Treibhauseffekt zu begrenzen, sondern auch in der Befürwortung des Ausstiegs aus der Kernenergie. Ein Grund dafür ist, dass diese Technologie keine Fehler ausschließen kann, die katastrophale Folgen für Mensch und Umwelt haben, wie die Unfälle von Tschernobyl und Fukushima gezeigt haben.

Nachhaltiges Klimakonzept wird umgesetzt

Um das vielfältige Engagement innerhalb der EKHN zu bündeln und auf konkrete Projekte hin zu fokussieren, hat der "Runde Tisch Klima" der EKHN in Zusammenarbeit mit der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet, das 2012 vorgelegt wurde. Dem daraus erarbeiteten Umsetzungskonzept hat die Herbstsynode der EKHN 2013 zugestimmt. Dabei wurde der Ökofonds, der unter anderem nachhaltiges Bauen und Sanieren ermöglicht, mit über 10 Millionen Euro ausgestattet. Zudem richtete die EKHN zwei Projektstellen ein, die Ende 2014 in die Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes aufgenommen worden sind. Ziele dieser beiden Klimaschutzmanager/innen sind zum einen eine konzeptionell durchdachte energetische Begleitung aller Baumaßnahmen in der EKHN. Zum anderen soll die Aktion „Grüner Hahn“ als Orientierungsleitfaden für eine nachhaltige Umweltarbeit in Gemeinden und Einrichtungen der EKHN verstärkt sowie Mobilitäts- und Beschaffungsfragen in der Kirche geklärt werden.

Engagement wird gefördert:

Förderprojekt „Einführung eines Klimaschutzmanagement für die fachlich-inhaltliche Unterstützung bei der Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzepts der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.“

Laufzeit: 1.9.2015 bis 31.8.2018
Förderkennzeichen: 03K01437

Projekte und Initiativen in der EKHN:

Die folgende kleine Auswahl an Projekten und Initiativen veranschaulicht das kirchliche Engagement für den Klima- und Umweltschutz:

  • Bereits im Jahre 2002 hat eine Vorgängersynode "Ökologische Leitlinien" für die EKHN verabschiedet, die heute immer noch aktuell sind,

  • das ZGV, aber auch Dekanate haben wiederholt zum Umstieg auf Ökostrom angeregt und beteiligen sich an der Diskussion über eine nachhaltige Gestaltung der Gesellschaft ,

  • über 85 Photovoltaik-Anlagen werden durch die Zentrale Pfarreivermögensverwaltung der EKHN betreut,

  •  kirchliche Umweltauditoren beraten und begleiten Gemeinden bei Umweltfragen,

  • die Predigthilfe "nachhaltig predigen" erleichtert Pfarrerinnen, Pfarrern, Lektorinnen und Prädikanten den Zugang zu nachhaltigen Aspekten der Texte der Perikopenordnung - jetzt auf www.nachhaltig-predigen.de

  • die Feier eines Schöpfungsgottesdienstes am ersten Freitag im September innerhalb der von der ACK ausgerufenen Schöpfungszeit ermöglicht eine weitere spirituelle Auseinandersetzung mit der Thematik – Informationen unter www.schoepfungstag-hessen.de

  • die Fastenzeit kann dazu genutzt werden, über das eigene Mobilitätsverhalten nachzudenken – Anregungen dazu unter www.autofasten.de

  •  Kirchliche Mitarbeitende  werden angeregt, sich an der Klimakollekte https://klima-kollekte.de zu beteiligen. Kann die Fahrt mit dem Auto nicht vermieden werden, können die zurück gelegten Kilometer auf dieser Webseite eingetragen und die verbrauchte Menge an CO2 errechnet werden. Ein in Euro umgerechneten Betrag kann schließlich für Projekte in südlichen und östlichen Ländern gespendet werden. Auch die mit kirchlichen Veranstaltungen verbundenen CO2-Emissionen können über die Klima-Kollekte kompensiert werden – die Synode der EKHN wählt diesen Weg schon seit mehreren Jahren.

  • in einem Pilotprojekt "Nachhaltige Entwicklung in Bürgerhand" wurden Menschen zu ProjektentwicklerInnen für Energiegenossenschaften ausgebildet, vor allem im Hinblick auf Photovoltaikanlagen,

  • Nachhaltigkeitsstandards beim Einkauf werden erarbeitet, Projekte dazu vorgestellt,

  • der Ökofonds und die ökologischen Baurichtlinien zielen auf nachhaltiges Bauen und Sanieren von Gebäuden,

  • der dienstliche Fuhrpark der EKHN wurde und wird angepasst, so gehören zur Kirchenverwaltung der EKHN zwei Carsharing-Plätze,

  • in der Aus-, Fort- und Weiterbildung werden entsprechende Angebote gemacht, die noch intensiviert werden sollen,

  • nationale und internationale Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, der Nutzung nachwachsender Rohstoffe und einer nachhaltigen Landnutzung werden bearbeitet,

  • die EKHN ist Gründungsmitglied im ökumenischen Herausgeberkreis "Jahrbuch Gerechtigkeit" und der daraus entstandenen Bewegung „Umkehr zum Leben“

  • die EKHN ist Mitglied der Klima-Allianz, einem breiten gesellschaftlichen Bündnis zum Klimaschutz in Deutschland, das politische Veränderungen im Blick hat, aber auch zur Teilnahme an einem jährlich stattfindenden Klima-Aktionstag einlädt,

  • sie ist Gründungsmitglied der "Entwicklungspolitischen Klimaplattform" der Kirchen und kirchlichen Werke, unter deren fachlicher Leitung derzeit ein ökumenischer Pilgerweg zum Klimagipfel in Paris geplant wird,

  • die EKHN steht im interreligiösen Austausch mit vielen anderen Religionsgemeinschaften beispielsweise zu den Themen Naturschutz und biologische Vielfalt,

  •  Insbesondere: viele Gemeinden sind auf vielfältige Weise aktiv und auch eingeladen,  sich auf den Weg zum "Grünen Hahn" zu machen.

Weiterführendes:

Bereich "Umwelt und digitale Welt" im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN

Literatur:

*1) Dorothee Sölle: Mystik und Widerstand, Freiburg 2014, S. 388

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Dies Gebot haben wir von ihm,
daß, wer Gott liebt, daß der auch seinen Bruder liebe.

1. Johannes 4, 21

Bild: Mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/Gorfer

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